Tägliche Archive: 8. Oktober 2017

Lutherweg: Von Torgau nach Wurzen

Am 8. Oktober 2017 brach ich zur nächsten Etappe auf dem Lutherweg auf. Mit der S-Bahn S4 ging es für 9 Euro über Eilenburg nach Torgau und gegen 9 Uhr war ich dann wieder am Lutherweg. Torgau begrüsste mich mit einem Regenschauer. Mit Nieselregen sollte es auch die kommenden fünf Stunden weitergehen.

Torgau

Torgau

Wegen des schlechten Wetters und dem Sturm „Xavier“ hatte ich die Weiterfahrt mehrfach verschoben. Nun, am letzten Urlaubstag, wollte ich wenigstens noch ein paar Kilometer fahren.

Torgau feierte die Festtage zur Weihe der Schlosskapelle. Martin Luther hatte den ersten protestantischen Kirchenneubau am 5. Oktober 1544 eingeweiht. Sonntag früh war natürlich noch nichts los. Historisches Markttreiben? Falscher Markt, aber Rummel geht immer.

Torgau

Torgau

Am Schloss Hartenfels führt der Lutherweg etwas später vorbei. Das Schloss war zu Luthers Zeiten eine Art Dauerbaustelle, ähnlich der Großprojekte in heutiger Zeit. Die Bären gab es auch schon damals. Der erste Bärengraben wurde 1452 angelegt. Heute wohnt dort Jette mit Bea und Benno.

Hügelgrab

Hügelgrab

Der Lutherweg führt nun südlich zum Forst Pflückuff, wo eine Schulklasse von ihrer Lehrerin gezwungen wurde, Hügelgräberschilder aufzustellen. Die dazugehörigen Hügelgräber sind aus der Bronzezeit, man hat aber noch nicht heraus bekommen aus welcher. Also irgendwie 2000 bis 750 vor Christus. Auf einem Hügelgrab steht dann auch noch ein Gedenkstein für Gefallene des ersten Weltkrieges. Wenigstens sind die Schilder bunt.

Xavier

Xavier

Die Etappe hatte übrigens weniger etwas mit Wandern oder Radwandern zu tun, eher mit Schlammwaten. Der tagelange Regen hatte die Wege völlig aufgeweicht und oft mußte ich im Stehen durch die Pfützen schlittern. Dazu hatte Sturm „Xavier“ ganze Arbeit geleistet: umgestürzte Bäume und Sträucher, sowie herumliegende Äste und Kiefernzapfen.

Aus dem Wald heraus, bekam ich wieder den Nieselregen ab und verfuhr mich auch noch um zwei Kilometer. Also wieder zurück und irgendwie gelangte ich dann auch nach Schildau.

Schildau

Schildau

Ob die kleine Stadt wirklich der Ort der Schildbürgerstreiche ist, ist nicht bekannt. Aber die Geschichten stammen aus der Zeit Luthers. Der erste bekannte Druck ist von 1597.
Wahrzeichen der Stadt ist die Marienkirche die um 1170 als dreischiffige Basilika erbaut wurde. Auf dem Gelände der Kirche steht auch ein Baum, der ein Jahr nach dem Thesenanschlag von Luther gepflanzt wurde. Er ist der älteste Maulbeerbaum Deutschlands und wird 2018 fünfhundert Jahre alt.

Schildau

Schildau

Das heutige Schildau präsentiert sich mit einer Pferdesportarena. Im September fanden dort zum zweiten Mal die Süddeutschen Mannschaftsmeisterschaften der Ein- und Zweispänner Ponys und Pferde statt. Die Hindernisse auf dem Parkour sind übrigens Schildbürgerstreichen nachempfunden.

Sitzenroda

Sitzenroda

Von Sitzenroda fährt man an der FFW und dem Quellentalspatzen-Kindergarten vorbei und verpasst fast die schlichte Kirche auf der anderen Straßenseite. Der kleine Ort hat alles überlebt: die Reformation, den 30jährigen Krieg, die Pest, die Hexenverfolgung, den Absturz zweier MiG-21 der NVA und den Besuch eines Radfahrers aus Leipzig.

Hasendenkmal Schmannewitz

Hasendenkmal Schmannewitz

Wieder Wald: Aufgeweichte Wege und sturmgefällte Bäume – die Dahlener Heide. Hier gibt es die Quelle der Dahle, die Landesbuche, die Jägereiche, ein Weißes Haus und einen buckeligen Findling. Nachdem man den Wald verlassen hat, führt eine kleine Treppe zum Hasendenkmal, welches an den Besuch von Brehm („Brehms Tierleben“) erinnern soll.

Heyda

Heyda

Nach Meister Lampe biegt der Lutherweg nach rechts ab und führt nach Heyda. Das Gut Heyda sieht recht schmuck aus. Die Familie von Carlowitz hat den Besitz 1990 zurückerworben und das Schloss saniert. Übrigens war es Hans Carl von Carlowitz der nach dem 30jährigen Krieg in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ die nachhaltige Forstwirtschaft erfand.

Die Vögel

Die Vögel

Im nächsten Ort, Dornreichenbach, hätte Hitchcock seinen Film „Die Vögel“ drehen können. In den Wipfeln der Bäume schnatterten hunderte von Vögeln, die aber kaum zu erkennen waren. Sie schlugen sich die Bäuche mit Fallobst – insbesondere Birnen – voll, um sich für die Winterreise zu rüsten. Ich hüpfte mal hoch und erntete auch eine Birne.

Jakobsweg

Jakobsweg

Übrigens hatte ich nach Heyda einen Abzweig verpasst und machte einen kleinen Umweg über Meltewitz. Mein Handy, dass ich auf der Zugreise nach Torgau noch mal schnell aufgeladen hatte, war nun leider leer. Ich hatte nur noch die zuhause aus Webseite vom Lutherweg Sachsen zusammengeklebte Übersichtskarte.

Bibelsprüche

Bibelsprüche

Ab Dornreichenbach wurde es aber wieder etwas einfacher, denn der Lutherweg entspricht nun dem sächsischen Jakobsweg der nach Wurzen weiterführt. Neben weiteren Birnenbäumen hatte jemand Bibelsprüche, natürlich aus der deutschen Lutherbibel, an die Bäume getackert. Ich war dann eher müde und matt. Inzwischen schien aber wenigstens die Sonne und der Nieselregen hatte endgültig aufgehört.

Wurzen

Wurzen

Nach Körlitz verpasste ich wieder einen Abzweig – da fehlte wohl das Schild – und fuhr dann entlang der B6 nach Wurzen und von dort mit einer künstlerisch gestalteten S-Bahn nach Hause.