Brandenburg II – Von Cottbus nach Lauchhammer

Die Tour Brandenburg ist ein über eintausend Kilometer langer Radweg, der – rund um Berlin – durch ganz Brandenburg führt. Es gibt ein Tourenbuch von bikeline, wo die Gesamttour in kleinere Tagesabschnitte aufgeteilt ist. Den ersten Teil fuhr ich im November 2014. Dabei übersprang ich die ersten beiden Etappen ab Brandenburg, da sie den Havelradweg und dem Elberadweg entsprechen, und startete in Wittenberge. Damals kam ich bis Fürstenwalde.

Cottbus Hauptbahnhof

Cottbus Hauptbahnhof

Ab dem 16. Mai 2017 begann ich den zweiten Teil der Tour Brandenburg. Auch diesmal wurden ein paar Kilometer übersprungen und ich starte in Cottbus. Der RE 18385 fuhr vom Bahnsteig 10 des Leipziger Hauptbahnhofes und war pünktlich gegen 11.00 Uhr in Cottbus. Der Bahnhof Cottbus (dort Hauptbahnhof genannt) wird seit 2016 umgebaut. Zum Regio120plus-Ticket für 20 Euro kaufte ich noch eine Fahrradkarte für inzwischen 5,50 Euro.

Cottbus

Cottbus

Nach kurzer Fahrt zur Spree, gelangte ich auf den mir bereits bekannten Spree-Radweg. Lutz? Vielleicht konnten sie sich noch an mich erinnern. Zwischen Fürstenwalde und Spremberg entspricht die Tour Brandenburg der Alternativ-Route des Spree-Radweges, den ich nun 30 Kilometer verkehrt herum über Frauendorf nach Spremberg fuhr.

Frauendorf

Frauendorf

Aber erstmal gelangt man zur Talsperre Spremberg. Neben der Anlage zur Stromerzeugung am Nordende, dient die Anlage vor allem zum Hochwasserschutz. Bei Hochwasser füllt sich das Staubecken und die Freileitungsmasten stehen dann im Wasser. Bei Bühlow fährt man drunter durch und gelangt zur Westseite der Spree und Spremberg.

Talsperre Spremberg

Talsperre Spremberg

Spremberg verliess ich gleich wieder und fuhr in anstrengenden Aufstiegen zur Hochkippe Pulsberg westlich von Spremberg. Die Hochkippe wurde bis 1986 mit dem Aufschluss des Tagebaus Welzow-Süd aufgeschüttet, später aufgeforstet und ist heute ein Erholungsgebiet. Steine erinnern an die weggebaggerten Ortschaften. Die Kohle von Welzow-Süd ist für das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe, auf das man in der rasanten Abfahrt von der Hochkippe zufährt.

Kraftwerk Schwarze Pumpe

Blick von der Hochkippe Pulsberg zum Kraftwerk Schwarze Pumpe

Zwischenzeitlich machten sich starke Ermüdungserscheinungen breit. Das kleine Frühstück mit Cappuccino und Bambina hatte sich nun aufgebraucht und ich fuhr auf Reserve. Nach einem weiteren Anstieg und zehn Kilometern machte ich dann erstmal eine Zwangspause. Leichter Nieselregen. Bei den folgenden Fahrten um Parwitzer See und Geierswalder See war ich dann schon auf Hotel-Suche. Leider war die Gegend etwas teuer. 195 Euro für die Nacht im Hausboot.

Lausitz Resort

Lausitz Resort am Geierswalder See

Nach dem Geierswalder See kommt der Senftenberger See und dazwischen der Koschener Kanal mit einer Bootsschleuse. Der Radweg führt um den See herum. Alle Hotels ausgebucht. Nordwestlich der Stadt ist der Lausitzring und dort war DTM und ADAC GT Masters gemeinsam am selben Wochenende. Die Jugend hat das Seeufer in Beschlag genommen. Zwei Cola an einem Biergarten. Niemtsch und dann zur Schwarzen Elster.

Koschener Kanal

Koschener Kanal

Nun ging es an der Schwarzen Elster entlang nach Biehlen und dann weiter nach Schwarzheide. Auch hier hielt ich an Pension und Hotel: ausgebucht. Es machte sich langsam die Erkenntnis breit, dass das so weiter gehen würde. Ich suchte auf der Karte den nächsten Bahnhof und eine Zugverbindung. Die letzte Direktverbindung nach Leipzig mit der S-Bahn S4 würde ich nicht schaffen, aber Züge fuhren noch.

Schwarze Elster

Schwarze Elster bei Biehlen

In Schwarzheide nieselte es wieder. Ich hatte bei der Reiseplanung einiges über Schwarzheide gelesen: Wasserturm, Frauke Petry, BASF, KZ-Außenlager und Lutherkirche. In Erinnerung wird mir aber die lange, lange Straße bleiben. In Schwarzheide West, früher das Dorf Zschornegosda, biegt der Radweg dann nach links ab. Hier wurde ab 1892 Braunkohle abgebaut und in einer 1897 gegründetenn Brikettfabrik verarbeitet.

Wasserturm Schwarzheide

Wasserturm Schwarzheide

Die Restlöcher sind heute Seen. 1754 wurde die Lutherkirche gebaut und mehrfach erweitert. Nach ein paar Kilometern kommt Lauchhammer Süd, wo ich den Radweg verliess und nach Lauchhammer West fuhr, wo eine DB-Mitarbeiterin den Bahnhof bewachte. Ich musste noch auf die letzte Verbindung nach Leipzig warten, dann ging es 21.14 Uhr mit der RB 18437 nach Elsterwerda-Biehla, dann mit der RB 18339 nach Priestewitz und letztendlich mit dem RE 16536 nach Leipzig.

Lutherkirche Schwarzheide

Lutherkirche Schwarzheide

Seltsamerweise spukte mir der Fahrkartenautomat ein Sachsen-Ticket für 24 Euro aus, obwohl Lauchhammer eindeutig in Brandenburg liegt. Die Zugbegleiterinnen hatten keine Probleme damit. In Leipzig wurden wir dann um Mitternacht von der Polizei empfangen. Gegen 23.15 Uhr hatte ein „Terroranschlag“ stattgefunden. Maschinenpistolen, Absperrungen, Polizisten, Polizeiautos, Polizeibusse und insgesamt die größte Ansammlung von Polizei die ich je gesehen habe.

Wald

Wald

Der „Terroranschlag“ war aber nur eine Übung und so verließ ich den Hauptbahnhof über einen Seiteneingang und radelte nachhause. Da sich die Hotelsituation in der Lausitz vermutlich erst nächste Woche entspannt, werde ich nun erstmal die nächste geplante Radtour vorziehen: den Lutherweg in Sachsen.

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