Insel und Mauer: Von Usedom nach Leipzig

Die erste Etappe des Tages führte auf dem Radweg Berlin-Usedom von Usedom nach Anklam. Die beiden Fähren in Karnin hatte ich gleich abgeschrieben, da ich pünktlich 11:05 Uhr am Anklamer Bahnhof sein musste. So fuhr ich über Vossberg entlang der Bundesstraße 110 zur Zecheriner Brücke.

Stromleitung

Stromleitung

Unterwegs unterquert man die Stromleitung Anklam-Bansin mit ihren seltsam verspannten Masten. Es ist eine 100-kV-Leitung die bei Karnin den Peenestrom überquert. Die beiden dortigen 85-Meter-Masten und die 780 Meter-Überquerung sind sehr beeindruckend. Mit dieser Leitung wird die Insel Usedom mit Strom versorgt. Nach Kriegende wurde bei Peenemünde eine weitere Leitung über die Peene gebaut, um den Strom des Kraftwerkes der ehemaligen Heeresversuchsanstalt zum Festland zu leiten.

Zecheriner Brücke

Zecheriner Brücke

Die Zecheriner Brücke ist die zweite Brücke zur Insel Usedom. Es ist eine Stahlgitterbrücke mit einem Klappteil. Auch hier gibt es Brückenöffnungszeiten, die ich jedoch nicht in Erfahrung gebracht habe. Auch diese Brücke führt über den Peenestrom, einem der drei Mündungsarme der Oder in die Ostsee. Den Namen hat der Peenestrom von der Peene, die durch Anklam fliesst und bei Nordostwind auch mal die Fliessrichtung wechselt.

Totholz

Totholz

Von der Zecheriner Brücke bis Johannishof führt ein drei Kilometer langer Damm, mit einer recht interessanten Landschaft. So gab es nördlichen ein Totholzwald zu sehen und südlich interessante Wasserpflanzen. Dann ging es über Pinnow, Libnow und Relzow nach Anklam weiter. Dort überquerte ich wieder die Peene.

Anklam

Anklam

In Anklam fand ich den Bahnhof nicht mehr und musste zum Handy greifen, stand dann aber pünktlich am Bahnhof und kaufte ein Quer-durchs-Land-Ticket und ein Fahrrad-Ticket. Im Zug plante ich nochmal um, fuhr nun bis Berlin-Gesundbrunnen, wo ich 13:21 Uhr ankam und die zweite Etappe des Tages begann: der Berliner Mauerweg, Teil2.

Mauerpark

Mauerpark

Vom Bahnhof Gesundbrunnen bin ich gleich auf die Bornholmer Straße und auf den Mauerradweg, der hier gleichzeitig auch der Radweg Berlin-Usedom ist. Sonntagnachmittag. Schönes Wetter. Straßenmusik. Menschenmassen im Mauerpark – ich bekam einen kleinen Zivilisationsschock.

Mauerreste Bernauer Straße

Mauerreste Bernauer Straße

Langsam arbeitete ich mich mit dem Fahrrad durch die Reisegruppen und Menschentrauben. Dann bog ich in die Bernauer Straße ab, wo noch ein Stück der originalen Mauer mit Wachturm zu sehen ist. Der Radweg führt nun – etwas verwinkelt – zur Spree und zum Regierungsviertel.

Reichstag

Reichstag

Ich fuhr am Paul-Löbe-Haus vorbei und machte am Reichstagsgebäude eine kleine Pause. Ich wurde sofort umringt – von Spatzen auf Futtersuche. Vor dem Reichstag gab es wieder viele Menschen und ich beschloss auf der Wilhelmstraße weiterzufahren. So gelangte ich zum Denkmal für die ermordeten Juden in Europa.

Holocaust Mahnmal

Holocaust Mahnmal

Hatte das Holocaust-Mahnmal am Anfang vor allem Akzeptanzprobleme, so sind es heute Risse im Beton, die zu schaffen machen. Einige Stelen müssen nun Stahlmanschetten tragen. „This is a place of no meaning“, sagte Architekt Peter Eisenman. Über die Bedeutung des Potsdamer Platzes – ein paar Meter weiter – kann man sich streiten.

Potsdamer Platz

Potsdamer Platz

Ich hielt auch nur kurz an, um ein Foto zu machen, dann ging es weiter in die Stresemannstraße und die Niederkirchnerstraße. Dort steht auch noch ein Stück Mauer. Allerdings eingezäunt. Die Mauerspechte haben fleißig geknabbert und so sind schon große Löcher im Beton.

Niederkirchnerstraße

Niederkirchnerstraße

Nach Überquerung der Wilhelmstraße folgte die Friedrichstraße mit dem Checkpoint Charlie. Dann ging es weiter, um die Bundesdruckerei herum, zum ehemaligen Übergang Prinzenstraße. Ein paar Meter weiter drehte derweilen Skate-Dog seine Runden. Der kleine Youtube-Star war aber etwas lustlos. Ich auch – etwas zuviel Hauptstadtrummel.

Skate-Dog

Skate-Dog

Weiter über die Köpeniker Straße – da ist der „Tresor“, über die Spree, um das YAMM herum zur Eastside-Gallery. Auch hier stehen inzwischen Zäune und Menschentrauben. Über die Oberbaumbrücke zurück zu anderen Spree-Seite und dann durch Treptow zum Plänterwald und zum ehemaligen Übergang Sonnenallee.

Eastside-Gallery

Eastside-Gallery

Nach der Überquerung des Britzer Zweigkanals wird es sehr ruhig. Zwischen Spreekanal und Autobahn A113 geht es ein paar Kilometer einen breiten Weg entlang. Viel Graffiti: von 1UP bis +-0. Mit einer sehr langen Auffahrt über die Autobahnbrücke zur anderen Kanalseite. Dort, kurz vor der Rudower Höhe, wieder ein Mauerrest und zwei Stelen für Horst Kutscher und Johannes Spreng.

Mauerreste

Mauerreste

Der Mauerweg führt nun weiter an der A113 entlang, die allerdings zweimal unterirdisch verschwindet, nach Schönefeld. Ehemaliger Spionagetunnel. Kinder die Drachen steigen lassen. Ein Imbiss mit dem Namen „Am Ziel“. Bin ich ja fast – Zeit für einen Kaffee.

Am Ziel

Am Ziel

Die letzten Kilometer der Westberlin-Umrundung versinken in Finsternis. Schlagartig wurde es Dunkel. Bis Mahlow wurde es noch einmal richtig anstrengend. Kaum ein Schild ist noch zu erkennen. Ich fahre teilweise Abkürzungen. Endlich angekommen geht es im Eiltempo zu Bahnhof Lichterfelde-Ost.

Rückfahrt

Rückfahrt

Zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges komme ich am Bahnhof an. Der Zug hat aber fünf Minuten Verspätung. Mit dem RE3353 ab 18.50 Uhr nach Wittenberg, dort in die RegioBahn nach Bitterfeld und letztendlich mit der S-Bahn S2 zum Bahnhof Wilhelm-Leuschner-Platz.

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