Lutherweg: Von Eilenburg nach Torgau

Von Eilenburg nach Torgau (14. Juni 2017)

Am 14. Juni ging es nun mit der S-Bahn zurück nach Eilenburg. Die „Stigmata“ hatte ich mit Pflastern zugeklebt und alte eingelatschte Adidas Samba angezogen. Halb Eins stand ich vor dem Bahnhof und radelte erstmal zurück zum Lutherweg.

Eilenburg

Eilenburg

Luther war auf seinen Reisen nach Leipzig, 1519 zur Leipziger Disputation und 1539 zur Reformationseinführung, über Eilenburg angereist. Er predigte auch mehrfach in Eilenburg. Durch Eilenburg führt, auf der Via Regia, auch ein Jakobsweg, der aber nicht ausgeschildert ist. Die Via Regia nannte man zu Luthers Zeiten „Hohe Landstraße“.

Mäusebussard

Mäusebussard

Nach Eilenburg führt der Lutherweg erstmal in den Wald. Ein Umweg der sich aber lohnte: ein Mäusebussard lies sich beim Chillen fotografieren. Ein Stück weiter, in Hainichen, hat eine Weißstorch-Familie ihr Nest. Sie kamen über die Balkanroute und dem Nahen Osten aus Afrika. In Deutschland betreiben sie eine eigene Gaststätte unterhalb ihres Nestes.

Weißstorch

Weißstorch

Kurz vor Hohenprießnitz steigt man dann auf einem sehr schmalen Weg zur Mulde hinunter. Ich konnte kaum neben dem Fahrrad laufen. Noch ein paar Meter durch die Brennnesseln und man steht an der Mulde-Fähre, die nach dem gegenüberliegenden Ort Gruna benannt ist. Der Lutherweg bleibt auf der linken Muldeseite und führt nun am Schloß Hohenprießnitz und dem Park Hohenprießnitz vorbei. Das Schloss wurde ab 1699 vom Schlossbaumeister Hermann Korb errichtet.

Schloss Hohenprießnitz

Schloss Hohenprießnitz

Ich radelte gemütlich weiter durch Hohenprießnitz, Brösen, Badrina und Reibitz nach Löbnitz. Übrigens ist 2017 nicht nur der 500. Jahrestag der Reformation, sondern auch der 200. Jahrestag der Fahrraderfindung. 1817 erfand der Forstbeamte Karl Drais sein Laufrad. Daraus wurde dann im Laufe der Zeit das Fahrrad.

Rostiger Radfahrer

Rostiger Radfahrer

Dazu gibt es übrigens die sogenannte Tambora-Legende: 1815 brach in Südostasien der Vulkan Tambora aus. Dadurch verdunkelte sich der Himmel in Europa, führte zu Hafer-Missernten und die Menschen konnten sich kein Pferdefutter mehr leisten. Dadurch kam Drais auf die Idee, ein muskelkraftbetriebenes Fortbewegungsmittel zu erschaffen.

Kirche Löbnitz

Kirche Löbnitz

In Löbnitz kaufte ich in der Landfleischerei Wiener Würstchen. Luther war mehrfach zu Gast beim Löbnitzer Kirchenpatron Ernst von Schönfeldt. Seine Frau war aus dem Kloster in Nimbschen geflüchtet und kannte Katharina von Bora, die Frau von Luther. Der Lutherweg führt nun am Flughafen vorbeit zurück zum Wald und dann wieder nach Osten zum Wasserschloss Schnaditz.

Wasserschloss Schnaditz

Wasserschloss Schnaditz

Zu Zeiten von Martin Luther hat der Schlossherr, Gunther von Zaschnitz, im Nachbarort Wellaune dem Händler Kohlhaase ein paar Pferde gestohlen. Heinrich von Kleist hat in „Michael Kohlhaas“ die Geschichte vor dem Vergessen gerettet. Hinter der Tür mit den beiden Sichtschlitzen war emsiges Treiben zu vernehmen.

Vielleicht wird das Wasserschloss ja doch noch gerettet. Gerettet haben sich, ein Stück weiter, ein paar Gänse, die durch eine gemeinsame Kraftanstrengung, aus ihrem Gehege flüchteten. Der Lutherweg führte nun auf dem Mulderadweg nach Bad Düben. Die Strecke war ich schon einmal anders herum gefahren.

Gänse auf Abwegen

Gänse auf Abwegen

Den Muldeübergang bei Düben hat Luther auf dem Weg von und nach dem Süden mehrfach benutzt. Heute steht dort eine blaue Brücke mit beidseitigem Radweg. Ein fast 500jähriger Baum, Lutherlinde genannt, wurde leider 1964 ein Raub der Flammen. Auf der Burg, die ein paar Jahre vor Luthers Geburt vollständig zerstört wurde, wurde der Rechtsstreit von Kohlhaase verhandelt.

Bad Düben

Bad Düben

Von Bad Düben bis Torgau führt der Torgische Weg. Der Radverbindung zwischen Mulderadweg und Elberadweg ist 40 Kilometer lang und nicht wirklich in Brandenburg-Qualität. Inzwischen war es leider schon 18.00 Uhr. Ich radelte also etwas schneller. Dafür dass ich erst Mittag gestartet war, lag ich aber gut in der Zeit.

Ev. Pfarrkirche Authausen

Ev. Pfarrkirche Authausen

Nächster Ort war dann Authausen. Dort gibt es eine schöne Feldsteinkirche, deren romanischer Ursprung (vermutlich im 12. oder 13. Jahrhundert erbaut) noch erkennbar ist. Die Wegbeschilderung war dafür nicht immer erkennbar und so musste ich doch noch mal das Handy anschalten.

Torgischer Weg

Torgischer Weg

Das nächste Highlight auf dem Torgischen Weg ist zweifellos der 1957 errichtete Funkturm in Roitzsch. Der Funkturm, eines der höchsten Gebäude weit und breit, war früher Teil der Richtfunkstrecke Südwestring – und wohl für Fernsehübertragungen gedacht.

Funkturm Roitzsch

Funkturm Roitzsch

Etwas kleiner ist die Pfarrkirche Roitzsch, dafür stand sie bereits zu Luthers Zeiten (erbaut im frühen 13. Jahrhundert). Im Ort verpasste ich den richtigen Abzweig und musste wieder das Handy auspacken. Ich beschloss dann einfach die Torgauer Straße weiterzufahren und sparte so zwei Kilometer ein.

Ev. Pfarrkirche Roitzsch

Ev. Pfarrkirche Roitzsch

Diese Straße ging immer geradeaus, war dafür etwas holperig. Schließlich gelangte ich nach Süptitz, wo eine Entenfamilie gegeseitige Federpflege betrieb. Die liessen sich auch von durchreisenden Radfahrern nicht stören. Luther besuchte 1535 die Kirche Süptitz auf der Durchreise.

Enten Süptitz

Enten Süptitz

Im nachfolgenden Zinna gibt es auch eine Kirche, die aber zu Luthers Zeiten noch nicht stand, da der kleine Ort mit seiner Kirche im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Entlang der Bundestraße fährt man nun nach Torgau. Dort gibt es das Fort Zinna mit einer langen Geschichte: Wehrmachtgefängnis, sowjetische Speziallager und heute Justizvollzugsanstalt.

Kirche Zinna

Kirche Zinna

Auf der Dommitzscher Straße ging es direkt zum Bahnhof, leider stand ich auf der falschen Seite und kam nicht über die Gleise. Nach einem kleinen Umweg, war ich dann am Bahnhof und fuhr mit der S-Bahn wieder nachhause. Die Tagesetappe hatte ungefähr hundert Kilometer.

Dommitzscher Straße Torgau

Dommitzscher Straße Torgau

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