Lutherweg – Von Zwickau nach Leipzig

Lutherweg Sachsen
Auf den Spuren der Reformation

Lutherweg

Lutherweg

Im Mai 2017 begann ich eine Radwanderung auf dem sächsischen Lutherweg. Der Lutherweg ist ein Wanderweg, der zu verschiedenen Stationen von Luther Wirken führt. Zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags zu Wittenberg geht es 550 Kilometer durch Sachsen und Thüringen.

Von Zwickau nach nach Altenburg (18. Mai 2017)

Am Morgen des 18. Mai 2017 lies ich es ziemlich ruhig angehen, schließlich ist der Lutherweg ein „spiritueller Wanderweg durch landschaftlich reizvolle Regionen“. 9.43 Uhr nahm ich die S-Bahn S5X und 11.00 Uhr war ich dann in Zwickau. Am Tag zuvor hatte ich noch ein paar Zettel von der Lutherweg-Website ausgedruckt, die zur groben Orientierung dienen sollten. Nun galt es erstmal den Lutherweg zu finden. Ich fuhr mit dem Rad in Richtung Stadtzentrum, wo ich bei der 2002 wiedererrichteten Postmeilensäule eintraf. Auch das Original hat es zu Luthers Zeiten noch nicht gegeben, sie wurden erst vor 200 Jahren aufgestellt.

Zwickau Postsäule

Zwickau, Postsäule

Ein Stück weiter ist dann gleich der Zwickauer Dom – die Marienkirche. Ein seltsamer Anblick, denn die schief stehende Kirche wird von zwei großen ockerfarbenen Stahlträgern gehalten. Die Kirche droht es auseinanderzureissen und so wird seit einem halben Jahr das Fundament freigelegt, um die Kirche auf eine Stahlbetongründung zu setzen.

Vor 500 wirkte hier Johannes Sylvius Egranus, ein Freund von Martin Luther und ab 1520 auch Thomas Müntzer, der dann nachfolgend zur Zwickauer Katharinenkirche wechselte. Ab 1521 predigte Nikolaus Hausmann, der hier 1524 die erste Messe in deutscher Sprache hielt.

Dom St. Marien (Zwickau)

Dom St. Marien Zwickau

Vom Zwickauer Dom führt der Lutherweg an der Katharinenkirche vorbei nach Marienthal. Eigentlich wollte ich mit dem Fahrrad die Stadt schnell verlassen, aber die kleinen Schilder sind schnell zu übersehen und so schaltete ich einen Gang runter. Ähm, auf dem vorderen Kettenblatt.

In Marienthal wurde 1722 eine Kirche errichtet, um 1900 abgerissen und neu gebaut: die Pauluskirche. Diese Kirche machte 1989 von sich reden, denn hier fand das Zwickauer Friedensgebet statt, mit einem nachrfolgenden Demonstrationszug zum Stadtzentrum. Luther hätte das sicher nicht gefallen, er war in Bezug auf die weltliche Macht ja eher sehr obrigkeitshörig, dass entspricht eher der Tradition der Zwickauer Propheten.

Pauluskirche Zwickau

Pauluskirche Zwickau

Von der Pauluskirche aus geht es nach Norden und nach ein paar Straßen steht man dann vor dem Südhang. Berge stehen in allen Religionen für Gottesnähe, auch im Christentum spielt sich einiges – von Abraham über Moses bis hin zur Bergpredigt – auf Erhebungen ab. Dann wollen wir das Fahrrad mal raufschieben. KGV Am Südhang – da raucht kein Dornenbusch, das sind nur die Würstchen auf dem Grill.

Oben auf dem Berg ein Blick zurück: Schon vor über eintausend Jahren sind hier Pilger, auf dem Weg zum Grab des Apostels Jakobus in der spanischen Stadt Santiago de Compostela, gewandert. Der Jakobsweg, der bekannteste Pilgerweg der Welt, auch Sternenweg genannt. Da das Konzept des Pilgerns ja einen Ablasshandel darstellt, ist es ja besonders witzig, dass der sächsische Lutherweg genau verkehrt herum auf dem Jakobsweg führt.

Südhang

Südhang

Nach einem Stück auf der Straße führt der Lutherweg nun in den Weissenborner Wald. An der Waldbühne machte ich eine Pause mit drei Schokoriegeln, die ich am Bahnhof in Zwickau gekauft hatte. Sie waren schon angeschmolzen, denn die Temperatur hatte inzwischen 26° erreicht.

An Bellmanns Brunnen soll, nach einer alten Sage, ein Vogelfänger namens Pöllmann am Biss einer Kreuzotter gestorben sein. 2017 lag da ein junger Mann auf dem Tisch vor der Holzhütte und schaute in den Himmel. Beim Träumen erwischt schreckte er hoch und guckte etwas verwirrt, als ich das Fahrrad die Treppen hochtrug.

Weissenborner Wald

Weissenborner Wald

Nach dem Wald geht es auf kleinen Straßen weiter nach Crimmitschau. Bergauf, bergab. Ein bisschen Wandern, ein bisschen Radfahren. Vor fünfhundert Jahren wurden für Autobahnen, Landstraßen und Zugstrecken noch keine Berge abgetragen. Selbst kleine Reisen waren ein beschwerliches Unterfangen. Andererseits hatte Kolumbus bereits 25 Jahre vor Luthers Thesenanschlag Amerika entdeckt. Aber das einzig wirklich schöne Reisen ist auf einem fliegenden Teppich.

Alternative Reisemöglichkeiten

Alternative Reisemöglichkeiten?

Über die Kirche Steinpleis – die gerade renoviert wurde – führt der Lutherweg weiter nach Crimmitschau. In Crimmitschau bekam ich einen leichten Zivilisationsschock. Nach dem beschaulichen Stunden im Wald und auf den ruhigen Dorfstraßen, radelte ich rasant durch den Ort und traf dann auf die Pleiße. Dort ging es am Ostufer nach Norden. Damit entging mir leider die Kirche St. Laurentius, die zu Luthers Zeiten entstand und mit dem Gustav-Adolf-Fenster auch Luther zeigt.

Kirche Steinpleis

Kirche Steinpleis

Die Kirche in Frankenhausen – heute ein Ortsteil von Crimmitschau – wurde um 1200 errichtet. Neben der Kirche befinden sich Reste des ehemaligen Klosters „Zur Heiligen Jungfrau Maria“ – ein Frauenkonvent, der sich an das Regelwerk des Zisterzienserordens anlehnte und 1292 entstand.

Frankenhausen

Frankenhausen

Nun entspricht der Lutherweg dem Pleißeradweg, den ich schon einmal gefahren bin. Es ist noch ordentlich hügelig und ich wanderte öfters und schob dabei das Fahrrad. Auch hier ein Blick zurück auf das Dorf und die Kirche Ponitz. Die Kirche hat eine der wenigen Silbermann-Orgeln, die außerhalb von Sachsen errichtet wurden. Außerhalb von Sachsen meinte das Herzogtum Sachsen-Altenburg – heute sind wir in Thüringen.

Kirche Ponitz

Kirche Ponitz

Ein kleiner Beobachter am Wegesrand erinnerte mich an den Altenburger Ziegenkäse, der allerdings weiter östlich hergestellt wird. Erstaunlicherweise enthält der Weichkäse nur ab 15 Prozent Ziegenmilch, dafür aber ordentlich Kümmel. Ob es zu Luthers Zeiten schon Ziegenkäse gab ist nicht bekannt, erstmals erwähnt wird er erst 1862. In den oberdeutschen Dialekten heißen die Tiere Geiß und Geißbock. Erst durch Luthers Bibelübersetzung hat sich „Ziege“ durchgesetzt.

Beobachter

Beobachter

Weiter auf dem Rad durch das Altenburger Lösshügelland. Maltis wurde 1188 erstmals erwähnt. Die evangelisch-lutherische Dorfkirche St. Anna entstand im 16. Jahrhundert und hat eine Poppe-Orgel, eine barocke Kassettendecke und geschnitzte Figuren an der Kanzel. Nach der Reformation siedelte der Pfarrer nach Saara um.

Kirche Maltis

Kirche Maltis

Dorthin führte nun auch der Lutherweg. Saara liegt am Einfluß der Sprotte in die Pleiße und hat einen Pfarrer. Die Saalkirche in Saara besitzt eine Uhr, die anstatt der Ziffern den Spruch „Nutze die Zeit“ trägt. Inzwischen hatte ich auch keine Lust mehr und beschloss in Altenburg die Tagesetappe zu beenden.

Kirche Saara

Kirche Saara

Dieser alte Weg, der sich von Zwickau über Altenburg und Leipzig bis nach Wittenberg schlängelt ist eine alte Reichsstraße, die von Rom bis nach Stettin führte. Die Via Imperii ist auch ein bekannter deutscher Pilgerweg. Über die Straße gelangte man nach Santiago de Compostela, aber auch nach Rom und Jerusalem. Man musste früher auch Zölle bezahlen, dafür gab es dann funktionierende Brücken.

Via imperii

Via imperii

Vor Altenburg kam ich dann leider vom Weg ab und gelangte nach Nobitz. Nach dem Bernsteinzimmer, dass einige dort vermuten, habe ich nicht gesucht. Eher nach Schatten. Ich fuhr nach Osten und kam endlich in Altenburg an. Dort schob ich erstmal das Fahrrad den Berg hinauf, um dann auf der anderen Seite mit einer rasanten Fahrt den Berg hinab zum Schloss zu fahren. Dann gings weiter zum Bahnhof und mit der S-Bahn zurück nachhause.

Altenburg

Altenburg

Von Altenburg nach Leipzig (19. Mai 2017)

Am Vormittag des 19. Mai 2017 fuhr ich mit der S-Bahn S5X nach Altenburg. Dort radelte ich wieder auf den Lutherweg. Da ich keine Lust hatte, am Altenburger Schloss den Berg hochzufahren, hielt ich mich auf der Straße in Richtung Remsa. Zwischendurch gab es leider eine kleine Straßensperrung, die ich aber einfach durchfuhr.

Remsa

Remsa

Nun ging es erstmal über eine Wiese, wo Fleckvieh fröhlich graste. Um ein paar Ecken und man steht vor dem Wasserschloss Windischleuba. Seit 1977 ist das Schloss eine Jugendherberge und als Schüler habe ich da mal übernachtet. Zuvor fährt man an der Nikolaikirche vorbei.

Schloss Windischleuba

Schloss Windischleuba

Nach dem Schloss folgt die Talsperre Windischleuba, die die Pleiße aufstaut. Hier rastete ich idyllisch bei Familie Schwan. Eine wirklich schöne Gegend. Dann führt der Lutherweg durch den Wald, ein Stück die Landstraße entlang, zum Campingplatz Pahna. Neben der seltenen Beschilderung des Weges, hatte hier jemand mit grüner Sprayfarbe Pfeile gemalt.

Talsperre Windischleuba

Talsperre Windischleuba

Zur Zeit Luthers gab es in Deutschland bereits Bockwindmühlen. Die ganze Windmühle ist dabei drehbar auf einem Bock gelagert. Holländermühlen, bei denen sich nur der Dachteil dreht, wurde erst Ende des 16. Jahrhunderts entwickelt. Die Neuholländermühle in Wyhra mahlt aber nur Kaffee. Leider nur am Wochenende.

Neuholländermühle Wyhra

Neuholländermühle Wyhra

Also weiter zur Wassermühle. Auch so etwas gab es schon zu Luthers Zeiten, allerdings nicht als Hotel herausgeputzt und nicht so romantisch, wie es vielleicht heute ausschaut. Im Winter fror der Mühle ein, im Sommer hatte sie kein Wasser, dazwischen schnell das Korn gemahlen. Leider sind zur Mühle kaum Informationen zu finden.

Schlossmühle Zedtlitz

Schlossmühle Zedtlitz

Übrigens, der erste Blick auf Zedlitz ist eine Postkartenidylle: der Wyhratalviadukt vor der Zedtlitzer Kirche. Und nach der Wassermühle gibt es Streetart: einen alten gebogenen DDR-Betonzaunspfahl, der abgeknickt und mit Mosaik versehen wurde. Da kann man bis Borna drüber nachdenken.

Zedtlitz

Zedtlitz

In Borna übernachtete vom 4. zum 5. März 1522, zu Aschermittwoch, ein gewisser „Junker Jörg“ bei seinem Freund Michael von der Straßen und schrieb einen Brief an den sächsischen Kurfürsten Friedrich. Er hatte sich ein Jahr lang auf der Wartburg versteckt, da er exkommuniziert und für vogelfrei erklärt worden war. Dort hatte er das Neue Testament ins Deutsche übersetzt. 220 Seiten in nur elf Wochen.

Reichstor Borna

Reichstor Borna

Dabei erfand er zahlreiche Worte, die sich bis heute in unserer Sprache gehalten haben: Feuertaufe, Bluthund, Selbstverleugnung, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Gewissensbisse, Lästermaul und Lockvogel. Auch Redewendungen wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im Schafspelz“ und „der große Unbekannte“ gehen auf Luthers Bibel zurück. (zusammengetragen von Jan von Flocken)

Wyhratalradweg

Wyhratalradweg

Borna war übrigens die erste Stadt auf sächsischem Boden in der evangelisch gepredigt worden ist. Martin Luther persönlich hatte 1519 Wolfgang Fusius nach Borna vermittelt.
Der Wyhratalradweg ist übrigens eher langweilig. Es geht immer schön an der Bundestraße B 176 entlang. Und in Neukieritzsch war leider die Pleißebrücke gesperrt, so das ich über Lippendorf weiterfuhr.

Denkmal Neukieritzsch

Denkmal Neukieritzsch

In Lippendorf wurde Katharina von Bora geboren, die 1525 Luther in Wittenberg heiratete. Lurther kaufte 1540 Katharina Luther als Witwensitz (gedacht zur Altersversorgung) das Gut Zöllsdorf bei Kieritzsch. Das Gut musste 1990 dem Tagebau Peres weichen. Ein Gedenkstein in Neukieritzsch erinnert heute an die Luthers.

Kraftwerk Lippendorf

Kraftwerk Lippendorf

An der langen S71 ging es dann nach Zwenkau – vorbei am Kraftwerk Lippendorf, wo der Strom und Wärme für Leipzig erzeugt wird. In Zwenkau fuhr ich dann zum Rundweg des Zwenkauer Sees, einer alten Braunkohlegrube. Von dort ging es durch die Neue Harth nach Gaschwitz. Die Neue Harth ist eine Braunkohlegrube die zugeschüttet und wieder aufgeforstet wurde.

Zwenkauer See

Zwenkauer See

In Gaschwitz ging es dann auf dem Pleißeradweg weiter nach Leipzig. Der Lutherweg verläuft etwas anders, aber im Leipziger Südraum ist eh nichts mehr original: da wurden Flüße begradigt, umgelegt und Dörfer überbaggert. Dann auch noch am Wildpark eine Umleitung des Pleißeradweges.

Pleisseradweg

Pleißeradweg

Die Reformation hielt Pfingsten 1538 in Leipzig Einzug, als Justus Jonas mit Luther zu Pfingsten in der Leipziger Nikolaikirche predigte. Später hielt Jonas in der Eislebener Andreaskirche die Leichenpredigt auf Luther. In Leipzig ist derweilen der Bärlauch am Blühen, der bereits im Mittelalter gegessen oder zum Teil auch als Arznei verwendet wurde.

Bärlauch

Bärlauch

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