Bahn und Rad (2013/14)

Tagestouren mit Deutscher Bahn und Fahrrad 2013 und 2014

Zwisckau

Am 31. August machte ich mich auf den Weg zur IBUg nach Zwickau. IBUg heißt Industriebrachen-Umgestaltung. Nach Meerane und Glaucha war diesmal eine alte Fabrikanlage in Zwickau dran. Vom 30. August bis 1. September konnte man sich die Anlage nun angucken. Von Leipzig-Plagwitz aus ging es mit der ErfurtBahn nach Gera. Der Stadler RegioShuttle war mit Fahrrädern überfüllt und Sitzplätze gab es auch nicht mehr. Der ZuB hatte schon aufgegeben und am anderen Ende des Zuges fuhren zwei Kids schwarz.

IBUg 2013 - Eitel

IBUg 2013 – Eitel

In Gera stieg ich dann in einen Neigetechnikzug der Baureihe 612 von DB Regio um, der dann bis Zwickau weiterfuhr. Ich mag diese Züge – da bleiben die Fahrräder stehen und der Kaffee auf dem Tisch. Dieser Zug war eher leer und so kontrollierte der ZuB auch mein Sachsen-Ticket. Kurz vor Zwickau hält der Zug noch in Gößnitz. Der Ort ist bei Bahnreisenden berühmt – er hat den längsten Bahnsteig Deutschlands. Dieser ist 608 Meter lang und die Züge halten hintereinander. Mein Zug wurde hier aufgetrennt: ein 612er fuhr nach Glauchau, der andere nach Zwickau.

IBUg 2013

IBUg 2013 – Beastiestylez

Zwickau kenne ich bereits von einem Besuch 2012 und vom diesjährigen Start der Pleiße-Radtour. So setzte ich mich aufs Fahrrad und suchte die Leipziger Straße. Unterwegs mußte ich mal das Handy auspacken, fand die Straße dann aber recht schnell. Auch ein kleiner Abstecher zur Mulde war drin. Dort beaufsichtigte ein Hund einen Schäfer und seine Schafherde.

IBUg 2013 - abcdef

IBUg 2013 – abcdef

Die „Zwickauer Fackel“ ist ganz im Norden von Zwickau, an der Stadtgrenze. Zur Wende brach hier die Fertigung von W 50-Teilen und die Gußproduktion völlig ein. Eine Heilbronner Gießerei, die den Laden eine Weile übernahm, mußte dann 1996 aufgeben. Seitdem gibt es einen Baumarkt und eine große Industriebrache. Eine würdige Spielwiese für die achte Ausgabe der IBUg. Nach dem Titel eines ARTE-Filmes zur letzten IBUg stand „Color my Kingdom“ an der Otto-Wolf-Halle.

IBUg 2013 - Zone56

IBUg 2013 – Zone56

Damit war es dann recht leicht zu finden. Ich bin mit dem Fahrrad direkt in das alte Eisenwerk hineingefahren und parkte an einem Zaun. Am Einlass gab es eine Karte für 5 Euro mit Lageplan und Aufkleber. Dann machte ich einen kleinen Rundgang, bei dem ich mir alles ansah, und als ich wieder auf die Uhr guckte, waren fast drei Stunden vergangen.

IBUg 2013 - Ole von Oepen

IBUg 2013 – Ole von Oepen

Zumindest stimmte der Flyertext: „Im kollaborativen Experiment mit Bildkulturen, Genres, Materialien und Techniken entsteht ortsspezifische Kunst, welche die Geschichte und Architektur der Brache aufgreift, aktuelles Zeitgeschehen spiegelt und verlassenen Mauern neues Leben einhaucht. Die IBUg verwandelt vergessene Zeugen der sächsischen Industriekultur zu temporären Gesamtkunstwerken und einem einzigartigen Festivalgelände, wo urbane Kultur in Mode, Film, Musik, Design und Kunst gelebt wird.“ Okay.

IBUg 2013

IBUg 2013 – Hagen und Claus Reier

Gefallen hat mir der von Pers gestaltete Bach. Da wurde, vom Bauarbeiterhelm bis zur Mülltonne, alles verarbeitet. Der Bach selber war aus blauen Mülltüten. In letzter Zeit interessiert mich die Streetart-Richtung auch ein bissel mehr. Pers kenne ich durch seine Mülltonnen, die in ganz Leipzig zu sehen sind. Auch in Leipzig zu sehen, genauer an einer Wand in meiner Straße, ist der Berliner Streetart-Künstler El Bocho, der ebenfalls auf der IBUg vertreten war.

IBUg - Persischer Bach

IBUg – Pers

Mir dröhnte dann schon etwas der Kopf. So machte ich mich wieder auf den Weg zum Bahnhof. Dort gab es erstmal zwei Stück Kuchen und einen Kaffee und dann wieder einen 612er Neigetechnikzug, der mich nach Gera brachte. In Gera gab es eine halbe Stunde zum warten, mit einem Bayern, der seinen Zug verpasst hatte. Die zwei schwarzfahrenden Strolche vom Vormittag standen auch herum. Sehr lustig. Gegen 17.30 Uhr war ich dann wieder in Leipzig.

Wermsdorf

Am 14. September 2013 war ich wieder in Wermsdorf. Diesmal bin ich erst sehr spät losgefahren: 10.03 Uhr ab Bahnsteig 19 mit dem Regio Richtung Dresden. Der Zug war ziemlich voll und eigentlich hätte ich mit meinem Fahrrad garnicht mehr reingepasst. Aber die nette ZuB machte etwas Platz.

Kirche Luppa

Kirche Luppa

Bis Dahlen kostete das MDV-Ticket 8.30 Euro. Vom Haltepunkt in Dahlen ging es dann auf der Landstraße mit Radweg nach Luppa. Dort wurde die B6 gekreuzt. Luppa hat ein Naturbad, eine Kirche und einen Zigarettenautomaten. Dann fuhr ich auf der S24 – Dahlener Straße – nach Wermsdorf. Eine enge Straße, wo Autofahrer gewagte Überholmanöver machten.

Altes Jagdschloss Wermsdorf

Altes Jagdschloss Wermsdorf

Wermsdorf kenne ich bereits aus dem Jahr 2012. Damals war ich beim Hortseeabfischen und hab Fisch gekauft. Im Ort fährt man direkt auf das Alte Jagdschloss zu. Davor steht ein Denkmal für den sächsischen König Albert, der hier öfters vorbei kam. Geich daneben steht die Kirche und ein Bismarck-Denkmal vom Männergesangsverein Liedertafel.

Jagdschloss Hubertusburg

Jagdschloss Hubertusburg

Diesmal war die Jagdresidenz Hubertusburg das Ziel der Reise. Im Ort ist das recht gut ausgeschildert und am Jagdschloss gibt auch Parkplätze. Die gesamte Schlossanlage ist riesengroß. Der Freistaat Sachsen hat Millionen in die Restaurierung der Schloßanlage gesteckt. Bislang wurde die Anlage aber nur als Krankenhaus und Archiv genutzt. Eine Ausstellung macht das Jagdschloss nun erstmals wieder für Besucher zugänglich.

Jagdschloss Hubertusburg

Jagdschloss Hubertusburg

Das Schloss wurde ab 1721 errichtet. Es diente als kurfürstlich-sächsisches Jagdschloss und war Nebenresidenz des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August des Dritten. Der Siebenjähriger Krieg (1756–1763) wurde hier mit einem Friedensvertrag zwischen Preußen, Sachsen und Österreich beendet – also vor genau 250 Jahren.

Jagdschloss Hubertusburg

Jagdschloss Hubertusburg

Der Ausstellungsbesuch kostete übrigens 5 Euro. Zu sehen waren Jagdwaffen, Weidbesteck, Porzellan, Münzen, Möbel und Bilder in sechs Räumen. Dazu gab es einen ausführlichen Katalog. Ich freute mich natürlich besonders, dass eine richtige Königin auf mich wartete. Da macht man gern ein paar Fotos. Die Sonderausstellung ist noch bis zum 3. November zu sehen.

15. Wermsdorfer Fischkönigin

15. Wermsdorfer Fischkönigin

Bereits seit 2007 kann man in einem anderen Haus eine Ausstellung zu Karl Hans Janke sehen. Für 2.50 Euro kann man sich den Dokumentarfilm „Genie und Wahnsinn – Der Fall Janke“ ansehen. Außerdem sind Modelle und Zeichnungen zu sehen – vom Raumschiff bis zum Atom-Traktor. Auch zwei Stammbücher sind zu sehen.

Raumschiff-Modell von Karl Hans Janke

1. Deutsches Weltraumschiff – Modell von Karl Hans Janke

Janke lebte von 1950 – 1988 in den Kliniken Hubertusburg. „Ich bitte, die Bilder und Alben aufzubewahren, mit den vielen Zeichnungen und Modellen, die ich für Euch Menschen geschaffen habe.“, schrieb er in seinem Testament. Heute verwaltet der Rosengarten e.V. seine Werk. Infos gibt es unter www.karl-hans-janke.de.

Atom-Traktor, Zeichnung von Karl Hans Janke

Atom-Traktor, Zeichnung von Karl Hans Janke

Dann ging es wieder zurück nach Dahlen, wo auch gleich der Regio nach Leipzig fuhr. Nochmal schönes Wetter erwischt, bevor der Herbst beginnt.

Wernigerode und Halberstadt

Meine erste Zug/Rad-Tour im Jahr 2014 begann 7.50 Uhr mit dem Fahrrad. Geplant war eigentlich zum Bahnhof Plagwitz zu fahren und von dort mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Aber das hätte zuviel Zeit gekostet – so fuhr ich mit dem Rad zum Wilhelm-Leuschner-Platz und stieg dort in die S-Bahn S3 nach Halle. Dort hatte ich fast eine Stunde Zeit, die ich mit Kaffee und Keksen verbrachte.

St. Johanniskirche

St. Johanniskirche

Dann ging es mit dem RegioExpress 3608 weiter. Das war interessanterweise ein Zug mit Neigetechnik der Baureihe 612. Dort muss man das Rad ein paar Stufen hochtragen, was aber nicht problematisch ist. Die Bahnstrecke war dann auch entsprechend kurvenreich. Im Zug fuhren vier Radfahrer mit Downhill-Maschinen mit, die alle in Wernigerode ausgestiegen sind. Ich auch, allerdings radelte ich gemütlich in die Altstadt.

Blick zur Burg Wernigerode

Blick zur Burg Wernigerode

Die Altstadt von Wernigerode besteht aus kleinen Gassen. Aus Platzgründen sind das meist Einbahnstraßen, die man jedoch als Radfahrer auch in der Gegenrichtung befahren durfte. Ich sah mir zuerst die St. Johanniskirche an. Leide nur von aussen, denn das Gebäude war verschlossen. Dann ging es ordentlich bergauf, denn ich wollte zur Burg Wernigerode. Die letzten hundert Meter bin ich dann aber gelaufen.

Burg Wernigerode

Burg Wernigerode

Von der Burg hat man eine schöne Aussicht auf Wernigerode und die Matten-Schanze auf dem gegenüberliegenden Berg. Die ursprüngliche Burg wurde vor ungefährt 900 Jahren errichtet. Nach 1671 wurde sie zu einem Barockschloß umgebaut. Heute gibt es dort ein Museum mit „alten Rittersäalen“ und die Schloßterasse. Dort gibt es Mohnkuchen und Kaffee. Dann ging es wieder nach unten in die Altstadt.

Das kleinste Haus

Das kleinste Haus

Beim durchradeln der kleinen Gassen fand ich dann, in der Kochstraße 43, „Das Kleinste Haus“. Es ist 2,95 Meter breit und hat eine 1,70 Meter hohe Haustür. Da wohnten früher arme Handwerker drin. Seit 1976 ist dort ein Museum. Die Puppenausstellung habe ich mir aber nicht angesehen. Die Rückfahrt zum Bahnhof war recht unkompliziert. Leider fährt der RegioExpress nur alle zwei Stunden. So fuhr ich mit einem LINT 41 der Hex-Linie (Harz-Elbe-Express) nach Halberstadt.

Halberstädter Dom

Halberstädter Dom

In Halberstadt fuhr ich direkt zum Dom – ein imposantes Gebäude – und sah mir den Domschatz an. Dafür machen sie sogar in Leipzig Werbung. Der Domschatz besteht aus der Beute von Bischof Krosigk im Vierten Kreuzzug 1202-1204, bei dem lustigerweise das christliche Konstantinopel geplündert wurde. Auch in Halberstadt ging es sehr seltsam zu: So bestand das Domkapitel – ein Beirat des Bischofs – sowohl aus evangelischen als auch katholischen Domherren.

St. Martini

St. Martini

Auch die Kirche nebenan – St. Martini – ist nicht so ganz richtig. Einer der Türme ist irgendwie kleiner, als der andere. Für die Sankt-Burchardi-Kirche hatte ich dann keine Zeit mehr. Dort wird seit 2001 das 639 Jahren lange Stück „ORGAN²/ASLSP“ von John Cage aufgeführt. Der nächste Ton ist am 5. September 2020 dran. Ich raste zurück zum Bahnhof, verpasste aber leider doch den Zug um ein paar Sekunden.

Würstchenbude

Würstchenbude

So musste ich eine Stunde warten, um dann wieder mit einem HEX nach Halle zu kommen. Neben einem Kaffee beim Bahnhofsbäcker lief ich nochmal zur Wurstfabrik, die gleich am Bahnhof ist. Dort wurden die Halberstädter hergestellt. Wieder Radfahrer am Bahnhof: diesmal Jugendliche die zum Rosstrappen-Downhill nach Thale wollten. Der Bummelzug brauchte eineinhalb Stunden bis Halle und dort hatte auch noch die S-Bahn Verspätung. Diese fuhr dann auch nicht durch den Tunnel, sondern zu einem Außenbahnsteig des Leipziger Hauptbahnhofes. Von dort ging es mit dem Rad nachhause.

Thale und Qedlinburg

Am 30. März machte ich mal wieder Bahn-Rad-Reise. Wegen der Sommerzeitumstellung war das Aufstehen um 6.00 Uhr ziemlich anstregend. Um 7.16 Uhr stiegt ich mit einem Sachsen-Ticket am Haltepunkt Wilhelm-Leuschner-Platz in die S-Bahn nach Halle. Diesmal fuhr ich mit der Linie 5X, die auf dem Weg nach Halle nur an der Leipziger Messe und am Flughafen hält. Der Zug fuhr auf einem anderen Gleis als die Linie 3.

In Halle ging es am Bahnsteig 8 mit einem RegioExpress nach Halberstadt. Dieser Zug der 612er Baureihe hatte Neigetechnik. Von dort fuhr ich mit einem LINT nach Thale. Alstom Coradia LINT sind Dieseltriebwagen für den Nahverkehr die ursprünglich von der Firma Linke-Hofmann-Busch (LHB) gebaut wurden. Die Firma gehört nun zu Alstom. Auf der Linie nach Thale fahren sie als HEX (Harz-Elbe-Express) für Veolia Verkehr.

Die Fahrt war sehr lustig. Mehrere Wandergruppen lachten die ganze Fahrt durch. Außerdem waren mindestens vierzig Personen auf dem Zugklo, vor dem mein Fahrrad stand. In Thale radelte ich ein wenig herum, bis ich zum Sessellift kam, der zur Roßtrappe hinauf führt. Todesmutig entschloss ich mich, den Fahrpreis von 2.50 Euro zu bezahlen und damit hoch auf 421 Meter zu fahren. Ich kam auch oben an, aber mit verschwitzten Fingern. Das Fahrrad hatte ich unten gelassen, obwohl man das an den Sessellift anhängen kann, wie ich bei den Downhill-Fahrern gesehen habe.

An der Bergstation lief ich erstmal zum Hotel, wo man eine schöne Aussicht auf Thale hat und auf den Hexentanzplatz auf der anderen Seite des Bode-Tales. Von der Roßtrappe kann man einen „Schurre“ genannten Weg ins Bode-Tal nehmen. Ich bin allerdings den sogenannten Präsidenten-Weg hinabgestiegen, der auf Serpentinen wieder ins Tal führt. Den Weg hatte ich gewählt, weil er die Downhill-Strecke kreuzt.

Beim MTB-Downhill (Bergabfahrt) kommt es darauf an, eine bergab führende Strecke in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen. Dafür habe ich weder das Fahrrad, noch die Ausrüstung. Aber die Strecke wollte ich schonmal angucken. Das sah sehr professionell aus: teilweise Absperrungen aus Holz, hervorstehende Felsen und Wurzeln mit Signalfarbe gekennzeichnet, Prallschutz am Baum – da hat sich jemand Mühe gegeben.

An der Downhill-Strecke bin ich in Richtung Bodetal abgebogen und kam an der Talstation der Kabinenbahn heraus. Die Bode ist dort das schönste Wildwasser. Leider auch ein wenig zu steinig und zu flach. Der Fluß endet in der Saale – die ich ja schon entlang gefahren bin. Dieser Abschnitt ist die tiefste außeralpine Felsschlucht Deutschlands. Auch deshalb hab ich hier nochmal kurz überlegt.

Dann fuhr ich mit der Kabinenbahn auf der gegenüberliegenden Seite der Felsenschlucht zum Hexentanzplatz. Auch hier wurden die Finger etwas schwitzig. Die Kabine hatte (wie jede zweite) einen durchsichtigen Boden. Zwei Fahrten kosteten 5.90 Euro. Der Anstieg zwischen dem ersten und dem zweiten Pfeiler war gewaltig. An der Bergstation gab es erstmal eine Bratwurst und ich guckte mir den Sachsenwall, das Bergtheater und die Walpurgishalle an.

Dann ging es den Berg hoch zum Steinkreis mit den Bronzefiguren. Für die Walpurgisnacht war ich aber einen Monat zu früh. Den Zoo hab ich mir gespart. Die Sommerrodelbahn hätte ich aber gern mal ausprobiert. Leider war dafür die Zeit zu knapp.

Dann fuhr ich mit der Seilbahn wieder durch die Bode-Schlucht nach Thale. Diesmal ging das völlig problemlos. Dann fuhr ich mit dem Fahrrad zum Hauptbahnhof. Leider hatte ich mich mit der Zeit verschätzt und verpasste den Zug um ein paar Minuten. So mußte ich noch eine Stunde warten. Der Thaler Bahnhof ist sehr schmuck gemacht. Neben der Bode-Information gab es auch einen Laden, wo ich mich mit Eis und Cola eindeckte. 13.17 Uhr ging es dann mit dem HEX nach Quedlinburg.

In Quedlinburg verkehrt die Selketalbahn – das ist eine Schmalspurbahn. Den achteinhalb Kilometer langen Streckenabschnitt nach Gernrode gibt es aber erst seit 2006. Bei meiner Ankunft im Bahnhof stand ein „Fischstäbchen“ am Bahnsteig 3. Das sind von Talbot gebaute „Eifel II“-Triebwagen aus den 50er Jahren, die ursprünglich als Inselbahnen auf Langeoog und Juist an der Nordsee unterwegs waren. Die wurden 1995 in den Harz verkauft, umgebaut und fahren nun als Selketalbahn.

Leider blieb mir für Quedlinburg nur eine Stunde Zeit, da ich ja in Thale den Zug verpasst hatte. So machte ich eine kleine schnelle Fahrrad-Rundtour durch die schöne Stadt. Die Nikolaikirche, an der ich mich orientierte, habe ich aber erstmal umrundet, da sie fast völlig umbaut ist. Der Anblick der Fachwerkhäuser wurde durch reichlich Rüttel-Pflaster und viele Einbahnstraßen getrübt. Da hat sich dann auch eine Schraube vom Gepäckträger abgerüttelt.

14.33 Uhr ging es dann wieder mit einem HEX nach Halberstadt. Von Halberstadt aus fuhr wieder ein Neigetechnik-RegioExpress nach Halle. Die Strecke war ich schonmal mit einem HEX gefahren, der dafür die doppelte Zeit brauchte. In Halle fuhr auch gleich eine S-Bahn 5X nach Leipzig. Gegen 17.00 Uhr war ich dann wiede zuhause.

Altenburg bis Weißenfels

Am 21. Juni 2014 startete ich zu einer Radtour nach Altenburg. Den Plan um 8.13 Uhr loszufahren gab ich nach einer kurzen Nacht auf. Stattdessen ging es ausgeschlafen um 11.13 Uhr mit der S-Bahn am Haltepunkt Wilhelm-Leuschner-Platz nach Altenburg. Das Verbundticket kostete 8.30 Euro.

Altenburg

Altenburg

Die Radtour wollte ich eigentlich Drei-Flüsse-Tour nennen. In Altenburg war ich bereits bei meiner Pleiße-Radtour, in Zeitz war ich schon bei der Elster-Radtour und in Weißenfels war ich bei der Saale-Radtour. Die Tour (eigentlich zwei Radtouren) hatte ich aus einem Broschüre des MDR mit dem Titel „Ausgeflogen – 12 tolle Touren durch Mitteldeutschland“.

Altenburg

Altenburg

Altenburg hat miserable Radwege. Dafür gibt es aber schöne Schilder an jeder Straßenecke. Das hörte nach Altenburg jedoch auf und so fuhr ich nicht nördlich des Restlochs Zechau, sondern südlich nach Starkenberg. Das war aber nicht so schlimm. Schwierigkeiten machten der starke Gegenwind und die Steigungen. Die Jacke hatte ich wieder ausgezogen.

Unterwegs

Unterwegs

Proviant hatte ich nicht mitgenommen. Das war aber auch nicht nötig: unterwegs säumten zahlreiche Kirschbäume die Straßen und Wege. Da hab ich dann auch beschlossen die Radtour Kirschweg zu taufen. Drei-Flüsse-Tour hätte sich ja auch angeboten.

Kirschbäume

Kirschbäume

Nach Starkenberg fuhr ich wieder nach Norden und bog dann bei Meuselwitz nach Westen ab. Auch hier fuhr ich dann wieder anders, weil ich den richtigen Weg nicht fand. Ich kam nach Spora und fuhr dann über Würchwitz zur Bundesstraße 180. Eine kilometerlange Abfahrt nach Zeitz entschädigte dann für die ganzen Bergauffahrten unterwegs.

Zeitz

Zeitz

Auch bei diesem Besuch von Zeitz war ich nicht im Schloss Moritzburg und im Dom, denn mir fehlte wieder die Zeit. Es war bereits 14.30 Uhr und ich hatte für die 33 Kilometer zweieinhalb Stunden gebraucht. Dafür hab ich diesmal ein paar interessante Sachen gesehen, wie das Hauptgebäude der ehemaligen Kinderwagenfabrik in der Badstubenvorstadt. In einem Kinderwagen von ZEKIWA (Zeitzer Kinderwagen) bin ich auch mal durch die Gegend gerollt worden.

Schloss Moritzburg

Schloss Moritzburg

Zucker wird in Zeitz seit 1858 hergestellt, seit 1993 in einer der modernsten Zuckerverarbeitungsanlagen Europas: die Zuckerverarbeitung der Südzucker AG. Ein Ableger, die Südzucker Bioethanol GmbH, baute 2005 in Zeitz die größte Bioethanolanlage Europas. Bekannt ist Zeitz auch durch ZETTI, einer bekannten Süßwarenmarke aus DDR-Zeiten. ZETTI gehört heute einer Leipziger Firma.

Südzucker

Südzucker

Von Zeitz aus ging es erstmal auf der Bundesstraße 180 zum Kretzschauer See. Von dort ging es nach Gladitz. Dort fehlte jegliche Beschilderung, ich fand jedoch den weiteren Weg nach Hollsteitz. Neben zwei Pferdekutschen, die mich im Galopp überholten, gab es hier schöne Kirschbäume. In Hollsteitz ging es dann nicht weiter. Der angegebene Weg wurde von Straußen bewacht und endete auf einer Wiese.

Kirschen

Kirschen

Also bog ich nach Süden ab und fuhr auf der B180 nach Priesen. Nach Bonau endete der Radweg dann auf einem Grasweg, der quer über den Acker verlief. Dort gab es wieder sehr schöne Kirschbäume, die Früchte in allen Schattierungen von Rot trugen. Der Ackerweg endete leider nicht in Krauschwitz, sondern in Teuchern. Hier beschloss ich, die MDR-Broschüre öffentlich zu verbrennen.

Spargeldorf

Spargeldorf

In Teuchern packte ich dann den Tablet PC aus und suchte einen Weg entlang der Bahnlinie über Nessa nach Weißenfels. Nach Nessa folgte der größte Windpark, den ich je gesehen habe: der Windpark Stößen-Teuchern. Ich taufte ihn Spargeldorf. Beiderseites der Autobahn 9, die ich auf einer kleine Straße überquerte, stehen 70 (siebzig) Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 138,2 MW.

Weißenfels

Weißenfels

Nun ging es auf einer langen bergigen Straße direkt nach Langendorf und weiter nach Weißenfels. Mit dem Tablet navigierte ich zum Bahnhof und suchte die nächste Zugverbindung heraus. 18.26 Uhr fuhr eine RegioBahn nach Leipzig. Da inzwischen recht dunkle Wolken aufzogen, beschloss ich mit diesem Zug nach Leipzig zu fahren. Es hätte auch die Variante gegeben, auf dem Elster-Saale-Radweg nach Leipzig zu fahren.

RegioBahn

RegioBahn

Somit war die Radtour nach 70 Kilometern beendet. Im Zug stieg dann noch eine größere Radfahrergruppe zu und das Fahrrad-Abteil wurde voll. Ich hätte beinahe vergessen mein Verbundticket zu lochen. Die Rückfahrt kostete 6,80 Euro.

In Leipzig-Leutzsch stieg ich um. Hier trifft die von Weißenfels kommende Bahnstrecke Leipzig-Großkorbetha auf die Bahnstrecke Leipzig–Probstzella. Nach zehn Minuten erschien die S-Bahn S1 und ich fuhr noch zwei Haltestellen bis zum Plagwitzer Bahnhof. Im Nieselregen radelte ich dann nachhause.

Kommentar schreiben

0 Kommentare.

Kommentar schreiben


Hinweis - Du kannst dies benutzenHTML tags and attributes:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>