Spree-Radweg (2013)

Vom 31. Oktober bis zum 4. November 2013 befuhr ich den Spree-Radweg, der von der Quelle an der tschechischen Grenze bis nach Berlin führt. Für die 400 Kilometer hatte ich dicke Wintersachen an, den es waren teilweise unter zehn Grad. Der Radweg scheint nicht sehr oft befahren zu werden, wie man mir in den Hotels berichtete. Leute, mit Gepäck für den kompletten Radweg, habe ich auch nicht getroffen.

31. Oktober 2013 – Vom Kollmar nach Bautzen

Dieser Tag begann 5.00 Uhr morgens in Leipzig. Dann stuerzte ich 6.40 Uhr, ziemlich hektisch, zum Hautbahnhof. Genau 7.03 Uhr stand ich mit dem Sachsenticket und einer Fahrradtageskarte am Bahnsteig. Der RegioExpress nach Dresden fuhr aber mit ein paar Minuten Verspätung, sonst hätte ich ihn vermutlich nicht mehr gekriegt. 9.09 Uhr ging es in Dresden weiter nach Ebersbach. Die Züge waren relativ voll – es war ja auch Feiertag.

Spreequelle bei Ebersbach-Spreedorf

Spreequelle bei Ebersbach-Spreedorf

In Ebersbach suchte ich erstmal den Radweg und fuhr zur Spree-Quelle. Im Ort befindet sich die geschichtlich älteste Spree-Quelle. Generalfeldmarschal Moltke hat das 1878 bestätigt, wie eine Inschrift an dem ein paar Jahre später errichteten gußeisernen Pavillion über der Quelle erzählt. Früher stritten sich drei Ortschaften um die Spreequelle. Inzwischen wurde der Streit beigelegt, indem man einfach sagt, die Spree hätte drei Quellen.

Spreequelle bei Neugersdorf

Spreequelle bei Neugersdorf

Die zweite Quelle befindet sich in Neugersdorf. Sie ist die wasserreichste und speist auch noch ein Freibad. Die Quelle soll entstanden sein, als der Bergtroll Gerbod vom Kollmar aus, einen Speer warf. Das behauptet zumindest eine Sage. Zum Kollmar führte der Radweg nun weiter. Der Kollmar ist ein Berg, die dortige Quelle ist die die am höchsten gelegene. Die Strecke war bis dahin sehr anstrengend und führte fast immer bergauf. Den Berg hinauf habe ich dann geschoben.

Spreequelle am Kottmar bei Eibau

Spreequelle am Kottmar bei Eibau

Die dritte Quelle ist inmitten von Buchen direkt am Hang gelegen. Dort befindet sich eine Steintafel mit dem Lauf der Spree und eine Gedenkstätte für die Gefallenen eines Gebirgsvereins. In der dortigen kleinen Schutzhütte machte ich erstmal eine Pause. Dann ging es hinunter nach Eibau, wo ich am Bahnhof auf die RegioBahn wartete, die mich dann zurück nach Ebersbach brachte. In Eibau wird Schwarzbier gebraut und in Umgebindehäusern gewohnt.

Umgebindehaus in Ebersbach

Umgebindehaus in Ebersbach

In Ebersbach fuhr ich mal kurz an die tschechisch Grenze und dann wieder zum Radweg. Diesmal ging es in die andere Richtung. Diese Ecke Sachsens ist ja für die Umgebindehäuser bekannt, die es überall zu sehen gibt. Die bestehen meist aus Stube und Stall, getrennt durch den Ern, dem Hausflur der Kreuzworträtsellöser. Das Dach liegt nicht auf der Stube, sondern auf davor angebrachten Holzsäulen.

Exulantenkriche Neusalza-Spremberg

Exulantenkriche Neusalza-Spremberg

Von Ebersbach aus ging es erstmal wieder ordentlich bergauf nach Neusalza-Spremberg. Dort guckte ich mir die Exulantenkirche von 1679 an. Stadt im Dorf: Die Stadt Neu Salza war vollständig von dem Dorf Spremberg umgeben. In Richtung Taubenheim tangiert Spree und Radweg die Tschechische Republik.

Himmelsbrücke Sohland

Himmelsbrücke Sohland

Das Wahrzeichen von Sohland ist die Himmelsbrücke. Früher führte sie über die Spree, heute über den Dorfbach. Der Fluss wurde einfach verlegt. Über Petersbach ging es nun nach Schirgiswalde. Die katholisch Kirche, die auf einem Berg steht, sieht man schon von Weitem. Wem der Name der Stadt bekannt vorkommt: die Stadt Wilthen ist nicht weit entfernt.

Schirgiswalde

Schirgiswalde

Bei meiner Fahrt durch das Lausitzer Bergland sind mir vier Kondensstreifen am Himmel aufgefallen, die den ganzen Tag nicht verschwunden sind. Entweder ein Hinweis auf einen Wetterwechsel oder eine seltsame Wolkenbildung – die Jungs in den weißen Kitteln können das sicher erklären. Lustig war es dann, als ich an einem Graffiti mit Hinweis auf eine Chemtrail-Seite vorbeifuhr.

Kondensstreifen

Kondensstreifen

Die heutige Bergetappe endete in Bautzen. In der kleinen Stadt war ich bereits. Einmal im Saurierpark Kleinwelka mit dem Auto, und einmal bei einer Bahn-Rad-Tour. Damals besuchte ich den Petridom und das Senfmuseum. Diesmal bekam ich eine völlig andere Ansicht der Stadt zu sehen. Von der Spree aus sind die Türme sehr beeindruckend.

Bautzen

Bautzen

Im Hotel Alte Gerberei kam ich unter. Ein sehr anstrengender Tag ging zuende. Nach der Dusche und einem Glas Wasser verschwand ich im Bett. Übrigens bemerkte ich noch, dass ich in der Hektik am Morgen den Schlüssel vom Fahrradschloss zuhause gelassen habe.

Alte Wasserkunst und Michaeliskirche in Bautzen

Alte Wasserkunst und Michaeliskirche in Bautzen

1. November 2013 – Von Bautzen nach Cottbus

Der Tag startete mit einem erweiterten Frühstück im Hotel. Gegen 9.00 Uhr fuhr ich los. Zuerst ging es zu einer Bautzener Sehenswürdigkeit, die man im Volksmunnd ¨Gelbes Elend¨ nennt. Das ehemalige Zuchthaus, heute JVA, Bautzen I liegt direkt am Spree-Radweg. Dort war auch Walter Janka inhaftiert, der dies in Schwierigkeiten mit der Wahrheit ausführlich schilderte. Thälmann hat ein Denkmal gekriegt.

JVA Bautzen

JVA Bautzen

Weiter ging es, an einer hübschen Graffiti-Wand vorbei, zur Talsperre Bautzen. Hier wird die Spree zum ersten Mal aufgestaut. Danach führte der Radweg durch eine Landschaft aus Teichen bis Malschwitz. Viel Natur, keine Menschen, nur ich und mein Fahrrad. Das sollte ich heute noch öfters erleben.

Talsperre Bautzen

Talsperre Bautzen

Nach Malschwitz zweigt die Kleine Spree ab. Das ist ein kleines Flüsschen, welches bei Spreewitz wieder in die Spree mündet. Leider habe ich die Kleine Spree auch erst dort gesehen, weil der Radweg an dieser Stelle etwas Abstand zum Flusslauf hat. Ansonsten hat die Oberlausitz sehr viele Teiche.

Zwischen Bautzen und Cottbus sind die Schilder zweisprachig: deutsch und sorbisch. Das gesprochene Sorbisch ist aber sehr verschieden. In Bautzen spricht man Obersorbisch, das vom tchechischen beeinflusst ist, in Cottbus niedersorbisch, das vom polnischen beeinflusst wurde. Dazwischen gibt es noch Grenzdialekte. Lipsk, was Linden-Ort bedeutet, ist übrigens des altsorbische Name von Leipzig.

Spree-Radweg

Spree-Radweg

Mitten im Wald wurde es dann lustig: Dort war ein „Zeitweilig angelegter Lebensraum“ für Reptilien, der aus aufgehäuften Ästen und Zweigen bestand. Naturschutz am Radweg. Gelacht habe ich über das Schild von „DB Netze“. Eisenbahnanlagen waren nirgends zu sehen, dafür war das Reptiliengelände mit Netzen umgeben. Weiter nördlich mußte sich dann Vattenfall um Reptilien kümmern, aber dazu später.

Reptilien

Reptilien

Nun ging es weiter: Felder, Teiche, Dörfer. Über Guttau, Lömischau, Halbendorf und Mönau führte der Radweg nach Uhyst und weiter zum Bärwalder See. Hier wurde die Spree verlegt. Der größte sächsische See ist ein Tagebaurestloch. Auf der anderen Seite des Sees befindet sich das Großkraftwerk Boxberg. Das war mal das größte Kohlekraftwerk der DDR. Heute gehöhrt es zu Vattenfall.

Bärwalder See und Kraftwerk Boxberg

Bärwalder See und Kraftwerk Boxberg

Ich fuhr um den See herum und bog dann nach Bärwalde ab. In dem kleinen Dorf hielt ich bei einem fliegenden Fleischhändler aus Hoyerswerda und kaufte das Abendbrot. In Sprey mündet der Schwarze Schöps in die Spree. Nach Sprey folgte ein sieben Kilometer langer Radweg entlang eines militärischen Sperrbereiches. Auf der anderen Seite waren Straße und Bahnlinie. Eintönig, menschenleer, nur mein Fahrrad quietschte fröhlich vor sich hin.

Schrotholzkirche Sprey

Schrotholzkirche Sprey

Dann biegt der Radweg nach links ab. Nach Rollmühle darf man durch einen kleinen Spreenebenlauf fahren. Dann tangiert man den nördlichen Teil des militärischen Sperrbereiches. Wald, Neustadt, Wald, Spreewitz, Wald. Ab und zu gibt es das nächste Kraftwerk zu sehen: Schwarze Pumpe

Spree-Radweg

Spree-Radweg

Das Kraftwerk Schwarze Pumpe ist nach dem gleichnamigen Spremberger Stadtteil benannt, dessen Name auf eine Gaststätte mit einer schwarzen Pumpe zurückgeht. Dort soll auch der sächsische Ķönig öfters bei seinen Polenbesuchen übernachtet haben, dessen Residenz ich kürzlich in Wermsdorf besuchte. Schwarz war die Farbe der Pest.

Kraftwerk Schwarze Pumpe

Kraftwerk Schwarze Pumpe

Auf der anderen Seite des Radweges gab es mal das Kraftwerk Trattendorf. Das wurde inzwischen fast vollständig rückgebaut. Auf der ehemaligen Hochkippe entstand ein Windpark. Der Windpark enstand auf der sächsischen Seite und ist deshalb nach dem Ort Zerre benannt. Der Ort Trattendorf befindet sich bereits in Brandenburg.

Windkraftwerk Zerre

Windkraftwerk Zerre

Die Stadt Spremberg ist den Kanuten durch seine kleine Wassersportanlage am Weißen Wehr bekannt. Die habe ich mir natürlich angesehen. Durch die Stadt verläuft der Spree-Radweg entlang eines Spree-Altarmes. Ich machte einen kleinen Ausflug in eine Einkaufsstraße. Dort kaufte ich beim Bike-Shop Wünsche ein Fahrradschloss und in einer Bäckerei Kaffee und Sprite. Beim Kaffeetrinken beschloss ich bis Cottbus durchzufahren. Also noch 28 Kilometer.

Kanuanlage Spremberg

Kanuanlage Spremberg

Von Spremberg aus ging es auf der rechten Seite der Spree bis nach Bühlow, wo die zweite Talsperre die Spree aufstaut. Dieser Stausee ist sieben Kilometer lang. Der Radweg führte links am See entlang. Die Familie die mir dort entgegen kam, guckte auch so verduzt wie ich. Oh, es gibt noch andere Menschen. Mein Handy machte auch fröhlich Musik.

Talsperre Spremberg

Talsperre Spremberg

Nun wurde es zusehens dunkler. Ich holte die Taschenlampe heraus, um die Wegweiser anzuleuchten. Im Cottbuser Stadtteil Madlow muß ich dann ein Schild übersehen haben, landete auf der B169 und suchte mir ein Hotel. Von Cottbus habe ich an diesem Abend nichts gesehen.

2. November 2013 – Von Cottbus nach Leibsch

Nach dem Frühstück im Hotel setzte ich meine Radtour mit der Erkundung von Cottbus fort. Zuerst suchte ich den Radweg, den ich am Vortag verloren hatte. Dort fuhr ich weiter, an der BMX-Anlage vorbei, bis zum Stadion von Energie Cottbus. Gleich dahinter folgte ich den Schienen der Schmalspureisenbahn zum Fürst-Pückler-Park.

Bahnhof Zoo

Bahnhof Zoo

Als der Fürst Schloss und Park in Muskau verkaufen musste, gestaltete er mit dem Erlös den Park um Schloss Branitz. Er hat in Leipzig studiert und machte dann beim Militär Karriere. So war er auch bei der Völkerschlacht dabei. Später gestaltete er Gärten. Das muss den Leuten so gefallen haben, das sie eine Eissorte nach ihm benannten. In der Seepyramide, die im Park steht, ist er auch beerdigt.

Seepyramide Cottbus

Seepyramide Cottbus

Zurück am Radweg ging es weiter Richtung Norden. Zuerst an der Spree entlang, dann auf dem Hammerstrom-Deich nach Maust. Dort beginnt die Peitzer Teichlandschaft – das größte zusammenhängende Teichgebiet Deutschlands. Aus den Teichen kommen die Peitzer Karpfen. Gleich hinten den Teichen war auch schon wieder ein Kraftwerk zu sehen: Jenschwalde. Wenn ich richtig gezählt habe, sind dort neun Kühltürme.

Peitzer Teiche mit Kraftwerk Jenschwalde

Peitzer Teiche mit Kraftwerk Jenschwalde

In Peitz gibt es einen Turm, der zur alten Festungsanlage gehört. Da ich die Abfahrt zum Badesee Garkoschke verpasste, fuhr ich nach Turnow und guckte mir die Holländermühle an. Über Drehnow ging es weiter nach Maiberg, wo ich wieder die Spree erreichte. Dieser Bereich der Spree wird renaturiert.

Festungsturm Peitz

Festungsturm Peitz

Vattenfall, die im Braunkohlerevier Cottbus-Nord die Teichgruppe Lakoma wegbaggern, musste hier zum Ausgleich die Spree renaturieren und acht neue Teiche anlegen. In der größten Umsiedlungsaktion, die je durchgeführt wurde, wurden 146000 Amphibien, darunter 68000 Rotbauchunken, von den Lakomateichen in die neuen Spreeaueteiche umgesiedelt.

Bismarckturm Burg

Bismarckturm Burg

Nach Schmogrow führt der Radweg am Nordumfluter weiter, bis ein ehemaliger Bahndamm den Nordumfluter kreuzt. Auf diesem ehemaligen Bahndamm geht es bis zum 1913-1917 gebauten Bismarckturm. Für 1.50 Euro kann man hochlettern und runtergucken. Ich fuhr dann weiter nach Burg, das am Beginn des Spreewaldes liegt. Ich kaufte erstmal zwei Cola, die hießen Wiktor und Przyjaciel.

Burg im Spreewald

Burg im Spreewald

Hier verzweigt die Spree zu einen Binnendelta, welches 10 Kilometer breit und 30 Kilometer lang ist – der Spreewald. Die nächste zehn Kilometer bestehen aus Wiesen mit einem Geflecht von Kanälen mit Häusern. Der Radweg führte kreuz und quer durch diese Landschaft. Unterwegs machte ich mal Rast. Nach Leipe wurde es dann ruhiger.

Leiper Weg

Leiper Weg

Zwischen Leipe und Lübbenau führt der Radweg durch den Spreewald, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Dichter Wald, durchzogen von vielen Kanälen. Der Radweg ist hier der Leiper Weg, den man nicht verlassen kann, da links und rechts ein Kanal entlang führt. Auf diesen sechs Kilometern, kamen mir dreimal Menschen entgegen.

Spreewald-Kreuzung

Spreewald-Kreuzung

In Lübbenau gibt es dann einen Kahnfährhafen, wo tatsachlich auch Boote unterwegs waren. Ich hatte schon vermutet der Fährbetrieb wäre eingestellt worden. Sehr lustig fand ich die Figurengruppe von Volker-Michael Roth an der Kirche. Der Brunnen soll Figuren der Sagenwelt des Spreewaldes darstellen. Nachdem ich mich im Ort umgesehen hatte, ging es wieder weiter.

Brunnen Lübbenau

Brunnen Lübbenau

Ich benutzte diesmal eine Alternativroute an der Hauptspree entlang und gelange so nach Lübben. Dort gelangt man zu einem Wasserspielplatz: SpreeLagune Lübben. Sehenswert ist das Schloss. Bei Edeka kaufte ich noch etwas zum Essen. Es war inzwischen 16.00 Uhr und ich beschloss noch bis Schlepzig weiterzufahren.

Lübben

Lübben

Die folgenen 14 Kilometer führten wieder an Teichen vorbei und am Wasserwanderrastplatz Petkamsberg. Es wurde zusehens dunkler, so packte ich das Handy aus und suchte nach Hotels. In Schlepzig gab es leider keine freien Zimmer. So fuhr ich nach Kausnick weiter. Auch dort gab es keine freien Zimmer.

Teich bei Hartmannsdorf

Teich bei Hartmannsdorf

Inzwischen war es stockfinster und ich fuhr auf einem sandigen Waldweg vier Kilometer bis Groß Wasserburg weiter und dann auf der Landstraße nach Leibsch. Hier war endlich ein Zimmer frei. Personalausweiskopie. Vorkasse. Die scheinen in der Gegend keine Radfahrer zu mögen.

3. November 2013 – Von Leibsch nach Fürstenwalde

Nach einem ordentlichen Frühstück in Leibsch ging erstmal garnichts. Draussen regnete es und ich blieb im Hotelzimmer und guckte Videos. Kurz vor 10.00 Uhr hörte es dann endlich auf und ich fuhr los. Zuerst fuhr ich zur Schleusen- und Wehranlage im Ort. Mit der Anlage kann bei Hochwasser das Wasser der Spree über den Dahme-Umflutkanal in die Dahme umgeleitet werden, die dann später in die Spree mündet.

Wehr Leibsch

Wehr Leibsch

Der Radweg führte nun über Neuendorf am See um den Neuendorfer See herum. Der See ist eine Ausbuchtung der Spree. Der Fluss fliesst also durch den See. Es werden Fische gezüchtet und Zelte aufgestellt. Sehr viel vom See hab ich aber nicht gesehen, der Radweg führte durch den Wald.

Spree-Radweg

Spree-Radweg

Weiter ging es über Alt-Schadow, Werder und Kossenblatt nach Briescht. Dazwischen war Wald. Links und rechts war Wald. Vorn und hinten war Wald. Außerdem war da Wald, Wald und Wald. Und Kiefernwald. Um die Wölfe abzuschrecken, hatte ich die Musik laut aufgedreht. Das hat funktioniert, nicht ein einziger Wolf hat sich blicken lassen.

Spree-Radweg

Spree-Radweg

Außer Wald gab es noch asphaltierte Fahrradstraßen. Ein nicht unbedeutender Teil des Spree-Radweges war mit entsprechenden Schildern versehen. Sie haben sich Mühe gegeben. In Kossenblatt trennte die Spree Sachsen und Preussen. Es wurde Zoll erhoben, mitten auf der Brücke. In Briesch gab es eine Holzzugbrücke von 1992.

Kossenblatt

Kossenblatt

Und weiter ging es durch den Wald nach Trebatsch. Hier gibt es eine Ludwig-Leichhardt-Gedenkstätte, die an den Australien-Erforscher erinnert. Dort wird er sogar im Schuluntericht erwähnt, hier kennt ihn keiner. Die Spree wird bei Trebatsch wieder zu einem See: dem Schwielochsee. Den See zu umrunden, mußte ich aus Zeitgründen aufgeben.

Trebatsch

Trebatsch

Stattdessen fuhr ich nach Norden, um bei der Leißnitzfähre auf die rechte Spreeseite überzusetzen. Auch das mußte ich aufgeben, die Fähre fuhr nicht mehr. Also fuhr ich erstmal nach Norden bis nach Beeskow, wo ich in einer Tankstelle zwei Colas und zwei Brötchen kaufte und im Stadtpark aufaß. Die Stadt empfängt einen, mit einer sehenswerten alten Stadtmauer.

St. Marien Beeskow

St. Marien Beeskow

St. Marien ist eine Kirche aus dem 15 Jahrhundert, die im zweiten Weltkrieg zerstört und erst 1990 wiederaufgebaut wurde. Diese war nicht so einfach zu fotografieren, da sie völlig verbaut ist. Auf einem Werder, also einer Spreeinsel, liegt die Burg Beeskow, mit einem sehenswerten Bergfried.

Burg Beeskow

Burg Beeskow

Nun ging es nochmal zwanzig Kilometer auf einer gut alsphaltierten Straße über Radinkendorf, Raßmannsdorf und Neubrück nach Norden zur Kersdorfer Schleuse. Dort trifft der östliche Oder-Spree-Kanal auf die Spree. Dieser Abzweig kommt von der Oder bei Eisenhüttenstadt. Die neue Nordkammer der Schleusenanlage wurde vor zwei Monaten eingeweiht. Im Forsthaus an der Spree soll übrigens das MfS ehemalige RAF-Terroristen umgeschult haben.

Kersdorfer Schleuse

Kersdorfer Schleuse

Die letzten 15 Kilometer nach Fürstenwalde legte ich ziemlich lustlos zurück. Nach der Autobahnüberquerung und dem Dorf Berkenbrück, zog sich die Straße endlos hin. Fürstenwalde empfängt die Radfahrer mit zwei Wohntürmen. Ich suchte mit dem Handy das nächste Hotel.

Fürstenwalde

Fürstenwalde

4. November 2013 – Von Fürstenwalde nach Berlin

Nach einem leckeren Frühstück im Hotel ging es in die Innenstadt von Furstenwalde. Eine nette kleine Stadt mit einer Marienkirche. Gleich am Ausgang de Stadt überquert man eine kleine Brücke über einen kleinen Kanal, der nur ein paar Meter lang ist. Das war einmal der Hafen der Firma Julius Pintsch und dient früher dem Umschlag von Gasbeleuchtungstechnik für Leuchttürme und anderen Anlagen. Einen Leuchtturm mit Pintsch-Technik hab ich mal auf Hiddensee gesehen.

Pintsch-Hafen

Pintsch-Hafen

Nach Fürstenwalde zweigt der westliche Oder-Spree-Kanal ab. Dieser Teil führt zum Seddinsee, welcher eine Ausbuchtung der Dahme ist. Die Spree nennt sich dann bald Müggelspree und speist den Dämeritz- und den Müggelsee.

Spreeradweg

Spreeradweg

Der Radweg führte nun, immer an der Spree entlang, über Hangelsberg, Mönchwinkel, Hartmannsdorf und Burig nach Erkner. Zwischendurch gab es wieder viel Wald. Ich hatte viel Spaß, u.a. mit einem lustigen Wegweiser. Man hat für den Spree-Radweg nicht nur viel Asphalt in den Wald gekippt, sondern in Erkner auch einen McDonalds an den Weg gebaut.

Dämeritzsee

Dämeritzsee

Allerdings hatte ich keine Lust auf Burger, da es begonnen hatte leicht zu regnen. Ich fuhr bis zum Müggelsee in Gummihosen. Der Müggelsee wird durch die Müggelspree gespeist. Davor gibt es noch den Dämeritzsee und den Kleinen Müggelsee. Zwischen Dämeritzsee und Seddinsee gibt es einen Kanal und einen Graben und damit zwei weitere Verbindungen zwischen Spree und Dahme.

Müggelsee

Müggelsee

Nach dem ganzen Wald gibt es nun einen kleinen Kulturschock, den man landet in Berlin. Nach ein paar Minuten steht man schon am Köpeniker Rathaus. Gegenüber ist auch ein Barockschloss. Hier mündet die Dahme in die Müggelspree, die sich nun Treptower Spree nennt. Durch das Ende des Braunkohletagebaus und der Normalisierung des Grundwassers in diesen Gebieten fehlt der Spree regelmäßig Wasser. Da Berlin geklärtes Abwasser in die Spree einleitet steht der Fluss manchmal. Die Spree ist 2003 auch schon rückwärts geflossen.

Rathaus Köpenick

Rathaus Köpenick

Durch Spindlersfeld hindurch und auf der anderen Seite der Spree liegt Wuhlheide. Dort kommt man am FEZ vorbei. Auch eine Parkeisenbahn ist vorhanden. Dann kommt der Modellpark Brandenburg, mit einem Modell von Berlin und Brandenburg. Dafür hatte ich leider keine Zeit, so hab ich nurmal durch den Eingang geguckt.

Modellpark Brandenburg

Modellpark Brandenburg

Der offizielle Radweg sollte nun durch den Plänterwald und den Treptower Park führen. Leider hatte ich auch diesmal mit der Fähre Pech. So guckte ich mir nur das alte Funkhaus in der Nalepastraße an und fuhr dann nordwärts. Dort wurde mal DT64 ausgestrahlt. Von Lutz Bertram bis Marusha – der Radiosender meiner Jugend.

Funkhaus Nalepastraße

Funkhaus Nalepastraße

Nach einem Jugendschiff am Rummelsburger See kam ich in die Stralauer Allee. Ab Landwehrkanal heißt der Fluss nun Berliner Spree. Nach der Oberbaumbrücke wurde ein Stück Mauer stehengelassen – die East Side Gallery. Die soll ja nun doch abgerissen werden. Aber viele Leute setzen sich für den Erhalt ein, sogar David Hasselhoff hat gesungen. Naja, noch steht alles. Leider sind hier viele Sachen sinnlos übermalt worden.

East Side Gallery

East Side Gallery

Nun ging es am Alexanderplatz vorbei zum Roten Rathaus. Von dort bog ich in „Unter den Linden“ ab. Die Spree umfliesst hier die Museumsinsel. Trotz Berufsverkehr ging es relativ gesittet zu. Ein paar Minuten später radelte ich dann zum Pariser Platz und anschließend durchs Brandenburger Tor. Damit war der offizielle Radweg zuende.

Brandenburger Tor

Brandenburger Tor

Natürlich nicht für mich, ich wollte zur Mündung der Spree. Also ging es auf der „Straße des 17. Juni“ am Sowjetischen Ehrenmal und Siegessäule vorbei zum Ernst-Reuter-Platz. An der Siegessäule, die Kreuzung heißt Großer Strern, verplemperte ich viel Zeit mit Bettelampeln. Übrigens steht dort ein Denkmal für Helmuth Karl Bernhard von Moltke – der Große Schweiger. Genau dieser hatte in Ebersbach die Spreequelle „entdeckt“.

Moltke-Denkmal

Moltke-Denkmal

Am Ernst-Reuter-Platz befindet sich die Technische Universität Berlin. Diese stellt mir freundlicherweise einen Usenet-Account zur Verfügung. Leider hatte ich so die Auffahrt zum Radweg verpasst. Ich fuhr einfach die Otto-Suhr-Allee weiter und bog dann vor dem Schloss Charlottenburg zur Spree ab.

TU Berlin

TU Berlin

Bis Ruhleben fuhr ich auf einem sehr schmalen und schlammigen Radweg direkt am Spreeufer entlang. Dieser führte auch an der Südseite von Siemensstadt vorbei. Der Ortsteil von Berlin mit über 10000 Einwohnern entstand durch die Siemens-Werke und die dazugehörigen Werkssiedlungen.

Siemensstadt

Siemensstadt

Dann war der Radweg zuende und es ging auf der „Freiheit“ – einer Straße mit lauter parkenden Tanklastern – nach Spandau. Dort erreichte ich gegen 16.00 Uhr die Mündung. Die Spree fliesst hier in die Havel. Wenn ich den Havel-Radweg entlang fahre, werde ich sicher mal einen Blick auf Zitadelle und Juliusturm werfen. Diesmal war keine Zeit mehr.

Spreemündung

Spreemündung

Zurück zum Hauptbahnhof heizte ich auf der Nordseite der Spree. Dieselbe Strecke zurückzufahren, hätte zuviel Zeit gekostet. ALso fuhr ich über Nonnendammallee, Tegeler Weg und Kaiserin-Augusta-Allee durch Westberlin. Da ging es auch nochmal durch Siemensstadt.

Siemensstadt

Siemensstadt

Am Hauptbahnhof kam ich genau 17.03 Uhr am Gleis 3 an und der Interconnex rollte auch schon ein. Mit zwei Kaffee und einem Kleinkind, das die Hosen getrichen voll hatte, war die Fahrt nach Leipzig recht kurzweilig.

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