Ostseeküste (2012)

Ostsee-Radurlaub
Auf dem Ostseeküsten-Radweg von Flensburg nach Ahlbeck

2012 startete ich mein Radtour-Projekt „Ostseeküste“, bei dem ich die gesamte deutsche Ostseeküste von der dänischen Grenze (Flensburg) bis zur polnischen Grenze (Ahlbeck) – insgesamt fast 1000 Kilometer – auf dem Ostseeküsten-Radweg entlang gefahren bin.

Beginn des Ostseeküstenradweges
Beginn des Ostseeküstenradweges an der dänisch-deutschen Grenze bei Flensburg

Die Radtour fand in drei Etappen von je einer Woche statt. Zuerst bin ich im Juni den mittleren Teil von Lübeck nach Stralsund gefahren, dann folgte im Juli der westliche Teil von Flensburg nach Lübeck. Diese zwei Abschnitte führen also (meist mit Rückenwind) von West nach Ost. Abschließend gab es im August noch eine östliche Tour über Hiddensee, Rügen und Usedom, bis zur polnischen Grenze, die eine Acht beschreibt. Die Reisebschreibungen auf dieser Seite sind nicht zeitlich, sondern von West nach Ost sortiert.

1. Etappe – Die Invasion der Schnecken
Auf dem Ostseeküsten-Radweg von Flensburg nach Lübeck

Vom 14. – 22. Juli 2012 machte ich einen Radtour von Flensburg nach Lübeck entlang des Ostseeküsten-Radweges. Leihrad, Hotelübernachtungen und Gepäcktransport hat ein Reiseveranstalter (Mecklenburger Radtour) organisiert. Die konkrete Reiseplanung hatte ich bereits in Leipzig gemacht bzw. dann am jeweiligen Vortag mit dem Netbook. Es war leider schlechtes Wetter angesagt, so dass ich mit Regenjacke und wasserdichte Hosen an den Start ging.

14. Juli – Von Leipzig über Neumünster und Schleswig nach Flensburg

Nachdem ich pünktlich aufgestanden und aus dem Haus bin, ist mir leider aufgefallen das meine Tram sonnabends nur alle halbe Stunde fährt. Fünf Minuten zu spät am Bahnhof und ein leeres Gleis – aber alles kein Problem, der Zug war nämlich noch nicht angekommen: Verspätung. Also doch noch mit dem ICE 794 nach Hamburg der eigentlich 6:51 losfahren sollte. Unterwegs las ich den ersten Teil der Foundation-Trilogie von Isaac Asimov.

Vicelinkirche Neumünster
Vicelinkirche Neumünster

In Hamburg hatte der Zug immernoch Verspätung, aber das Umsteigen in den IC 2000 nach Neumünster klappte noch. In Neumünster gab es eine kleine Stadtbesichtigung mit Kirchen, Großflecken, Rathaus und Alte Post (Post-Passage). Abschließend hab ich noch dem „Tuch und Technik“-Museum einen Besuch abgestattet, wo es eine kleine 50er-Jahre-Ausstellung gab. Das Gepäck lag derweilen im Schließfach.

Alte Post-Passage Neumünster
Alte Post-Passage Neumünster

Nach einem Kaffee bei McDonalds ging es dann 13.33 Uhr weiter mit dem RE 21066 nach Schleswig, wo ein zweistündiger Aufenthalt (14.17 bis 16.19 Uhr) eingeplant war. Zwischendurch überquerte der Zug mit der Rendsburger Hochbrücke den Nord-Ostsee-Kanal, um dann mit einer 360-Grad-Schleife in den Rendsburger Bahnhof einzufahren. Die gigantische Stahlkonstruktion ließ sich leider von Zug aus schlecht fotografieren.

Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht
Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht

Kurz darauf wieder aussteigen. Leider gab es in Schleswig weder Schließfächer noch eine Gepäckannahme. Die nette Frau vom Fahrkartenschalter hat aber freundlicherweise auf meine Taschen aufgepasst. Leider ist der Bahnhof von Schleswig ziemlich weit vom Stadtzentrum entfernt, so dass ich nur kurz bis zum Gericht, zum Wikingturm und zum Schloss Gottorf gelaufen bin.

Schloss Gottorf
Schloss Gottorf

Der Wikingturm, ein 27-stöckiges Hochhaus, steht direkt in der Schlei und ist über eine kleine Seebrücke zu erreichen. Gleich daneben gibt es eine Marina – einen Yachthafen. Die Schlei ist ein Nebenarm der Ostsee der 42 Kilometer ins Landesinnere ragt, und in Schleswig endet.

Wikingturm Schleswig
Wikingturm Schleswig auf der Schlei

Im Schloss Gottdorf gab es zwei Sonderausstellungen zu sehen: „Pop Art“ unter anderem mit Werken von Warhol und Hamilton und „Schädelkult“ unter anderem mit einem 9000 Jahre alten Schädel aus Israel. Für beides hatte ich leider keine Zeit, denn 16.19 Uhr ging es mit dem RE 21070 dann weiter nach Flensburg, wo ich 16.50 Uhr aufschlug.

Die Aufenthalte in Neumünster und Schleswig waren übrigens absichtlich in die Planung der Reise eingebaut worden. Ich hätte auch einfach durchfahren können, wollte aber die RIT-Fahrkarten (Rail inclusive Tours) mal ausnutzen. RIT-Fahrkarten gibt die Deutsche Bahn für Urlaubsfahrten mit Reiseveranstaltern heraus. Es stehen Start- und Zielbahnhof drauf und man kann – solange man sich auf das Ziel zubewegt – fahren wie man will. Nur der ICE-Sprinter kostet Aufpreis.

Hafen Flensburg
Hafen Flensburg

In Flensburg stimmten dann die Angaben des Reiseveranstalters nicht: die angegebenen Buslinien fuhren dort nicht. Also hab ich kurzerhand ein Taxi genommen und bin ins Hotel am Wasserturm gefahren. Zimmer mit Balkon. Der Reiseveranstalter dieser Etappe ist Die Mecklenburger Radtour. Ein Anruf ergab, dass die geplante Fahrradübergabe erst am frühen Morgen des nächsten Tages stattfinden sollte, so dass ich nun Flensburg zu Fuß erkunden musste.

Historischer Hafen Flensburg
Historischer Hafen Flensburg

Flensburg ist ja führend in der Versendung von anonymen Postpaketen. Viele Menschen kennen die Stadt auch, weil sie hier ein Konto haben. Aber Flensburg ist auch wirklich schön. Hier sprechen viele Menschen dänisch, deutsch, plattdänisch, plattdeutsch und einige einen Kauderwelch aus allem: Petuh.

Wasserturm Flensburg
Wasserturm Flensburg

Vom Hotel aus bin ich erstmal zum Wasserturm gelaufen, dann ging es auf verschlugenen Waldwegen durch den Volkspark zur Kirche St. Jürgen und auf der gleichnamigen Straße durchs historiche Kapitänsviertel. Weiter ging es dann bergab zum Hafen, wo ich auf der Promenade die Hafenspitze umrundete und danach auf der Westseite am historischen Hafen zur Kirche St. Marien abbog.

Ostseeküstenradweg
Ostseeküstenradweg

Weiter ging es auf der Große Straße (Einkaufsmeile) bis zur Heilig-Geist-Kirche und vorn dort wieder zurück zum Hafen und zum Hotel. Unterwegs kaufte ich im „Kiosk“ noch was zum essen. Morgen geht es dann auf dem Ostseeküsten-Radweg in Richtung Kappeln.

15. Juli – Von Dänemark über Flensburg nach Kappeln

Heute startete die Fahrt auf dem Ostseeküsten-Radweg an der Grenze von Dänemark zu Deutschland. Natürlich mußte ich erstmal dorthin kommen. Nach der Radübergabe – früh um 8 Uhr – fuhr ich durch Flensburg Richtung Dänemark. Nach einer längeren Fahrt fand ich dann endlich die Grenze. Wegen mangelnder Beschilderung wurde es etwas anstrengend. Auch weil ich in wasserdichter Kleidung fuhr.

Bundesgrenze
Bundesgrenze

Die Grenze war eher enttäuchend: ein Schild und drei Fahnen. Zurück nach Flensburg war alles perfekt ausgeschildert, es hörte auf zu regnen und ich war in kürzester Zeit wieder am Museumshafen Flensburg, wo gerade der Dampfer DS Alexandra ablegte. DS für Dampfschiff hörte ich hier zum ersten Mal. Bisher kannte ich nur MS für Motorschiff, SS für Segelschiff und SSS für Segenschulschiff.

DS Alexandra Flensburg
DS Alexandra Flensburg

Ich versuchte (noch einmal) die Dagmar Aaen zu finden, den Haikutter von Arwed Fuchs, aber das Schiff war nicht zu entdecken. Die wasserdichten Hosen hängte ich kurz zum trocknen auf und wechselte die Jacke. Ich hatte noch ein wenig Zeit, also besuchte ich auch noch das Schifffahrtsmuseum von Flensburg. Besonders faszinierend war der Kaufmannsladen.

Schifffahrtsmuseum Flensburg
Schifffahrtsmuseum Flensburg

Pünktlich 11:30 Uhr legte dann die MS Viking ab, die mich und mein Fahrrad für 9 Euro mitnahm. Nun ging es nochmal mit dem Schiff Richtung Dänemark. Aber nach einer Umrundung der dänischen Ochseninseln (siehe auch ochseninseln.de) drehte das Schiff nach Glücksburg ab.

Ochseninseln (Dänemark)
Ochseninseln (Dänemark)

Da die heutige Etappe über 70 Kilometer haben sollte, wollte ich mit der Schiffsfahrt die Strecke nach Dänemark wieder herausholen. Genau nach einer Stunde, also 12.30 Uhr, legte die MS Viking in Glücksburg an.

Glücksburg
Glücksburg

Nach einem kurzen Spaziergang am Strand (Rad fahren war hier verboten) bog ich dann in den Ort ab und umrundete das Schloss Glücksburg – ein Wasserschloss. Die Radwegausschilderung war furchtbar, irgendwie führten alle Radwege nach Flensburg. Da wollte ich aber nicht hin. Ich fuhr dann einfach Richtung Rüde und traf dann später bei Bockholmwik wieder auf den Radweg.

Wasserschloss Glücksburg
Wasserschloss Glücksburg

Die Reise führte dann entlang der Flensburger Förde und der Geltinger Bucht durch eine landschaftlich sehr reizvolle – leider aber auch sehr hügelige – Gegend. Der Radweg machte alle möglichen Metamorphosen durch: mal Trampelpfad, mal asphaltiert, mal ein 20 Zentimeter breiter Dünenweg, dann wieder eine breite Straße, mal durch den Wald, mal direkt am Strand…

Radfahrer
Radfahrer

Als ich dann am Strand bei Kronsgaard ein Handy-Foto machte, stellte ich fest, das sich das Gerät auf einen dänischen Anbieter eingestellt hatte. Dieser sendete auch gleich eine SMS mit seinen Preisen. Ich hab dann wieder auf meinen Anbieter zurückgestellt.

Ostsee
Ostsee

Die Sonne war herausgekommen. Die Jacke hatte ich bereits weggepackt und sie Ostsee und der Himmel schimmerten in allen möglichen Blautönen.

Kappeln
Kappeln

Über eine seltsamen Umweg nach Schwackendorf kam ich dann gegen 17.30 Uhr direkt am Hafen von Kappeln an. Mit der Navigations-App vom Handy lies ich mich dann an St. Nikolai vorbei zum Thomsens Motel lotsen, wo ich die Nacht geschlafen habe. Zuvor hab ich noch die Stadt erkundet.

Schlei-Klappbrücke in Kappeln
Schlei-Klappbrücke in Kappeln

Kappeln liegt am Schlei, einem Meeresarm der Ostsee, der 42 Kilometer ins Landesinnere reicht. Am Ende der Schlei in Schleswig war ich gestern – dort steht der Wikingturm. In Kappeln sind Angelner und Schwansener Ufer der Schlei durch eine Klappbrücke verbunden, die zufällig gerade hochgeklappt war, als ich dort lang radelte. Gleich daneben der Heringszaun, eine Art Reuse, die aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Heringszaun in der Schlei
Heringszaun in der Schlei

Zuspät kam ich für die Angeln-Bahn (Webseite), die nur sonntags, jeweils um 11.00 und 14.00 Uhr fährt und auch Fahrräder mitnimmt. Mit einer Höhe von 30 m die höchste Windmühle Schleswig-Holsteins ist die Holländer-Mühle – heute kann man da heiraten.

St. Nicolai Kirche
St. Nicolai Kirche

Leider bekommt mein Internet-Stick keine gute Verbindung.

16. Juli – Von Kappeln nach Eckernförde

Der Radfahrer mag drei Sachen nicht: Regen, bergauf fahren und Gegenwind. Davon gab es heute reichlich. Und obwohl heute nur 42,5 Kilometer zu bewältigen waren, war es ordentlich anstrengend.

Angeln-Bahn
Angeln-Bahn

Nach dem Frühstück wollte ich mir noch einiges in Kappeln ansehen. Zuerst die Angeln-Bahn. Zugbetrieb ist montags nicht, aber Hänger und Loks konnte man ansehen. Eine Dampflok war leider nicht zu entdecken.

Museumshafen Kappeln
Museumshafen Kappeln

Danach gab es erstmal einen Wolkenbruch und ich wartete unter einem Baum vor dem Museumshafen. Dann hab ich mir die Schiffe angesehen, da waren sehr interessante dabei. Übrigens sind alle Schiffe auf der Homepage des Museumshafens beschrieben.

Port Olpenitz
Port Olpenitz

Danach ging es über die Schlei-Klappbrücke nach Olpenitz, Olpenitzdorf und Port Olpenitz. Port Olpenitz ist der ehemalige Marinestützpunkt, wo ein Investor eine rießige Marina bauen wollte. Inzwischen hat das Projekt einen Konkursverwalter. Leider haben die mich nicht reingelassen.

Schleimünde
Schleimünde

So kommt man leider auch nicht zum Leuchtturm und Lotsenhaus an der Schleimünde. Aber ich bin nochmal zurück nach Olpenitzdorf gefahren. Vom dortigen Campingplatz kann man den Leuchtturm wenigstens sehen.

Schwansener See
Schwansener See

Dann ging es weiter auf dem Ostseeküsten-Radweg, von dem ich aber in Schönhagen abbog, um das Naturschutzgebiet am Schwansener See zu durchqueren. Gleich danach folgte ein Sandweg am Campingplatz am Schubystrand und dann war ich auch schon im Ostseebad Damp.

Museumsschiff Albatros in Damp
Museumsschiff Albatros in Damp

Neben den markanten Beton-Silos gab es nur ein verostetes Museumsschiff zu sehen. Der Radweg endete hier direkt im Meer. Der Strandweg sah nicht besondern befahrbar aus, so dass ich mich auf den Straßen in Richtung Waabs bewegte, wo ich – trotz putziger Beschilderung – den Radweg wiederfand. Nicht ohne ein paar Kilometer Umweg.

Radweg zwischen Damp und Waabs
Radweg zwischen Damp und Waabs

Von Waabs bis Eckernförde führte der Radweg nun entlang einer viel befahrenen Straße, jedoch durch eine landschaftlich reizvolle Gegend. Leider jedoch bergauf und bergab und mit Gegenwind der Kategorie „Steife Brise“.

Siegfried-Werft mit Holzklappbrücke
Siegfried-Werft mit Holzklappbrücke

In Eckernförde führt der Ostseeküstenradweg direkt auf die Promenade und ich stand auch schon direkt vor meinem Hotel, der Siegfried Werft. Früher war das tatsächlich mal eine richtige Werft.

Eckernförde mit Rundsilo
Eckernförde mit Rundsilo

Von dort führt eine uralte Holzklappbrücke zur anderen Seite des Hafens und zum Rundsilo. Dort wurde früher Getreide gelagert. Heute ist ein Restaurant im Erdgeschoss, der obere Teil steht leer. Verschiedene Nutzungsideen scheiterten wohl an der knappen Deckenhöhe im Gebäude.

Eckernförde
Eckernförde

Ich futterte zwei Fischbrötchen, kaufte eine Schiffskarte und Kuchen und checkte m Hotel ein. Das Zimmer ist sehr niedlich. Hier legte ich mich erstmal eine Stunde aufs Ohr.

SS Tu Solo Tu
SS Tu Solo Tu

Dann ging es zum Segelschiff. Gut das ich die Karte schon zwei Stunden eher gekauft hatte, sonst wäre ich nicht mehr weggekommen. Von 17.00 Uhr – 18.30 Uhr ging es mit der SS Tu Solo Tu vom Stadthafen Eckernförde eine Runde in die Eckernförder Bucht.

Radfahrer auf der Ostsee
Radfahrer auf der Ostsee

Das Segelschiff tuckerte übrigens mit Motorkraft. Für einen dreistündigen Segeltörn kam ich leider am falschen Tag. Interessant war sicherlich der Marinestützpunkt. Dort war u.a. das Wehrforschungsschiff Planet und ein paar U-Boote. Zwischendurch gab es auch mal ein wenig Wellengang.

Bisher waren die westdeutschen Kapitäne nicht sehr gesprächig. Auf den Schiffsreisen die ich in Mecklenburg-Vorpommern gemacht habe, wurde sehr viel erzählt und auch „Seemansgarn gesponnen“.

Hafen Eckernförde
Hafen Eckernförde

Danach stand von 19.00 – 21.00 Uhr eine Stadtführung durch Borby auf dem Programm. Treffpunkt war direkt am Hotel. Ärgerlicherweise mußte ich im Hotel Kurtaxe bezahlen und bekam dafür eine ostsee-card. Dafür war dann der Stadtrundgang einen Euro billiger (3.50 statt 4.50).

Feldsteinkirche Borby
Feldsteinkirche Borby

Borby gehört erst seit 1934 zu Eckernförde, vorher war es ein eigentständiger Ort und Seebad. Der informative Rundgang führte entlang der Promenade zum Ort der ehemaligen Seebadeanstalt Marie-Louisenbad, weiter zur Borbyer Kirche – die ab 1185 aus Feldsteinen gebaut wurde -, dann zum Finanzamt, und endete an einem Aussichtspunkt über dem Hafen.

Finanzamt
Finanzamt

17. Juli – Von Eckernförde nach Kiel

Die heutige Etappe über 47 Kilometer führte an St. Nicolai vorbei aus Eckernförde auf einen Radweg entlang der B76. Dann ging es weiter auf einem Radweg entlang der B503, dann entlang der K22 und der K16. Das Schwedeneck präsentierte sich also aus Straßensicht. Touristische Ambitionen gegenüber Radfahrern waren nicht zu erkennen.

Kirche Krusendorf
Dreifaltigkeitskirche Krusendorf (1737)

Dafür gestaltete sich die Fahrt als Slalom, da ich versuchte den tausenden Schnecken, die – durch den Regen hervor gelockt – überall auf dem Radweg herumkrauchten, auszuweichen. Manchmal vergeblich.

Unterwegs
Unterwegs

Nach dem Frühstück in der Siegried-Werft war ich sofort aufgebrochen und bereits gegen 11.00 Uhr in Kiel-Schilksee. Von da ab ging es weiter entlang von Straßen bis nach Kiel-Holtenau.

Schilksee
Schilksee

In Holtenau mündet der Nord-Ostsee-Kanal in die Ostsee. Ich wollte eigentlich das Kanal-Museum besuchen, kam aber leider genau zwischen zwei Führungen an. Und alleine kommt man nicht rein – der Pförtner meinte das sei seit Nine eleven so. Nun stand ich ziemlich nass – es hatte angefangen zu regnen – vor dem Eingang. Entlang des Nord-Ostsee-Kanals sollte ich dann ein Jahr später fahren, auch größtenteils im Regen.

Auch den Rucksack hatte es völlig durchnässt. Vor der Reise hatte ich meinen 40-Liter-Rucksack von AspenSport in der Waschmaschine gewaschen und die Imprägnierung hatte nun gelitten. Die Wander-Outdoor-Experten meinen ja, dass Rucksäcke nie wasserdicht sind, und man alles in Müllsäcken verpacken sollte. Als Radfahrer erreicht man ja mal eher eine Unterstellmöglichkeit, so dass ich das nicht für kritisch halte. Ich werde mir nach dieser Etappe einfach mal Imprägnierspray kaufen.

Kanalfähre MS Adler 1
Kanalfähre MS Adler 1

Ich hatte dann keine Lust mehr zu warten: kurz entschlossen setzte ich mit der Fähre MS Adler 1 über (ich mußte ja eh auf die andere Seite des Kanals) und bestieg auf der Südseite der Schleusenanlage des NOK eine Aussichtsplatform. Das kostete einen Euro und man mußte nicht auf jemanden warten. Die Fahrt mit der Fähre war übrigens kostenlos, so wie alle Kanalfähren.

Fahrrad
Fahrrad

Die Fährfahrt ging auch deutlich schneller als mit dem Motorrad über die große Kanalbrücke, wie ein paar tschechische Motorradfreunde mit Verwunderung merkten. Mein Fahrrad trägt den Namen „1544“. Bis auf das defekte Vorderlicht funktioniert alles ohne Probleme. Jemand muß mal damit hingefallen sein, denn das Fahrrad hat tiefe Lackkratzer. Diesmal habe ich ein zusätzliches Zahlenschloss mitgenommen. Das geht deutlich schneller als mit dem mitgelieferten Normalschloss.

Nord-Ostsee-Kanal Schleusen
Nord-Ostsee-Kanal Schleusen

Dann führte der Radweg direkt auf die Kieler Promenade auf der Westseite der Kieler Förde. Nach einem kleinen Mittag mit Fischburger und Cola Zero ging es dann ins Aquarium. Das Aquarium Kiel zeigt kleinere Fische in kleinen Becken. Draussen gibt es ein Seehundbecken und am Strand eine Seebrücke mit den Forschungsschiffen von GEOMAR.

Aquarium GEOMAR Kiel
Aquarium GEOMAR Kiel

Dann bog ich rechts ab und besuchte die Kunsthalle. Sehr beeindruckend fand ich zwei Berge aus Postkarten und Fotos. Ein Kunstwerk war zum aufessen – sponsored bei Ritter Sport – ich hab auch geknabbert. Aber auch die antiken Plastiken (Kopien) waren sehenswert. Die Kopien sind heute teilweise besser erhalten, als die Orginale.

Kunsthalle Kiel
Kunsthalle Kiel

Das Kieler Schifffahrtsmuseum hat wegen Umbau geschlossen, aber auf der Museumsbrücke lagen drei Schiffe zum angucken. Da bin ich mal für einen Euro auf der MS Bussard herumgeklettert. Gleich daneben legte gerade eine Hanse-Kogge (allerding eine mit Motor) am Pier an. Gegenüber befindet sich übrigens die HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH), wo gerade ein U-Boot gebaut wurde.

Museumsbrücke
Museumsbrücke

Heute hat leider auch das Computermuseum der Fachhochschule Kiel geschlossen. Das hätte ich mir wirklich gern angesehen. Am Ende der Kieler Förde – der Hörn – liegt noch eine seltsame Fußgängerbrücke, die sich wie eine Ziehharmonika zusammenfaltet: die Hörnbrücke. Da mußte ich auch mal drüberlaufen.

Kieler Hafen
Kieler Hafen

Dann bin ich direkt zum Hotel Berliner Hof gelaufen (gleich hinter dem Hauptbahnhof) und hab eingecheckt. Duschen, ein wenig ausruhen und dann ging es nach Neumühlen-Dietrichsdorf auf dem Ostseeküstenradweg. Dort habe ich im Scharweg Verwandte besucht. Am Wochenende war dort Familientreffen. Morgen werde ich diese Strecke nicht fahren, da nehme ich ein Schiff.

18. Juli – Von Kiel nach Lütjenburg

Der Tag begann mit einer Fahrt auf der Förde-Fährlinie F1 nach Laboe mit der MS Heikendorf. Die Fahrt begann an der Hörnbrücke und führte noch einmal entlang meines gestrigen Fahrstrecke bis zum Ausgang des Nord-Ostsee-Kanals – dann ging es zum östlichen Ufer der Kieler Förde.

MS Heikendorf in Laboe
MS Heikendorf in Laboe

In Laboe fuhr ich direkt zum Marine-Ehrenmal. Es erinnert an die auf den Meeren gebliebenen Seeleute aller Nationen und mahnt eine friedliche Seefahrt auf freien Meeren an. Das war sehr eindrucksvoll. Nach der unterirdischen Halle bin ich auf das eigentliche Denkmal gestiegen (eigentlich mit dem Fahrstuhl gefahren).

Marine-Ehrenmal Laboe
Marine-Ehrenmal Laboe

Danach besichtigte ich das U-Boot U 995 das man von hinten bis vorn durchklettern konnte. Das war leider sehr voll, aber auch das Geld (Kombiticket für 8.50 Euro) wert. Diese Torpedos waren ganz schön groß.

U 995 fotografiert vom Ehrenmal
U 995 fotografiert vom Ehrenmal

Dann ging es immer entlang der Küste – ich habe einen kleinen Umweg gemacht – bis nach Kalifornien und Brasilien. Hier hießen zwei Orte tatsächlich so.

Brasilien
Brasilien

Dann bog ich in Schönberg ab un besuchte die Kiel-Schönberger-Eisenbahn. Dort verkehren auch Züge in den Sommermonaten – leider nicht mittwochs.

Schönberger Eisenbahnmuseum
Schönberger Eisenbahnmuseum

Ich hatte mich eigentlich darauf eingestellt herumstehende Züge zu fotografieren, aber zwei Herren vom Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn (VVM) – dem Betreiber der Museumseisenbahn – luden zu einer Sonderfahrt mit einer alten Hamburger Straßenbahn ein.

Schönberger Eisenbahnmuseum
Schönberger Eisenbahnmuseum

Die Museumsstraßenbahn wurde 1993 zusätzlich zum Zugbetrieb am Bahnhof Schönberger Strand errichtet. Nach einer Doppelrunde mit der Tram und einer Spende in die Vereinskasse kehrte ich zum Strandweg zurück.

Schönberger Eisenbahnmuseum
Schönberger Eisenbahnmuseum

Ich habe nun Kiel verlassen, ohne eine Kieler Sprotte, die ja eigentlich eine Eckernförder Sprotte ist, zu essen. Grund genug einen Fisch-Tag einzulegen. Nach einem Insider-Tipp meiner Verwandten aus Kiel legt ich am Stakendorfer Strand eine kleine Pause ein und ein Stück geräucherter Lachs wechselte den Besitzer. Außerdem kaufte ich zwei Fischbrötchen, die ich fürs Abendbrot mitnahm.

Buden am Stakendorfer Strand
Buden am Stakendorfer Strand

Danach ging es weiter den Strand entlang, bis die Strecke bei Hohenfelde ins Landesinnere abbog. Leider fing es irgendwann an zu nieseln, dann zu regnen und dann zu schütten. Ich stellte mich eine halbe Stunde an einem Bushäuschen unter, beschloss dann aber mit regensicheren Sachen weiterzufahren. Dann wurde es ungemütlich. Die Regenjacke wurde undicht und es regnete durch. Zudem ging es ordentlich bergauf.

Turmhügelburg Lütjenburg
Turmhügelburg Lütjenburg

Kurz vor Lütjenburg besuchte ich danach – bei immernoch strömenden Regen – die Turmhügelburg. Neben der eigentlichen Burg, wurde in zahlreichen Hütten das Alltagsleben der Ritter dargestellt. Ein Mitarbeiter des Vereins veranstaltete auch gerade eine Führung.

Ich hüpfte von Hütte zu Hütte und machte Fotos. Dann bestieg ich auch die eigentliche Burg. Alles sind natürlich Nachbauten, aber solche Burgen hat es tatsächlich um Lütjenburg gegeben.

Turmhügelburg Lütjenburg
Turmhügelburg Lütjenburg

Auf das Eiszeitmuseum hatte ich keine Lust mehr, denn das Wasser stand schon in den Schuhen. In Lütjenburg suchte ich einfach den Bismarckturm, denn gleich daneben ist mein Hotel Ostseeblick, wo ich die Nacht geschlafen habe. Dort mußte ich erstmal die „besten Fischbrötchen von Holstein“ futtern, die ich am Stakendorfer Strand gekauft hatte.

Turmhügelburg Lütjenburg
Turmhügelburg Lütjenburg

19. Juli – Von Lütjenburg nach Heiligenhafen

Nachdem ich am Vorabend im Hotel Ostseeblick am Bismarkturm nochmal die kommenden Etappen durchsah, viel mir auf, dass die Etappe von Heiligenhafen nach Neustadt mit einem Abstecher nach Fehmarn viel zu lang wäre. Also beschloss ich heute etwas früher loszufahren, um heute noch auf die Insel Fehmarn zu kommen.

Lütjenburg
Lütjenburg

Ich frühstückte pünktlich 7.00 Uhr, packte alles schnell zusammen und fuhr auch gleich los, denn noch blieb der angesagte Regen aus. Der Radweg führte durch das Zentrum von Lütjenburg. Da wäre noch einiges zu entdecken gewesen.

Hügelgrab bei Lütjenburg
Hügelgrab bei Lütjenburg

Auf dem Weg nach Oldenburg ging es auch etwas bergauf, aber zweimal ordentlich bergab. Unterwegs gab es noch ein Hügelgrab zu sehen. Dann kam der Regen und ich bin mal wieder „wasserdicht“ gefahren. Bei der Gelegenheit hab ich beschlossen, meine Regenjacke bei nächster Gelegenheit wegzuwerfen, den die Imprägnierung hält definitiv nicht mehr dicht.

Naturschutzgebiet Sehlendorfer Binnensee
Naturschutzgebiet Sehlendorfer Binnensee

Die Einfahrt nach Oldenburg erinnerte mich ein wenig an Leipzig. Auch dort werden die Radfahrer mit einem riesengroßen Umweg über die Autobahn geleitet. Andererseits begrüßte Oldenburg seine radfahrenden Gäste mit einem Schild, und man landet auch gleich am Wallmuseum.

Wallanlage Oldenburg
Wallanlage Oldenburg

Das Wallmuseum hab ich rechts liegengelassen. Mit den nassen Klamotten hätten die mich sicher nicht reingelassen. Auf einen durch Holzbalken gekennzeichneten Weg bin ich dann – an den alten Wallanalagen vorbei – in die Innenstadt gekommen.

Oldenburg
Oldenburg

Leider waren weder Horst-Janssen-Museum, noch der Lappan, noch irgend etwas anderes ausgeschildert. Wenigstens den Weg zu Bahnhof hab ich ohne Probleme gefunden und noch vorher bei ALDI den Proviant aufgefüllt: Müsli-Riegel und Multivitaminsaft.

Bahnhof Oldenburg
Bahnhof Oldenburg

Vom Bahnhof fuhr 12.16 Uhr der RB 21762. Die Fahrkarte kostete 6.30 Euro und der Radtransport 3.50 Euro. Nach einem Zwischenhalt in Großenbrode ging es über die Fehmarnsundbrücke nach Burg auf Fehmarn.

Fehmarnsundbrücke
Fehmarnsundbrücke

Der Fehmarn ist Deutschlands zweitgrößte Insel und – da sich alle Gemeinden zusammengetan haben – auch gleichzeitig eine Stadt. Vom Zug aus, der 12.40 Uhr in Burg ankam, sah ich schon mein nächstes Reiseziel.

Meereszentrum Fehmarn
Meereszentrum Fehmarn

Nach kurzer Radfahrt erreichte ich das Meereszentrum Fehmarn. Dort mußte man sich anstellen und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass sich hier jemand um Touristen kümmert. Attraktionen des Museums waren das Becken zum durchlaufen und das große Haifischbecken.

St.-Nikolai-Kirche in Burg
St.-Nikolai-Kirche in Burg

Dann ging es ins Zentrum von Burg. Auch dort drängelten sich die Leute. Ich sah mit die Kirche an und fuhr dann nach Burgtiefe. Dort ist der Yachthafen und die Ruine Glambek.

Burgtiefe auf Fehmarn
Burgtiefe auf Fehmarn

Danach ging es weiter nach Burgstaaken, wo ich das U-Boot-Museum und natürlich das U-Boot U 11 besuchte. Der Kartenverkäufer war sehr schnippig und begrüßte mich erstmal mit einem fröhlichen „Nein!“. Auch im Hafen war sehr viel los.

U-Boot U11 in Burgstaaken
U-Boot U11 in Burgstaaken

Dann ging es über Feldwege an weiter zu Fehmarnsundbrücke, die die Insel mit dem Festland verbindet. Von der Insel aus gesehen fährt links die Eisenbahn, in der Mitte der Kraftverkehr und rechts ist ein Notbehelfsfußweg mit lustigen Schildern. Die Radfahrer sollen absteigen, vermutlich wegen dem starken Wind, der auf der Brücke immer weht. Die Brücke war sehr beindruckend. Und es war tatsächlich sehr windig.

Fehmarnsundbrücke
Fehmarnsundbrücke

Dann ging es noch 15 Kilometer – leider bei Regen in wasserdichter Kleidung – nach Heiligenhafen, wo ich gegen 17.00 Uhr in Luises Sporthotel eincheckte. Der Inhaber war ja sehr umtriebig – aber leider trinke ich keinen Alkohol. Erstmal unter die Dusche, dann war ich nochmal einkaufen.

Heiligenhafen
Heiligenhafen

Dann mußte ich mich wiedermal bei einem WLAN-Anbieter (www.hotsplots.de) anmelden und auch diesmal funktionierte es nicht. Man kann ein paar Seiten aufrufen, aber die Uploads wollen nicht. Erstaunlicherweise funktioniert Sputnik.

20. Juli – Von Heiligenhafen nach Neustadt in Holstein

Nachdem ich nun gestern auf Fehmarn war, sollte die heutige Etappe etwas ruhiger werden. Nach dem Frühstück zuckelte ich los. In Heiligenhafen hab ich mir noch den Hafen und den Gedenkstein für Admiral Edward Vernon – dem angeblichen Erfinder des Grog – angesehen.

Gedenkstein in Heiligenhafen
Gedenkstein in Heiligenhafen

Die Strecke bis Lütjenbrode/Großenbrode war ich ja bereits gestern gefahren. Es ging an alten Gütern vorbei, über Feldwege und asphaltierte Wegstrecken. Unterwegs hab ich mir die Bogenbrücke über die Dazendorf-Godderstorfer Au angesehen, die vermutlich aus dem Jahre 1600 stammt.

Alte Bogenbrücke
Alte Bogenbrücke

Dann folgte Neukirchen mit der St.-Antonius-Kirche, einer romanischen Backsteinkirche von 1245.

Neukirchen
Neukirchen

In Süßau folgte der Ostseeküsten-Radweg wieder der Küstenlinie und führte am Strand entlang. Dann kam ein Campingplatz nach dem anderen – bis nach Dahme. Dort gab es Kaffee und Kuchen in einer Strandhütte und Kinder mit Bubble-Tea. Den Unfug gibt es wohl überall.

Im nachfolgenden Dahmeshöved guckte ich mir die Leuchttürme an. Leider nur von außen, den es fand gerade eine Hochzeit statt. Offizielle Führung wäre erst wieder 15.00 Uhr gewesen.

Marineturm und Leuchtturm Dahmeshöved
Marineturm und Leuchtturm Dahmeshöved

Ein kleines Stück weiter – bei Kellenhusen – stand ein Gedenkstein für DDR-Flüchtlinge. Diese haben sich bei der Flucht meist am Leuchtturm orientiert. Von Boltenhagen, dem letzten öffentlich begehbaren Strand zur DDR-Zeit, sind es 30 Kilometer durch die Ostsee bis nach Dahme.

Gedenkstein für DDR-Flüchtlinge
Gedenkstein für DDR-Flüchtlinge

Dann bin ich lustig vor mich hin geradelt und hab verpasst zum Kloster in Cismar zu fahren. In Grömitz hatte ich dann keine Lust mehr zurückzufahren. Hier gab es mal wieder eine Seebrücke.

Grömitz
Grömitz

Das nächste Bauwerk sah ich schon den halben Tag: den Marinefernmeldeturm Pelzerhaken bei Rettin. Beeindruckend groß.

Marineturm Pelzerhaken
Marineturm Pelzerhaken

Und dann war ich auch schon in Neustadt in Holstein. Mit der Navi-App vom Handy fand ich auch das Hotel Hamburger Hof, welches in zweiter Reihe hinter einem China-Restaurant liegt. Dazu musste ich über die Brücke (mit Radspur), die die Ostsee und das Binnenwasser trennt.

Neustadt in Holstein
Neustadt in Holstein

Kurz ausgepackt, dann bin ich nochmal los die Stadt erkunden. An besagter Brücke befindet sich der Pagodenspeicher – heute ein italienisches Restaurant. Am Marktplatz steht eine Fischerskulptur von Serge Mangin und ein lustiges klassizistisches Rathaus.

Pagodenspeicher
Pagodenspeicher

Das einzige erhaltenen mittelalterliche Stadttor – außer dem Holstentor in Lübeck – ist das Kremper Tor, indem sich auch ein Museum befindet. zeiTTor ist ein Museum der Neustädter Zeitgeschichte. Zwei Räume beschäftigen sich mit dem Schicksal der Toten der Cap Arcona. Eine der drei schwersten Katastrophen der Seefahrt in der Geschichte ist die Versenkung der Cap Arkona und der Thielbeck am 3.5.1945 in der Ostsee vor Neustadt.

Die Schiffe sanken nach einem Jagdbomberangriff der britischen Luftwaffe. Rund 6.400 der etwa 7.000 KZ-Insassen verbrannten, ertranken oder wurden erschossen. Zu den wenigen Überlebenden gehörten der bekannte DDR-Schauspieler Erwin Geschonneck und der Komponist des Moorsoldaten-Liedes Rudi Goguel.

Kremper Tor mit zeiTTor-Museum
Kremper Tor mit zeiTTor-Museum

Dann bin ich noch bei Fisch-Martin vorbei und hab eine heißgeräucherte Makrele fürs Abendbrot mitgenommen. Der Fischhändler hat mir auch den Unterschied zwischen heißgeräuchertem (50 bis 85 °C) und kaltgeräuchertem Fisch (15 bis 25 °C) erklärt. Auch in Neustadt hab ich leider wieder Internet-Probleme. Aber diesmal konnte ich auch die Bilder hochladen.

Rathaus Neustadt
Rathaus Neustadt

21. Juli – Von Neustadt nach Lübeck

Dieser Tag begann nicht gut. Irgendetwas hab ich gegessen, dass den Magen wieder verlassen wollte, wie es hineingekommen ist. Auch das kleine Frühstück – trockenes Brötchen und Kaffee – verabschiedeten sich wieder. Da hab ich mich gleich wieder in Bett gelegt.

Hansa Park in Sierksdorf
Hansa Park in Sierksdorf

Gegen 11.30 Uhr wachte ich wieder auf und brach dann von Neustadt sofort Richtung Lübeck auf. Nicht ohne vorher eine ostsee-card kaufen zu müssen. Ich hatte Kopfschmerzen und noch immer ein flaues Gefühl im Magen. In Sierksdorf radelte ich dann am Hansa-Park vorbei. Lust hinein zu gehen hatte ich keine, auch das Bananenmuseum hatte einen Besucher weniger.

Minigolf am Strand
Minigolf am Strand

Von Sierksdorf über Scharbeutz bis Timmendorfer Strand wissen sie, wie man Geld verdient. Heute war ja mal kein Regen angesagt, so dass der Strand recht voll war.

Niendorfer Hafen
Niendorfer Hafen

Am Timmendorfer Strand setzte ich mich in die Sonne und mir ging es zunehmen besser. Am Niendorfer Hafen machte ich gleich nochmal Pause und trank dann sogar einen Kaffee.

Vogelpark Niendorf
Vogelpark Niendorf

Anschließend besuchte ich dann den Vogelpark Niendorf. Dort werden 1200 Vögel (350 Arten) gehalten. Für 8 Euro kann man sich einiges angucken. Da ich ohne Blitzlicht fotografiert habe, mußte ich manchmal sehr viele Fotos machen, bis alles stimmte. So kam ich leider sehr schnell an die Kapazitätsgrenze der 4-GB-Card des Fotoapparates.

Vogelpark Niendorf
Vogelpark Niendorf

Das Sea-Life hab ich leider nicht gesehen. Mir rannte nun auch die Zeit davon. So ging es weiter nach Travemünde. Die Strecke führte entlang der immer wieder abbrechenden Steilküste.

Steilküste bei Travemünde
Steilküste bei Travemünde

In Travemünde – einem Stadtteil von Lübeck – fand gerade die 123. Travemünder Woche statt. Es gab eine kleine Fress- und Einkaufsmeile, ansonsten waren die meisten Boote noch an Land (oder schon wieder). Ich konnte dem nicht viel abgewinnen, vermutlich macht so etwas nur Spaß, wenn man mit einem Boot mitfährt.

Travemünder Woche
Travemünder Woche

Vorsichtshalber hatte ich mir schon am Vortag die Zugabfahrtszeiten heraus gesucht und so beschloss ich mit dem Zug RB 21427 von Lübeck-Travemünde nach Lübeck-Hauptbahnhof zu fahren. Das kostete 2.90 Euro zzgl. 3.50 Euro fürs Fahrrad, und dauerte 25 Minuten.

Vogelpark Niendorf
Vogelpark Niendorf

In Lübeck fand ich recht schnell das Hotel Lindenhof, denn es ist fast neben dem Bahnhof. Fahrradrückgabe – ein Auto von der Mecklenburger Radtour war auch schon da. Dann bin ich nochmal schnell in die Innenstadt und hab Marzipan bei Niederegger gekauft. Auch ein Döner und einen Flasche Sprite hab ich unterwegs mitgenommen.

22. Juli – Von Lübeck nach Leipzig

Aufstehen 6.00 Uhr, gleich danach Frühstück und 8.12 Uhr fuhr der RE 21409 von Lübeck nach Hamburg mit fünf Minuten Verspätung. Unterwegs gab es noch „Personen auf dem Gleis“ und damit nochmal 10 Minuten Verspätung. Eine Viertelstunde zum Umsteigen hatte ich in Hamburg nicht mehr, aber es hat noch gereicht. Unterwegs las ich den zweiten Teil der Foundation-Trilogie von Isaac Asimov.

Weiter ging es mit dem ICE 791, der nach drei Stunden – 12.07 Uhr – Leipzig erreichte. In Leipzig mußte ich wegen Bauarbeiten mit der Linie 1, Linie 3 fuhr nicht am Bahnhof, über den Zoo nachhause fahren.

Eine leider sehr verregnete Etappe. Aber immerhin bin ich viermal mit dem Schiff gefahren: MS Viking Flenburg, SS Tu Solo Tu Eckernförde und MS Heikendorf Kiel und der Kanalfähre Adler 1. Besucht habe ich außerdem die MS Bussard in Kiel und die beiden U-Boote U11 und U995 in Laboe und Burgstaaken.

Angesehen hab ich mir die Angeln-Bahn und die Kiel-Schönberger-Eisenbahn, tatsächlich gefahren bin ich mit einer alten Hamburger Straßenbahn. Außerdem habe ich zweimal mit der Deutschen Bahn Strecken abgekürzt: Oldenburg nach Burg auf Fehmarn und Kiel-Travemünde nach Kiel-Hauptbahnhof.

Ungefähr 350 Kilometer mit dem Rad.

2. Etappe – Schwanensee
Auf dem Ostseeküsten-Radweg von Lübeck nach Stralsund

Vom 2. – 9. Juni 2012 machte ich einen Radtour von Lübeck nach Stralsund entlang des Ostseeküsten-Radweges. Leihrad, Hotelübernachtungen und Gepäcktransport hat ein Reiseveranstalter (Die Landpartie) organisiert. Die konkrete Reiseplanung hatte ich bereits in Leipzig gemacht bzw. dann am jeweiligen Vortag mit dem Netbook. Da es definitiv kein Badewetter werden sollte, hab ich eher Sehenswürdigkeiten und Schiffsreisen eingeplant und Pullover, Regenjacke und wasserdichte Hosen eingepackt.

2. Juni – Hamburg und Lübeck

Früh um Fünf aufgestanden und dann erstmal mit dem ICE 794 (6:51 – 9:56 Uhr) über Bitterfeld, Wittenberg und Berlin nach Hamburg gedüst. Der Zug war anfangs recht leer, in Berlin füllte es sich dann etwas. Bis Berlin schaffte ich „Einführung in die systemische Kommunikation“ von Frederik Weitz. Später mußte der Kindle „Eine schwimmende Stadt“ von Jules Verne anzeigen. Der Kaffee ging so bei der DB.

Hamburger Hauptbahnhof
Hamburger Hauptbahnhof

Hamburg wurde dann gleich etwas teuer. Für die Gepäckaufbewahrunng gingen 10 Euro flöten und die Hamburger Kunsthalle schlug mit 12 Euro zu Buche. Das hat sich dann aber auch gelohnt. Von Caspar David Friedrich über Max Klinger bis Pablo Picasso ist einiges zu sehen. Die zwei Stunden – bis zum Anschlußzug – waren leider viel zu kurz.

Hamburger Kunsthalle
Hamburger Kunsthalle

Dann ging es (12:06-12:48 Uhr) mit dem RE 21416 nach Lübeck. Auch in Lübeck deponierte ich erstmal das Gepäck am Bahnhof (diesmal nur 4 Euro) und ging zu Fuß in die Stadt. Natürlich erstmal zu Holstentor und Salzspeicher. Friedrich Wilhelm Murnau drehte Teile seines Filmes Nosferatu am Salzspeicher.

Holstentor
Holstentor

Gleich um die Ecke hab ich dann auf der Quandt-Linie eingeloggt und eine einstündige Bootstour durch den Hansahafen bis auf die Kanal-Trave, also rund um die Altstadt, gemacht. Danach hab ich mir die Altstadt nochmal per Fuß erlaufen und mir alles angeguckt: St. Petri, Dom, St. Aegidien, St. Katharinen, Burgtor, Schiffergesellschaft, Buddenbrook-Haus, St. Marien, Rathaus und Cafe Niederegger, wo der kleine Stadtrundgang mit einem Marzipanbrot zuende ging.

Holstenhafen
Holstenhafen

Danach zurück zum Bahnhof und mit dem Gepäck zum Hotel zum Ratsherrn wo ich im Zimmer 24 aufschlug. 17.30 Uhr Bustransfer zum Hotel Atlantic, wo dann 18.00 Uhr die Reisebesprechung stattfand und die Leihräder von Die Landpartie übergeben wurden.

Außer mir fuhren die Tour noch eine Gruppe von sechs Radlern (mit eigenen Rädern), ein Ehepaar aus Stuttgart und eine Radlerin aus Berlin – also insgesamt zehn Radler. Die meisten hab ich während der Reise, unterwegs oder in den Hotels, wiedergetroffen.

Die mitgelieferte Ortliebtasche, Reperaturset und die kleine Luftpumpe hab ich für den Rest der Reise in die Reisetasche gepackt und erst in Stralsund unbenutzt zurückgegeben. Ich hatte schon in Leipzig – auch wegen der Wetterlage – beschlossen mit meinem Rucksack und eigenem Werkzeug zu fahren. Der Kartenhalter hat mir gefallen, dieser war auch sehr hilfreich. Am Ende der Reise hab ich mir den für das eigene Fahrrad gekauft.

Cafe Niederegger - Marzipansalon
Cafe Niederegger – Marzipansalon

Dann zurück ins Hotel und nettes Abendessen. Mit dem Wetter hatte ich – bis auf ein paar Tröpfchen – heute Glück. Morgen geht es dann per Zug nach Travemünde und dann auf den Ostseeküsten-Radweg. Auch da soll es erstmal nicht regnen. Aber einen Pullover zieh ich schonmal an.

3. Juni – von Lübeck über Travemünde und Boltenhagen nach Wismar

Nach einer großen Kanne Kaffee begann der Tag mit einer Zugfahrt: Die 78-Kilometer-Tour hab ich mit einer Zugfahrt von Lübeck-Hauptbahnhof nach Lübeck-Travemünde abgekürzt. Dort bin ich zuerst zum Alten Leuchtturm geradelt. Für eine Besichtigung hätte ich aber sehr lange warten müssen, so bin ich einfach weiter – bis auf die Mole – gefahren.

Mole und Hotel Maritim Travemünde
Alter Leuchtturm, Hotel Maritim und Mole Travemünde

Auf dem Rückweg hab ich auf der MS Marittima eingeloggt und eine einstündige Rundfahrt auf die Ostsee und zum Skandinavien-Kai mitgemacht.

Finntrader am Skandinavien-Kai in Travemünde
Finntrader am Skandinavien-Kai in Travemünde

Dann habe ich mit der Priwall-Fähre auf den Priwall übergesetzt und dort das Segelschulschiff Passat – eine riesengroße Viermastbark – besucht. Das Schiff wurde 1997/98 für 7.2 Millionen DM auf der Flender-Werft saniert.

Priwall-Fähre mit Krankenwagen
Priwall-Fähre mit Krankenwagen

Dann begann der Ostseeküsten-Radweg und damit endlich die eigentliche Radtour vom Priwall – immer schön an der Küste entlang – bis zum Ostseebad Boltenhagen. Der Weg war nur am Anfang unbefestigt, ansonsten asphaltiert. Zwischendurch haben aber mal 30 Meter gefehlt. An einigen Stellen ging es ganz schön bergauf und bergab.

In der Nähe von Groß Schwansee steht ein Birkenkreuz am Wegesrand für die 6400 Toten der KZ-Häftlingsschiffe „Cap Arcona“ und „Thielbeck“, die in den letzten Kriegstagen von britischen Bombern versenkt wurden. An diesem Küstenabschnitt wurde zahlreiche Leichen der Katastrophe angeschwemmt. Ein Stück weiter kann man einen Kolonnenweg, als letzten Rest der DDR-Grenzsicherungsanlagen, ansehen.

SS Passat in Travemünde
SS Passat in Travemünde

Mein Leihrad, welches auf den Namen „Laverna“ hört, hat übrigens tapfer durchgehalten. Der Name stammt von Die Landpartie und war eine altrömische Gottheit, die am Aventin in Rom einen Altar besaß. Sie gehörte wahrscheinlich zu den Unterweltsgöttern. Spätestens seit Plautus galt sie als Schutzgöttin der Diebe und Betrüger. Na, bisher ist noch alles dran.

Versenktes Wrack mit Seeadlern vor Boltenhagen
Versenktes Wrack mit Seeadlern vor Boltenhagen

In Boltenhagen bin ich dann direkt auf der Strandpromenade gefahren. Die reinste Fressmeile. Für das Betreten des Strandes und der berühmten Seebrücke wollte man ersthaft Geld haben, so hab ich da nur ein Softeis gegessen.

MS Seebär an der Seehund-Sandbank
MS Seebär an der Seehund-Sandbank

Auf der Halbinsel Tarnewitz loggt ich am Jachthafen Weißen Wiek auf die MS Seebär ein – heute das vierte Schiff. Vorbei an alten Zielobjekten und einen alten Wrack mit zwei Seeadlern, ging es weiter zur Insel Liebs, wo sich oftmals Seehunde tummeln sollen. Heute allerdings nicht. Die kleine Seereise war trotzdem ganz informativ.

Die Tarnewitzer Huk enstand durch Aufspülung in den 1930er Jahren. Die künstliche Halbinsel wurde als Militärflughafen genutzt. Heute ist sie ein Naturschutzgebiet. Von dort zieht sich eine rießengroße Sandbank in die Ostsee, die als Insel Liebs über dem Meerespiegel liegt. Die Weiße Wieck ist ein rießengroßer Hotelkomplex von TUI.

Baumhaussiedlung Beckerwitz
Baumhaussiedlung Beckerwitz

Auf dem letzten Stück der Radreise ging es dann über Wohlenberg, Beckerwitz (mit einer interessanten Baumhaus-Siedlung) und Zierow nach Wismar-Wendorf. Das Hotel Seeblick Wendorf hat Goldbären von Haribo, einen tollen Seeblick und ein fulminantes Abendessen.

Radfahrer auf der Ostsee
Radfahrer auf der Ostsee

Auch heute blieb es regenfrei. Durch die Abkürzung und die kleine Seefahrt war die schwerste Etappe dieser Reise recht erträglich.

4. Juni – von Wismar über Poel nach Kühlungsborn

Heute mal 6:00 Uhr aufgestanden (mit „Sputnik Insomnia“ hab ich gut durchgeschlafen), pünktlich 7:00 Uhr mit der Radlerin aus Berlin gefrühstückt und kurz nach 8:00 Uhr aufgebrochen.

Sonnenaufgang in Wismar
Sonnenaufgang in Wismar

Zuerst ging es entlang des Ostseeküsten-Radweges in die Altstadt von Wismar. Dort liegt leider größtenteils Kopfsteinpflaster mit tiefen Fugen – das ist fürs Radfahren denkbar ungeeignet. Ich hab es wie die Wismarer gemacht und bin auf den Fußwegen gefahren.

Leider wurden diese unbehandelten Steine mit den tiefen Rillen in allen größeren Küstenstädten verlegt. Vermutlich möchte man ein gewisses historisches Bild erhalten. Wismar und Stralsund sind ja auch in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Für Radfahrer sind die breiten Fugen lebensgefährlich.

Wasserkunst Wismar
Wasserkunst Wismar

Dort bin ich alle Sehenswürdigkeiten mit dem Fahrrad abgefahren: Wasserkunst, Bürgerhaus Alter Schwede, das Archidiakonat und – besonders beeindruckend – der 80 Meter hohe Turm der ehemaligen Marienkirche. Dann zur anderen Seite der Stadt und an der Grube entlang geradelt bis Schwabbelhaus und Schweinsbrücke.

St. Georgen, Wismar
St. Georgen, Wismar

Dann hab ich mir das Baumhaus und die Schiffe im Alten Hafen angesehen. Die Fahrpläne für die Adler-Schiffe hatte ich mir schon im Internet rausgesucht, es war nur die Fahrradmitnahme zu klären. Dann nochmal schnell in die Stadt, um Hosen zu kaufen und einen Backfisch zu essen.

Friedrich Wilhelm Murnau drehte 1922 in Wismar Teile seines Filmes Nosferatu. Auch das Karstadt-Stammhaus – ich wusste nicht das dies in Wismar ist – hab ich mit angeschaut. Der Firmengründer ging schon in den 1930er Jahren Pleite. Eine Hose musste ich übrigens kaufen, weil meine Jeans die ersten Etappe nicht überlebten.

Alter Hafen Wismar
Alter Hafen Wismar

Dann ging es mit der MS Hanseat weiter. Der lustige Kapitän verkürzte die Zeit mit interessanten Geschichten. Die Fahrt führte aus dem Wismarer Hafen, an der Insel Walfisch vorbei, nach Poel zum berühmten Kirchdorf. So habe ich das berüchtigte Betonschiff von Redentin nur vom Meer aus gesehen.

Hafen Kirchdorf auf Poel (mit MS Hanseat)
Hafen Kirchdorf auf Poel (mit MS Hanseat)

Die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete Dorfkirche kann man noch besuchen, die Reste der ehemaligen Festung Poel sind wirklich nur Reste. Dann ging es über den Damm zum Festland, wo ich wieder auf den Ostseeküsten-Radweg traf.

Dorfkirche in Kirchdorf auf Poel
Dorfkirche in Kirchdorf auf Poel

Über Blowatz, Stove, Boiensdorf, Pepelow, Rakow, Teßmannsdorf, Roggow zum Ostseebad Rerik. Die Landschaft am Salzhaff war sehr reizvoll, der Radweg leider nicht. „Wurzelpeter“ – Aufwerfungen der üblen Art – auf der ganzen Strecke. Die folgende Strecke ging es dann nochmal ordentlich bergauf und bergab. Großsteingräber hab ich nicht entdecken können, aber von der Rudingkuppe hatte man eine schöne Aussicht. Dort parkte lustigerweise eine LKW-Zugmaschine. Vom Fahrer weit und breit nichts zu sehen…

Blick aufs Salzhaff
Blick aufs Salzhaff

Eine noch bessere Aussicht hatte man auf dem Leuchtturm Buk auf dem Bastorfer Signalberg. Vom Ostseeküsten-Radweg aus fährt man allerdings auf einem steinigen Weg erstmal um den halben Berg herum. Die Höhe des Leuchtfeuers beruht auf der Höhe des Berges, der Leuchturms ist nur 21 Meter hoch. Für 2 Euro darf man hoch klettern.

Von 1878 bis 1979 haben zwanzig Leuchtturmwärter das Leuchtfeuer geschalten und betreut. Nach dem Petroleumdochtfeuer wurde der Buk 1912 mit einer Osram-Scheinwerferlampe elektrifiziert. Die Tragweiter des weißen Lichts beträgt 25 Seemeilen (rnd. 46 km), die des rote Lichts (das Warnfeuer) 20 Seemeilen (rnd. 37 km).

Leuchtturm Buk auf dem Bastorfer Signalberg
Leuchtturm Buk auf dem Bastorfer Signalberg

Auch Kühlungsborn – gegen 16.00 Uhr bin ich angekommen – nennt sich Ostseebad und kostet daher 2.00 Euro Kurtaxe. Rentnerfestspiele mit Schlagermusik. Also ab ins Hotel. Ich wohne in der Villa Ludwigsburg im Zimmer 1. Auch hier gibt es lecker Essen: diesmal Wels.

Kühlungsborn
Kühlungsborn

Auch heute hab ich ich mich irgendwie an den dicken Regenwolken vorbei geschummelt. Morgen ist kein Regen angesagt und die Etappe bis nach Warnemünde bzw. Rostock sehr kurz.

Irgendwie sind alle Ostseebäder ähnlich: Seebrücke – meist ohne Funktion, Strandkorbverleih, Fressbuden den ganzen Strand entlang und natürlich Kurtaxe.

5. Juni – von Kühlungsborn nach Bad Doberan, Warnemünde und Rostock

Da ich Kühlungsborn eher uninteressant fand, verließ ich nach zwei Butterbrötchen, einer Kanne Kaffee und vielen guten Tipps von der Hotelrezeption den Ort in Richtung Heiligendamm. Leider spielte das Wetter nicht mit: Leichter Nieselregen. Ich mußte zum ersten Mal die Regenjacke auspacken.

Villa Ludwigsburg, Kühlungsborn
Villa Ludwigsburg, Kühlungsborn

Der ursprüngliche Plan war mit der Bäderbahn Molli (Molli-Schmalspurbahn) nach Heiligendamm zu fahren. Wegen Bauarbeiten zwischen Kühlungsborn und Heiligendamm war das leider nicht möglich. So beschloss ich, mit der kleinen Schmalspurbahn von Heiligendamm nach Bad Doberan zu fahren.

Schmalspurbahn Molli in Bad Doberan
Schmalspurbahn Molli in Bad Doberan

In Bad Doberan ist das Münster sehenswert. Fürs Reingehen wird aber Geld verlangt. Auch das Münster wieder ein roter Klinkerbau. Für Leipziger ist das ein seltsamer Anblick – zuhause sind eher profane Bauten (Fabrik- und Lagerhallen) so gebaut. Vor dem Münster hat ein gewisser Marko erfolgreich bewiesen, dass auch Nordlichter Thüringer Rostbratwurst zubereiten können. Und Kaffee.

Doberaner Münster
Doberaner Münster

Dann ging es übers Stadtzentrum und verschiedene Dörfer – zwischendurch auch durchs Moor – nach Nienhagen, wo es auf dem Ostseeküsten-Radweg – an der Steilküste entlang – weiterging. Zwischendurch bin ich mal runter geklettert und hab einen schönen Briefbeschwerer mitgenommen (nein, kein Bernstein). Auch die Regenjacke wurde wieder im Rucksack verstaut. Die Sonne kam raus.

Steilküste bei Diedrichshagen
Steilküste bei Diedrichshagen

Der Radweg führte hier schön durch den Wald auf festgetrampelter Erde. Nach dem Sprühregen vom Vormittag ging das noch halbwegs, nach einem richtigen Regen möchte man das nicht fahren. Das Landpartie-Rad sieht jetzt „benutzt“ aus. Meine Schuhe auch.

Teepott und Leuchtturm Warnemünde
Teepott und Leuchtturm Warnemünde

Am Nachmittag traf ich in Warnemünde ein. Dort erstieg ich zuerst den alten Leuchtturm gleich neben dem Teepot. Nach dem Rundblick ging es mit dem Rad zur Kirche und zum Alten Hafen. Dort hab ich wieder mal ein Schiff betreten: Hafenrundfahrt mit der MS Käpp’n Brass. Die einstündige Fahrt war sehr informativ. Das Schiff fuhr zum Passagierkai, zur Warnow-Werft, zum Seehafen und dann zurück zum Alten Strom, wo die Reise auch begonnen hatte.

Warnow-Werft Rostock
Warnow-Werft Rostock

Auffällig war hier, dass die kleinen Rundfahrt-Schiffe alle außerhalb der Fahrrinne fuhren. Die Fahrrinne wird durch grüne und rote Tonnen (man sagt nicht Boje) angezeigt. Dort waren nur die ganz großen Schiffe unterwegs. Und während der Rundfahrt verließen zwei große RoRo-Schiffe den Hochseehafen.

Erdöltanker im Hochseehafen Rostock
Erdöltanker im Hochseehafen Rostock

Danach ging es nach Rostock. Der Ostseeküsten-Radweg zog sich bestimmt über 10 Kilometer, war stellenweise nicht ausgeschildert und zum Teil linksseitig. Marsimoto-Town begrüßt seine Gäste mit einem Bunker, in dem offensichtlich Veranstaltungen stattfinden. Erst am Stadthafen wurde es interessanter. Sogar die DDR-Neubauten sahen hier hanseatisch aus. Die oberen Etagen waren leicht angeschrägt – vermutlich ein Betonsonderelement. Auch in Rostock drehte Friedrich Wilhelm Murnau 1922 Teile seines Filmes Nosferatu.

Bunker Rostock
Bunker Rostock

Ein Blick auf die Uhr zeigt dann auch schon 17.30 Uhr. Also noch schnell durchs Stadtzentrum geradelt, ein paar Sehenswürdigkeiten angesehen und ins Hotel Die Kleine Sonne. Weil die von Halbpension nichts wissen wollten, bin ich dann noch zu Fuß ins McDonalds in der Kröpeliner Straße.

Stadtmauer Rostock
Stadtmauer Rostock

Morgen will ich auf jeden Fall nicht mit dem Rad zurück nach Warnemünde – entweder ich nehme ein Schiff oder die S-Bahn. Inzwischen habe ich ordentlich Sonnenbrand, obwohl hier fast immer bewölkter Himmel war. Ich sollte mal ohne Sonnenbrille weiterfahren.

6. Juni – von Rostock nach Prerow

Nach dem Frühstück ging es in Rostock zuerst zu Penny. Die hatten den letzten Tag vor ihrer Schließung auf und ich kaufte kleine Würstchen, Putenschnitzel, Senf und eine Flasche Wasser für das Abendbrot. Heute sollte ich ja in einem Hotel ohne Halbpension übernachten.

Nikolaikirche Rostock
Nikolaikirche Rostock

Dann ging es zum Rostocker Stadthafen, wo mich die MS „Kasper Ohm“ von der Blauen Flotte der Familie Schütt nach Warnemünde brachte. Die Strecke nochmal mit dem Fahrrad zu fahren hatte ich keine Lust. Man hätte die Strecke auch mit der S-Bahn Linie S1 oder S2 fahren können, aber übers Wasser ist es doch schöner.

MS Kaspar Ohm, Blaue Flotte, Rostock-Warnemünde
MS Kaspar Ohm, Blaue Flotte, Rostock-Warnemünde

In Warnemünde hielt die MS „Kasper Ohm“ genau neben der Warnow-Fähre, die ich brauchte um auf die Hohe Düne zu kommen. Irgendwie erinnerte mich dies an Lübeck (Lübeck-Travemünde-Priwall und Rostock-Warnemünde-Hohe Düne). Ein Blick auf die Robben-Station und die Jachthafen-Residenz hab ich auch noch geworfen.

Warnow-Fähre Warnemünde
Warnow-Fähre Warnemünde

Dann ging es weiter in die Rostocker Heide, wo der Ostseeküsten-Radweg mitten durch den Wald führt. Bis auf ein kurzes Stück, welches über Betonplatten führte, war der ganze Weg recht gut zu fahren. Nach dem zweiten Insekt im Auge, hab ich dann die Sonnenbrille aufgesetzt. Eine sehr idyllische Strecke, ich hab ordentlich gebummelt.

Rostocker Heide
Rostocker Heide

Dann hab ich in Graal-Müritz an einer Tankstelle einen Einweg-Grill gekauft. Nach Graal-Müritz führt der Radweg direkt neben der Küste entlang über Neuhaus, Dierhagen, Wustrow und Ahrenshoop. In Wustrow hab ich mal einen Abstecher zum Stadthafen gemacht, um zu sehen ob man mit dem Schiff etwas unternehmen kann. Aber auf die Bodden-Rundfahrt hatte ich keine Lust, der Segel-Törn hätte zu lange gedauert und Streckenabkürzungen waren auch nicht machbar.

Dann hab ich einen Zander auf Fischland gekauft – gleich den kompletten Fisch. Der Rucksack wurde damit ordentlich schwer und der Geldbeutel um 13 Euro leichter. Den Grill habe ich auf dem Gepäckträger transportiert, was den Rest der Fahrt ordentlich herumgeklappert hat.

Auf dem Ostseeküsten-Radweg
Auf dem Ostseeküsten-Radweg

Über Fischland ging es auf den Darß. Dort führte der Ostseeküsten-Radweg auf der Boddenseite nach Born. Sehr windig, sehr eng und in Born (auf dem Campingplatz) versackte der Weg im Sand. Dort fehlten dann auch noch die Schilder und ich fuhr nach Gefühl.

Born auf dem Darß
Born auf dem Darß

Irgendwie kam ich nach Wieck, verlor abermals den richtigen Weg und fuhr dann auf einem 40 cm breiten Waldweg neben der Straße nach Prerow. Dort kämpfte ich mich auf einem Sandweg durch den Ort, um dann endlich mein Hotel zu finden, die Strandburg Prerow. Kurz vor 6 Uhr erwischte ich auch noch einen Laden der Besteck verkaufte.

Ostsee bei Prerow
Ostsee bei Prerow

Um halb Sieben saß ich dann endlich am Strand und stand schonmal bis zu den Knien im Ostsee-Wasser. Gefühlte Temperatur: 10 Grad. Dann den Grill angeworfen und die Fleisch- und Fischteile gebrutzelt. Die Reste hab ich an die zahlreichen Seemöwen verfüttert. Zeitweise bis zu 20 Möwen waren auf das Grillgut aus. Den Zander mochten sie besonders.

Abendessen
Abendessen

Natürlich hab ich vorbildlich den Strand aufgeräumt. Nur von meinen Füßen bekam ich den Sand nicht mehr ab. Eigentlich nimmt man trockenen Sand, um den nassen Sand abzubekommen, aber es begann zu regnen. Die Leute die mich barfuß im Nieselregel zum Hotel haben radeln sehen, guckten etwas seltsam.

Hunger auf Zander
Hunger auf Zander: Lachmöwe bei Prerow

Leider gab es in Prerow nur sehr schlechten Handy-Empfang. Auch mein UMTS-Stick ging nur mit EDGE. Ich versuchte mich bei einer kostenlosen WLAN-Firma namens Maxspot anzumelden, was leider fehlschlug.

Großer Hunger
Großer Hunger: Silbermöwe bei Prerow

Hosen und Jacke mußte ich hinterher in die Wäsche geben. Der Hotel-Fön hat bei der Trocknungsaktion tapfer durchgehalten. Die Kamera und der Rucksack haben ordentlich Sand abbekommen.

7. Juni – von Prerow über Zingst nach Barth

Der Morgen begann wieder mit viel Kaffee und zwei Butterbrötchen. Die netten Leute von der Strandburg Prerow packten mir auch noch ein Kuchenpaket. Die kürzeste Etappe dieser Fahrt – heute sind nur 20 Kilometer zu bewältigen gewesen – führte zuerst nach Zingst.

Blick zurück: Seebrücke von Prerow
Blick zurück: Seebrücke von Prerow

Der Zingst ist vollständig eingedeicht, da er nur knapp über dem Meeresspiegel liegt. An einigen Stellen auch 20 cm drunter. Der Radweg führte auf dem Deich entlang. Im Ostseeheilband Zingst gab es dann erstmal das übliche: Seebrücke, Fressmeile, Kitschkunst und Fahrradverbot. Aber der Ort hat mich wenigstens angemessen begrüsst.

Zingst
Zingst: Kinderspielplatz mit Leuchtturm Alter Lutz

Dann führt der Ostseeküsten-Radweg nach Süden und verlässte den Zingst über die Meiningenbrücke. Bis 2015 soll ja für 38 Millionen die Darß-Bahn wieder reaktiviert werden, dann wird die Ponton-Behelfsbrücke – die noch von der NVA errichtet wurde – vielleicht abgerissen.

Meiningenbrücke
Meiningenbrücke

Bis dahin muss man sich mit „Kunst auf Schienen“ begnügen. Die Strecke wird dann wieder idyllisch und führt über Pruchten mit einem scharfen Knick nach links nach Barth-Tannenheim und Barth.

Kunst auf Schienen in Bresewitz
Kunst auf Schienen in Bresewitz

Im Barther Stadthafen war dann mal wieder eine Schiffsfahrt fällig, die lustigerweise nach Zingst und zurück führte. Da kam ich ja gerade her. Die Fahrt auf dem Barther Bodden und dem Zingster Strom führte an zwei Vogelschutzinseln vorbei: der großen Kirr mit der berühmten Viehfähre und der Barther Oie. Diesmal hieß das Schiff MS „Likedeeler“ von der Reederei Poschke.

Steuerhaus mit Fahrrad, MS Likedeeler und Marienkirche
Steuerhaus mit Fahrrad, MS Likedeeler und Marienkirche

Nach einer kleinen Kuchenpause ging es dann zum Museum in der Zuckerfabrik mit drei Ausstellungsräumen. Zuerst eine Titanic-Ausstellung – fand ich eher langweilig. Dann einen großen Raum mit Autos, Mofas und anderer Technik, sowie eine Sonderausstellung mit Fotos zum Thema „Wrack“.

Museum in der alten Zuckerfabrik Barth
Museum in der alten Zuckerfabrik Barth

Danach nur kurz durch die Stadt und dann ins Hotel Stadt Barth wo ich übernachtete. Fulminantes Abendessen im inliegenden Restaurant Eshramo: Dreierlei Schweineschnitzel mit Bolognese und Mozzarella, Schinken und Brie, Champignons und Gorgonzola auf Butter-Spaghetti.

8. Juni – von Barth nach Stralsund

Die letzte Etappe der Radtour startete in Barth mit dem üblichen Butterbrötchen und Kaffee. Ich brach diesmal kurz nach Neun auf, um rechtzeitig vor dem Regen in Stralsund zu sein. Das sollte aber so nicht klappen.

Betonplattenweg bei Barth
Betonplattenweg bei Barth

In den letzten drei Tagen (seit Born) sind mir eine Vielzahl von Betonplattenwegen begegnet. Ich kenne sowas eigentlich nur aus DDR-Zeiten: da wurden im Neubauviertel die provisorischen Straßen damit ausgelegt und die Leute haben sich ihre Trabbis kapputgefahren. Hier sind diese Behelfswege verbreitet.

Auf der Deichkrone bei Flemendorf
Auf der Deichkrone bei Flemendorf

Zuerst die Glöwitzer Berge, die gleich am Anfang etwas anstrengten. Aber es bewahrheitete sich der alte Radfahrerspruch: Was man hoch fährt, fährt man irgendwann auch wieder runter. Danach ging es gemütlich auf der Deichkrone weiter. Der Ostseeküsten-Radweg war hier teilweise auch mal bloß 40 cm breit und eher ein Trampelpfad.

Windkraftschöpfwerk Arbshagen
Windkraftschöpfwerk Arbshagen

Der gesamte Ostseeküsten-Radweg hatte zwischen Lübeck und Stralsund sehr verschiedene Qualitäten von Radwegen, Schutzhütten und Sehenswürdigkeiten. Den Vogel haben die Leute aus Arbshagen abgeschossen: Neben der Attraktion des Dorfes – einem alten Windkraftschöpfwerk – stand doch tatsächlich eine Dixie-Klo für vorbeikommende Radler. Leider hab ich den dazugehörigen Schlüssel nicht in der Schutzhütte gefunden, sonst hätte ich mal gerne 50 Cent gespendet, denn da hat mal jemand mitgedacht.

NABU Kranichinformationszentrum
NABU Kranichinformationszentrum

Dann ging es vom Bartelshagener Steinriff bis zur Kinnbagenhagener Rinne idyllisch am Bodden entlang. Ich hab dann einen Umweg zum NABU Kranichinformationszentrum in Groß Mohrdorf gemacht. Der Mitarbeiter dort kommt aus Neukieritzsch (ein paar Kilometer südlich von Leipzig).

Inzwischen mußte ich die wasserdichten Hosen und die Regenjacke anziehen und fuhr so über Prohn nach Stralsund. Zwischendurch bin ich von der Straße runter auf die Sundpromenade und dann zur Hafeninsel. Dort fand gerade das Stralsunder Hafenfest statt: Fressmeile, Riesenrad und Auto-Scooter.

Gorch Fock I an der Ballastkiste
Gorch Fock I an der Ballastkiste

Auf der Hafeninsel an der sogenannten Ballastkiste war die Gorch Fock I (die zwischenzeitlich auch mal Товарищ hieß) zu besichtigen. Das 1933 gebaute Schiff (nicht mit der Gorch Fock II zu verwechseln) wurde bei Kriegsende im Strelasund versenkt, später gehoben und in der sowjetischen Marine als Segelschulschiff verwendet. Dann hat es ein deutscher Verein gekauft und repariert. Ist aber immernoch sehr rostig…

Ozeaneum Stralsund
Ozeaneum Stralsund

Gleich nebenan am Hansakai liegt das Ozeaneum (Webseite), welches ich gleich danach besuchte. Hat mich ziemlich beeindruckt. Zuerst geht es durch zwei Ausstellungen „Weltmeer“ und „Ostsee“ und dann folgen Aquarien zu „Ostsee“ und „Nordsee“. Außerdem gibt es noch Pinguine auf dem Dach und „Riesen der Meere“ (Modelle 1:1), die man auf Liegestühlen mit Lichteffekten besichtigen kann.

Stralsund
Stralsund

Auch dieser Tag verging nicht ohne richtige Schifffahrt. Diesmal ging es mit der MS Vorpommern der Fahrgastschifffahrt Hübner von der Hafeninsel auf den Strelasund unter den Rügenbrücken hindurch, an der Volkswerft Stralsund vorbei, um die Insel(n) Dänholm, nochmal unter den Brücken hindurch zurück zur Hafeninsel. Dabei sieht man ein schönes Panorama der Stadt. Auf dem Foto ist auch die Gewitterwolke zu sehen, die nach Fahrtende über Stralsund abregnete.

Alter Markt mit St. Nikolai und Rathaus
Alter Markt mit St. Nikolai und Rathaus

Nach dem Regenschauer ging es mit einer Stadtbesichtigung weiter. Wegen dem unbefahrbaren Pflaster diesmal zu Fuß. Zuerst zum Alten Markt mit St. Nikolai und Rathaus. Dann weiter zum Katharinenkloster, zu St. Marien und zum Heiligengeistkloster.

Hafeneinfahrt Stralsund (im Hintergrund Sundpromenade mit Hotel Rügenblick
Hafeneinfahrt Stralsund (im Hintergrund Sundpromenade mit Hotel Rügenblick

Nach der Stadtbesichtigung dann zum Hotel Rügenblick, dass an der Schwedenschanze – einer alten Befestigungsanlage – liegt. Nach dem Krieg war hier eine Seeoffiziersschule der NVA. Heute gehört das Objekt zum Berufsförderungswerk.

Beim Abendessen traf ich auf eine andere Gruppe von Landpartie-Radlern, die die Tour „Sternradeln Stralsund“ machten.

9. Juni – von Stralsund zurück nach Leipzig

Nach dem Frühstück ging es direkt zum Bahnhof in Stralsund und dann mit dem Bummelzug RE 69633 nach Berlin-Gesundbrunnen. Abends hatte ich noch den Plan mal in Greifswald vorbeizugucken. Aber im Zug hatte ich dann keine Lust mehr und hab stattdessen „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ von Jules Verne gelesen. War eine gute Idee gleich in Gesundbrunnen auszusteigen, dort wurde der ICE 1613 nach Leipzig bereitgestellt, so dass ich mir in Ruhe einen Sitzplatz raussuchen konnte. In Leipzig – nach fünf Stunden Bahnfahrt – mit der 3 nach Hause gebimmelt.

Damit ging ein – trotzt des mäßigen Wetters – schöner Urlaub zuende. Insgesamt waren das sechs Zugreisen, inklusive der Abkürzung in Lübeck und der Umweg mit der Molli-Bäderbahn. Außerdem acht Schiffsreisen: mit MS Quandt Lübeck, MS Marittima Travemünde, MS Seebär Tarnewitz, MS Hanseat Wismar, MS Käpp’n Brass Warnemünde, MS Kasper Ohm Rostock, MS Likedeeler Barth und MS Vorpommern Stralsund.

Dazu zwei Fähren, die Priwall-Fähre Travemünde und die Warnow-Fähre Warnemünde. Sowie zwei Besichtigungen auf „Betonschiffen“ – die SS Passat Travemünde und die SS Gorch Fock 1 Stralsund. Auf ein paar Futterkuttern war ich auch noch.

Und fast 300 Kilometer mit dem Fahrrad.

3. Etappe – Inselhüpfen mit Blauem Wunder
Auf dem Ostseeküsten-Radweg mit Hiddensee, Rügen und Usedom

Vom 4. – 11. August 2012 machte ich einen Radtour von Stralsund über Hiddensee, Rügen und Usedom zurück nach Stralsund. Leihrad, Hotelübernachtungen und Gepäcktransport hat ein Reiseveranstalter (Mecklenburger Radtour) organisiert. Eigentlich hatte ich die Reise bei Radissimo gebucht, die hier aber nur als Reisebüro aufgetreten sind.

Die konkrete Reiseplanung hatte ich bereits in Leipzig gemacht bzw. dann am jeweiligen Vortag mit dem Netbook. Bei dieser Etappe hielt ich mich am wenigsten an vorgesehene Routen und vorgeschlagene Wege. Dem Ostseeküsten-Radweg bin ich immer wieder begegnet, aber nicht immer gefahren.

Es war leider schlechtes Wetter angesagt, so dass ich mit Regenjacke und wasserdichten Hosen im Rucksack herumfuhr.

4.8. – Von Leipzig über Eberswalde nach Stralsund

Auch auf dieser Etappe war ich wieder zu spät am Bahnhof, die Umleitungen wegen Bauarbeiten hatte ich nicht berücksichtigt. Diesmal war der Zug weg und ich mußte fast eine Stunde am Bahnhof rumsitzen.
Um 7.51 Uhr ging es dann mit dem ICE 1516 und einem japanischen Ehepaar nach Berlin.

Bahnhof Eberswalde
Bahnhof Eberswalde

Nach einer halben Stunde im Berliner Hauptbahnhof ging es 9.37 Uhr mit dem IC 2353 weiter nach Eberswalde, wegen Überfüllung stehend. Wegen dem späten Start in Leipzig, kam ich natürlich auch in Eberswalde zu spät an.

Sicherheitstor am Oder-Havel-Kanal
Sicherheitstor am Oder-Havel-Kanal

Der Fahrradladen RADHAUS, den ich nach einem Kilometer Fußmarsch gegen 10.45 Uhr erreichte, verlieh mir dann ein Fahrrad mit dem Namen „Franz“. Ich habe das Fahrrad gleich für vier Stunden gemietet (6 Euro) und mit dem netten Herren vereinbart, es abgeschlossen wieder auf den Hof zu stellen und den Schlüssel in den Briefkasten zu werfen. Der Laden hat eigentlich ab 12.00 Uhr geschlossen.

Fahrrad Franz
Fahrrad Franz

Weil ich nun auch in Stralsund nicht zu spät aufschlagen wollte, hab ich die Planung für Eberswalde in die Tonne geworfen und bin direkt zum Oder-Havel-Kanal und dann zum Schiffshebewerk in Niederfinow. Nicht ohne einen kleine Umweg. Zwischendrin hab ich den Plan auf der Landstraße zum Schiffshebewerk zu fahren nach einer 8-prozentigen Steigung aufgegeben und bin über eine Holperpiste zum Treidelweg.

Schiffshebewerk Niederfinow
Schiffshebewerk Niederfinow

Nach Niederfinow wäre auch ein Bus gefahren. Das Schiffshebewerk war sehr beeindruckend. Für zwei Euro konnte man draufklettern und beobachten, wie der Schiffs-Fahrstuhl sich senkte. Nach einem Softeis ging es zurück nach Eberswalde. Nach Fahrradrückgabe und Marsch zum Bahnhof mußte ich dann aber wieder warten. Erst 14.15 fuhr ein IC nach Stralsund.

Schiffshebewerk Niederfinow
Schiffshebewerk Niederfinow

Dafür konnte ich mich im Zug setzen und das Buch von zwei Rostockern, die auf dem Fahrrad eine Weltumrundung machen, weiterlesen. Im IC saßen viele Usedom- und Rügen-Urlauber, die ich vielleicht wiedertreffe. In Stralsund ging es erstmal zum InterCityHotel, welches gleich neben dem Bahnhof ist, und dann direkt unter die Dusche. Dann hab ich das Leihfahrrad übernommen, welches „2104“ heißt.

Stralsund
Stralsund

In Stralsund wollte ich zwei Sachen machen: als erstes den Rügendamm mit dem Fahrrad überqueren. Aber vorher begrüßte mich Stralsund mit einem kleinen Regenschauer – ich stellte mich die zehn Minuten unter einen Baum. Dann radelte ich zum Damm und überquerte den Strelasund nach Dänholm und dann nach Rügen. Der Rügendamm besteht aus Eisenbahnschienen, Straße und einem kombinierten Rad- und Gehweg. Dann ging es wieder zum Festland.

Rügendamm und Rügenbrücke
Rügendamm und Rügenbrücke

Ich bog dann gleich nach rechts zum Hafen ab, wo ich noch einmal das Ozeaneum besuchte – der zweite Programmpunkt in Stralsund. Diesmal war es nicht so voll und ich machte in Ruhe ein paar Fotos und genoss die Multimedia-Show auf einer Liege.

Pinguin auf dem Dach des Ozeaneums
Pinguin auf dem Dach des Ozeaneums

Dann bin ich noch ein wenig durch die Stadt geradelt, eigentlich auf der Such nach eine Laden für den Reiseproviant. Es war aber nichts zu entdecken. Also gab es als Abendbrot einen Döner und eine Flasche Fanta.

5.8. – Über Hiddensee nach Breege auf Rügen

Nach dem Frühstück ging es 9.15 Uhr mit der MS Hansestadt Stralsund der Reederei Hiddensee nach Vitte auf der Insel Hiddensee. Gleich in Stralsund mußte ich noch eine Tageskurkarte für Hiddensee für 1.50 Euro löhnen.

MS Hansestadt Stralsund in Vitte
MS Hansestadt Stralsund in Vitte

In Vitte bin ich allerdings nur umgestiegen auf die MS Gellen die gleich nach Kloster fuhr, wo ich dann zum zweiten Mal die Insel betrat. Vom Hafen aus ging es den Berg hoch (72.5 Meter) zum Aussichtspunkt und dann weiter zum Skulpturengarten und zum Leuchtturm Dornbusch. Eine sehr schöne Aussicht, die drei Euro kostete.

Leuchtturm Dornbusch
Leuchtturm Dornbusch

Dann ging es wieder abwärts zur Inselkirche, auf deren Friedhof auch Gerhart Hauptmann beerdigt wurde. Ein Stück weiter besuchte ich auch noch das Gerhart-Hauptmann-Haus. Dann ging es mit dem Fahrrad nach Vitte.

Gerhard-Hauptmann-Haus
Gerhard-Hauptmann-Haus

Hier stellte ich fest, das noch fast drei Stunden Zeit war, so dass ich beschloss nach Neuendorf in den Süden der Insel zu fahren. Dort kam ich gerade an (13.00 Uhr), als das Fischereimuseum öffnete. Hier sah ich das Model einer Heringsreuse. Dabei fiel mir auf, dass die Reuse so ähnlich wie der Heringszaun in Kappeln aussah.

Fischereimuseum Neuendorf
Fischereimuseum Neuendorf

Vom Museum führ ich weiter bis zum Leuchtfeuer Gellen. Der anfangs recht gut gepflasterte Weg verwandelte sich in eine mit Stroh abgedeckte Sandpiste. Als kurz vor dem Leuchtfeuer auch noch eine Schafherde den Weg versperrte bin ich die letzten hundert Meter zu Fuß durch den Sand.

Leuchtfeuer Gellen
Leuchtfeuer Gellen

Danach ging es im Eiltempo zurück nach Vitte. Dort entdeckte ich noch einen EDEKA-Markt und kaufte den Proviant, den ich eigentlich in Stralsund kaufen wollte. 16.20 Uhr legte dann die MS Wappen von Breege der Reederei Kipp ab und brachte mich nach Breege auf der Insel Rügen. Auf dem Schiff saß ich neben einem polnischen Ehepaar, welches auch mit Unterlagen der „Mecklenburger Radtour“ herumlief. Zwei Damen hatte ich schon in Stralsund gesehen.

Schafherde auf Hiddensee
Schafherde auf Hiddensee

In Breege checkte ich im Hotel am Wasser ein und vermisste einen Fön. Bereits in Leipzig hatte ich beschlossen, nun noch bis zum Gellort (nördlichster Punkt der Insel Rügen) mit dem Siebenschneiderstein (Findling) zu fahren. Da war ich aber nicht.

Großsteingrab Riesenberg
Großsteingrab Riesenberg

Stattdessen fuhr ich im strömenden Regen – bergauf gings auch noch – bis zum Kap Arkona. Die Unfallstelle – dort wurden bei einem Kreideabgang 2011 ein kleines Mädchen getötet – war weiträumig abgesperrt. Direkt daneben liegt der Arkona-Bunker, der von der Wehrmacht erbaut und später auch von der NVA genutzt wurde und ein weiterer von der NVA errichteter Bunker.

Kap Arkona - gesperrt
Kap Arkona – gesperrt

Die beiden Leuchttürme und der Peilturm sahren sehr eindrucksvoll aus, leider war am Kap Arkona seit 18.00 Uhr alles geschlossen. Auch die slawische Jaromarsburg – die schon größtenteils ins Meer gestürzt ist – wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Slawische Jaromarsburg
Slawische Jaromarsburg

Dann fand ich noch den Ausblick, wo immer die tollen Bilder vom Kap Arkona gemacht werden, und machte auch welche. Bei Regen sah es nicht ganz so schön aus. Aber überhaupt sieht so etwas ohne Touristenabtrieb etwas anders aus.

Kap Arkona bei Regen
Kap Arkona bei Regen

Auf der Rückfahrt zum Hotel – angenehm bergab – kam die Sonne heraus und es nieselte nur noch. In Juliusruh erwartete mich laute Rockmusik: „Smoke on the Water“ – die Band Scirocco trat auf. Im Hotel gibts leider sehr schlechten Internet-Empfang.

Band Scirocco in Juliusruh
Band Scirocco in Juliusruh

6.8. – Rügenrundfahrt von Breege nach Bergen

Gleich nach dem Frühstück brach ich auf. Zuerst ging es idyllisch durch den Wald entlang der Landstraße nach Glowe. Damit verließ ich die Halbinsel Wittow und erreichte über die Nehrung Schaabe die Halbinsel Jasmund.

Radweg auf der Schaabe
Radweg auf der Schaabe

Am Ende des Ortes bog ich rechts in den Wald ab. Nach Weddeort ging es entlang des Spykerschen Sees. Es regnete übrigens seit Fahrtbeginn und meinen LVZ-Regenponcho habe ich mir irgendwie zerissen.

Spykerscher See
Spykerscher See

Danach folgte Schloss Spyker. Dort gab es nicht viel zu sehen. Das Schloss ist ein Hotel. Der Radweg endete dort auf einer Wiese, wo ein Markt stattfand.

Schloß Spyker
Schloß Spyker

Ich fuhr in Richtung Bobbin weiter, wo ich den Dinosaurier-Park besuchte. Es hörte sogar mal eine halbe Stunde auf zu regnen. Das ist alles etwas anders als in Kleinwelka, aber durchaus sehenswert. Ich machte viele Fotos und verbummelte fast eine Stunde.

Allosaurus im Dinopark Bobbin
Allosaurus im Dinopark Bobbin

Danach ging es – immer bergauf – über Neddesitz, Nardevitz, Lohme und Ranzow in den Nationalpark Jasmund. Dabei fuhr ich auf grob gepflasterten Waldwegen zur Stubbenkammer.

Radweg zum Königsstuhl
Radweg zum Königsstuhl

Dort besuchte ich den Königsstuhl. Das Nationalpark-Zentrum wollte dafür 7.50 Euro. Natürlich war ich auch noch auf der Victoria-Sicht. Auch das kostete wieder eine Stunde.

Königsstuhl
Königsstuhl

Dann hab ich eine Bratwurst gegessen. Der Verkäufer, der mich nach dem Weg fragte, erzählte, dass die folgende Strecke bis Sassnitz und Prora nur noch bergab geht. Ich blieb etwas skeptisch.

Victoria-Sicht
Victoria-Sicht

Da im Nationalpark, bis auf den Radweg den ich gekommen war, keine Fahrräder erlaubt sind, mußte ich die Busstraße zur Landstraße nehmen. Da ging es nochmal ordentlich bergab und bergauf. Dann fuhr ich direkt auf der Landstraße die, tatsächlich nur noch bergab, bis Sassnitz führt.

Sassnitz
Sassnitz

Mit einem neuen Geschwindigkeitsrekord auf der längsten Abfahrt erreichte ich Sassnitz. Dort arbeitete ich mich zum Hafen durch und aß erstmal ein Fischbrötchen mit Lachs. Die Sassnitzer Autofahrer sind etwas phlegmatisch.

Hafen Sassnitz
Hafen Sassnitz

Dann besuchte ich das Fischerei- und Hafenmuseum. Dort gab es interessantes zu sehen – leider mußte ich aus Zeitgründen auf die Schiffsbesichtigung verzichten. Auch Sassnitz hat ein U-Boot – sogar direkt im Hafen. Leider erwartete mich dort eine lange Schlange und die Aussicht auf eine längere Wartezeit. Also guckte ich mit das Schiff nur von außen an.

U-Boot im Hafen Sassnitz
U-Boot im Hafen Sassnitz

Nun ging es mal wieder bergauf durchs Neubauviertel. Als nächstes erreichte ich den Fährhafen Mukran. Dort erwischte mich irgendein Insekt am rechten Arm. Während der Fahrt wurde ich noch nicht gestochen. Es tat eine Stunde weh.

Fährhafen Mukran
Fährhafen Mukran

Dann verließ ich den Jasmund und erreichte die Nehrung Schmale Heide. Dor begann direkt am Radweg auch der Koloss von Prora, ein von der KdF-Organisation gebautes, aber nie fertiggestelltes Ferienobjekt. Zuerst waren nur Ruinen zu sehen, dann begann eine Jugendherberge und dort tobten auch zahlreiche Kinder herum.

Seebad Prora - Ruinen
Seebad Prora – Ruinen

Dann besuchte ich das Dokumentationszentrum und erfuhr, dass die NVA dort ebenfalls zugange war und auch Bausoldaten dort untergebracht wurden.

Seebad Prora - Jugendherberge
Seebad Prora – Jugendherberge

Schließlich fand ich das Eisenbahn- und Technik-Museum, wo man sich für 6 Euro Fahrzeuge aller Art ansehen konnte – leider keine Fahrräder. Dafür aber Feuerwehren, Autos, Loks, eine Hubschrauber und ein Flugzeug.

Seebad Prora - Technikmuseum
Seebad Prora – Technikmuseum

Als letzte besuchte ich noch „MACHT Urlaub“, eine größere Ausstellung über das KdF-Bad Prora. Da die Anlage unter Denkmalschutz steht, lässt sich halt nicht sehr viel damit anstellen. In den kleinen Zimmern will heutzutage auch niemand mehr Urlaub machen. Diese KulturKunstStadt Prora ist schonmal eine gute Idee.

Seebad Prora
Seebad Prora

Auf weitere Museen hatte ich keine Lust mehr und beschloss noch drei Kilometer weiter, bis nach Binz, zu fahren. Dorthin führte ein schöner Radweg. In Binz guckte ich mal an den Strand und ein bissel die Häuser an. In Binz wird Geld verdient.

Binzer Strand
Binzer Strand

Dann ging es zurück nach Prora und von dort 12 Kilometer auf der Landstraße entlang nach Bergen. Ich war auf dem letzten Stück etwas dehydriert. Zudem liegt Bergen, wie der Name schon sagt, auf Bergen – es ging also mal wieder bergauf.

Bergen
Bergen

Gegen halb Sieben erreichte ich das Hotel am Rugard und trank erstmal zwei Liter Saft aus. Auch die Dusche tat gut.

7.8. – Von Bergen über Göhren nach Greifswald

Der heutige Tag begann 5.30 Uhr, als ich versuchte aufzustehen. Ich stand dann aber erst 6.00 Uhr unter der Dusche, Frühstück um halb sieben und viertel acht gings dann los. Noch ein letzter Blick auf den Arndt-Turm (dazu später mehr) neben dem Hotel und es ging los.

Ernst-Moritz-Arndt-Turm Bergen
Ernst-Moritz-Arndt-Turm Bergen

Zuerst bin ich dieselbe Strecke wie gestern gefahren und diesmal ging es mit Rückenwind bergab. Vorbei an Karls Erlebnisdorf kreuzte ich schonmal die Schienen der Rügenschen BäderBahn.

Karls Erlebnisdorf in Zirkow
Karls Erlebnisdorf in Zirkow

Dann traf ich in Sellin ein. Ich bin ein wenig durch die Stadt gefahren (sah alles noch sehr verschlafen aus) und hab mir die Seebrücke, die eine Tauchgondel hat, angesehen. Auch dort ist die Flaniermeile (Wilhelmstraße) mit diesem häßlichen Kopfsteinpflaster gelegt.

Seebrücke mit Tauchgondel Sellin
Seebrücke mit Tauchgondel Sellin

Weiter ging es nach Baabe, dazu mußte ich erstmal in Sellin den Radweg wiederfinden und eine Einbahnstraße verkehrt befahren. Bei meiner Ankunft fuhr der erste Zug der RüBB (von Göhren nach Binz) mit kurzem Halt durch den Bahnhof und ich knipste fleißig.

Rasender Roland in Baabe
Rasender Roland in Baabe

Noch ein paar Kilometer bis Göhren. Eigentlich wollte ich den großen Findling angucken, aber auf der Promenade war radfahren verboten und es war nur noch eine halbe Stunde bis Abfahrt. So habe ich ein Eis, einen Kaffee und zwei Pins gekauft und natürlich die Fahrkarten für 9.- Euro und 3.- Euro (fürs Rad) und der Lok beim rangieren zugesehen.

Rasender Roland in Göhren
Rasender Roland in Göhren

Der „Rasende Roland“ ist eine Schmalspurbahn. Die erste Strecke wurde 1895 eingeweiht. Heute fährt die Bahn regelmäßig zwischen Göhren und Putbus, im Sommer auch bis Lauterbach Mole. Ich war deshalb so früh aufgestanden, um den ersten Zug (Abfahrt 9.53 Uhr in Göhren) zu kriegen. Der nächste Zug wäre erst 11.53 Uhr gefahren.

Rasender Roland in Putbus
Rasender Roland in Putbus

Mein Fahrrad wurde im Gepäckanhänger verstaut und pünktlich fuhr der Zug ab. Da alle Türen offen standen, zog auch öfters die Abluft der Dampf-Lok durchs Abteil. Ein Teil der Strecke hatte ich bereits vom Rad aus gesehen, ansonsten gab es meist Wald und Landschaft.

Rasender Roland
Rasender Roland

11.17 Uhr hielt der Zug in Lauterbach Mole – der Hafen des Ortes. Ich holte mein Fahrrad ab und betrat erstmal einen Futterkutter. Mit gebratenem Fisch im Brötchen kletterte ich wieder runter. Dann ging es mit dem Fahrrad in Richtung Glewitzer Fähre.

Rasender Roland in Lauterbach
Rasender Roland in Lauterbach

Die Strecke von Lauterbach bis Groß Schoritz ist eigentlich ein Wanderweg. Ich fuhr nach Karte (Wander- und Radwanderkarte Rügen), die ziemlich genau war. Jeder kleine Trampelpfad war da eingezeichnet. Die Beschaffenheit des Wanderweges schwankte von Asphaltweg bis Kartoffelacker. Da gab es auch mal wieder Betonplatten.

Wanderweg in der Nähe von Dumsevitz
Wanderweg in der Nähe von Dumsevitz

In Groß Schoritz guckte ich mir das Arndt-Haus an – das Geburtshaus jenes Ernst Moritz Arndt, an dessen Turm ich früh gestartet war. In Bergen gibt es noch ein Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium und das Ernst-Moritz-Arndt-Stadion. Warum auch immer.

Arndt-Haus Groß Schoritz
Arndt-Haus Groß Schoritz

Von Groß Schoritz ging es dann entlang der Landstraße über Zudar bis zur Glewitzer Fähre. In Zudar suchte ich die Wallfahrtskirche, fand aber nur Schilder. An der Fähre gab es einen plötzlichen Regenschauer und bevor ich meinen LVZ-Regenponcho übergeworfen hatte, war ich auch schon ordentlich nass. Neben ein paar Autos setzte auch ein englischsprechendes Ehepaar mit Rädern über. Den LVZ-Regenponcho – den es bei meinem ersten Fahrradfest gab – warf ich auf der Fähre in die Mülltonne.

Glewitzer Fähre
Glewitzer Fähre

Ich hatte dann einen gelben Regenponcho (für 50 Cent bei McGeiz) übergeworfen und fuhr nach Neuenkirchen bei Greifswald. Die Strecke – ca. 15 Kilometer – war das Schimmste, was ich bisher an der Ostseeküste hatte. Von der Bundesstraße wurden die Radfahrer mit Mindestgeschwindigkeit-Schildern auf eine Pflasterstraße verbannt. Die Buckelpiste stammte vermutlich aus dem vorletzten Jahrtausend. Welche kranken Idioten haben sich das einfallen lassen?

Straße zwischen Reinberg und Neuenkirchen
Straße zwischen Reinberg und Neuenkirchen

In Neuenkirchen – wo ich gegen 16.00 Uhr eintraf – bin ich erstmal ins Hotel Stettiner Hof, wo ein Transporter der Mecklenburger Radtour gerade meine Reisetasche vorbei brachte. Das Hotel hat eine kleine Schmalspur-Eisenbahn im Garten stehen.

Museumshafen an der Ryck
Museumshafen an der Ryck

Gegen 17.00 Uhr bin ich nach Greifswald gefahren und hab mir die Stadt angesehen. Bei einem kleinen Einkaufsbummel hab ich eine wasserdichte Jacke und ein Basecap gekauft. Dann suchte in noch einen Einkaufsmarkt und hab Proviant gebunkert.

Greifswald
Greifswald

Leider hat sich auf dem Marktplatz mein Fotoapparat verabschiedet. Man kann noch knipsen, aber das Display funktioniert nur zur Hälfte. Man sollte halt sowas nicht fallenlassen. Einstweilen geht das so.

8.8. – Über Anklam und Polen zu den Kaiserbädern

Bei dieser Etappe wird Usedom von Osten aufgerollt. So ging es nach dem Frühstück zum Bahnhof von Greiswald und dann – 8.55 Uhr – mit dem Zug nach Anklam. Auf dem Fahrschein stand 10.55, aber der Zug wäre mir zu spät gewesen. In Anklam, der Zug war 9.22 Uhr da, hab ich mir erstmal die Altstadt angesehen. Die Kirche und das Steintor, ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung, waren sehenswert.

Steintor Anklam
Steintor Anklam

Ganz zufällig fand ich ein Fotofachgeschäft mit kleinen Fotoapparaten in meiner Preisklasse. Ich kaufte eine Nikon Coolpix. Da ich aber keine Lust hatte, mir das alles anzugucken, hab ich die Kamera im Rucksack verstaut und mit der alten weitergeknipst.

Anklam
Anklam

Dann wartete ich vor dem Otto-Lilienthal-Museum ein paar Minuten, um mir die Ausstellung über den Erfinder und Flugpionier und seinen Bruder Gustav anzusehen. Leider tobte dort gerade eine Schulklasse durch. Die Beiden haben u.a. die vorgefertigten Großblock-Hohlsteine aus Zement und den Anker-Steinbaukasten erfunden.

Otto-Lilienthal-Museum
Otto-Lilienthal-Museum

Dann ging es durch die malerische Landschaft zur Anklamer Fähre. Es gibt zwar weiter nördlich eine Brücke, aber das wäre ein Umweg gewesen. Bei Anklam Fähre schien aber niemand zu sein, und ich wählte schon die Telefonnummer des Fährmanns, fand ihn dann aber mit seiner Frau vorm Haus sitzend.

Fährhafen
Fährhafen

Vor der Überfahrt mußte noch das Boot vom Ufer runter, schnell das Fahrrad draufgeschmissen und ab gings nach Usedom. Der Fährmann mit seinem Hund war ein Bild für die Götter. Der Kahn war auch nicht rostfrei. Und der Preis Verhandlungssache.

Anklamer Fähre
Anklamer Fähre

Bei der Überfahrt hab ich mir die 110-kV-Leitung über die Peene angesehen. Damit werden die Kaiserbäder mit Strom versorgt. Gleich daneben sind die Reste der Eisenbahnhubbrücke zu sehen. Der Mittelteil konnte abgesenkt werden und dann konnten Züge nach Usedom fahren.

Reste der Eisenbahnhubbrücke
Reste der Eisenbahnhubbrücke

In Karnin hab ich mir noch schnell den Lotsenturm und die Kirche angesehen, dann ging es auch schon weiter nach Usedom. Gemeint ist hier die Stadt Usedom. Auch hier eine Kirche und das Anklamer Tor.

Usedom
Usedom

Weiter ging es über Stolpe nach Dargen. Dort gibt es das Technik- und Zweiradmuseum. Das ist etwas für Ostalgiker. Von meinem ehemaligen Rechenstab, über meinen Geracord portable bis zum KC 87 stand dort alles da. Auch mein Spielzeug aus Kindertagen habe ich dort wiedergefunden.

Technik-Museum
Technik-Museum

Dann ging es wieder mit dem Fahrrad weiter. Über Garz fuhr ich auf die Bundesstraße 110 Richtung Polen. Die Grenze erreichte ich nach drei Kilometern. Der Zoll guckte sich dort Autos an. Ich fuhr nach Swinoujscie (alter deutscher Name ist Swinemünde).

Bundesgrenze
Bundesgrenze

Swinoujscie habe ich schon als Kind gesehen, aber keinerlei Erinnerung daran. Scheint sich aber auch nicht soviel geändert zu haben. Im Stadtzentrum bog ich links ab, um nach Ahlbeck zu kommen.

Swinoujscie
Swinoujscie

Zwischen Swinoujscie und Ahlbeck überquerte ich die Bundesgrenze und war damit am Endpunkt des deutschen Ostseeküsten-Radweges. Von hier aus sind es rund 1000 Fahrradkilometer bis zum Beginn des Radweges in Flensburg.

Bundesgrenze bei Ahlbeck
Bundesgrenze bei Ahlbeck

Dann ging es weiter zu den Kaiserbädern, bestehend aus Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Netterweise gibt es direkt an der Promenade einen Fahrradweg. In Ahlbeck aß ich ein Eis, in Heringsdorf kaufte ich eine Eintrittskarte und in Bansin fuhr ich drei Kilometer den Berg hoch. Dort gab es einen Aussichtsturm mit einer schönen Sicht auf Gothensee, Schmollensee und Achterwasser.

110-kV-Leitung Anklam-Bansin
110-kV-Leitung Anklam-Bansin

Neben dem Turm kommt übrigens die 110-kV-Leitung von Anklam an, die aus diesen seltsamen Masten mit Bespannung besteht. Dann ging es erstmal ins Hotel Bergmühle, welches auch gleich dort liegt.

Theaterzelt Heringsdorf
Theaterzelt Heringsdorf

Übrigens bin ich den Berg wieder runtergefahren und abends nochmal hoch, den ich war nochmal in Heringsdorf. Seit 1993 gibt es dort das Chapeau Rouge, wie der Name sagt ein rotes Zelt, in dem während der Urlaubssaison Veranstaltungen stattfinden. Ich habe mir „Mann und Frau im Team“ vom FrechenKüstenKabarett angesehen. Rainer Karsitz und Torsten Schemmel fand ich besonders gut.

9.8. Über Görmitz und Wolgast nach Karlshagen

Der heutige Tag begann wieder mit einer Bergabfahrt zum Strand. Dort hab ich mir erstmal die Bansiner Seebrücke angesehen. Von dort aus folgte ich dem Strandradweg nach Nordwesten. Nach den Kaiserbädern kamen die Bernsteinbäder: Ückeritz, Loddin-Kolpinsee, Koserow und Zempin.

Seebrücke Bansin
Seebrücke Bansin

Da ich gegen halb neun gestartet war, war die Promenade noch recht leer und ich bin ganz gut vorangekommen. Vor Ückeritz zog sich erstmal ein Zeltplatz für mehrere Kilometer den Weg entlang.

Zeltplatz bei Ückeritz
Zeltplatz bei Ückeritz

Dann wurde es anstrengend: Der Weg führte wiedermal bergauf und bergab und es wurde von Ort zu Ort schlimmer. Am Ende standen sogar Warnschilder. In Koserow wurde der Strechelsberg von einem Förster mit Buchen bepflanzt, der dafür ein Denkmal bekam. Die Salzhütten von 1882 sind eine Gaststätte.

Denkmal am Strechelberg
Denkmal am Strechelberg

In Zinnowitz gab es auch eine Seebrücke, aber mit Tauchgondel. Leider war diese gerade abgetaucht. Außerdem gibt es eine schöne Kirche von 1894. Die Einladung des Pfarrers mal einzutreten, mußte ich leider ausschlagen.

Seebrücke Zinnowitz
Seebrücke Zinnowitz

Bei Zinnowitz hab ich den Küstenradweg verlassen und bin auf einer Straße nach Neuendorf gefahren. In der Gegend wurde und wird Erdöl gefördert. Eine Firma baut dort gerade eine neue Anlage.

Glückliche Kühe und Erdölbohrturm
Glückliche Kühe und Erdölbohrturm

Mein eigentliches Ziel war aber die Insel Görmitz, auf der ich mal vor ca. 35 Jahren Urlaub machte. Ich hab dort meinen ersten Fisch gefangen (einen Stichling mit der Hand), fand einen kleinen roten Traktor faszinierend, der damals über die Insel tuckerte, und habe gelernt, wie man Regenwürmer mit elektrischem Strom fängt.

Insel Görmitz
Insel Görmitz

Aber erstmal mußte ich die Insel finden. Natürlich bin ich einen kleinen Umweg über Deichkronen gefahren. Auf dem Damm zur Insel liegen noch die DDR-Betonplatten und auf der Insel stehen noch die halb verfallenen Gebäude. Davor grasten ein paar Rinder. Dann fuhr ich zurück nach Neuendorf.

Insel Görmitz
Insel Görmitz

Von Neuendorf ging es über Krummin nach Wolgast. Schon von weitem sah man das „Blaue Wunder“ – eine kombinierte Straßen-/Eisenbahnbrücke über die Peene. Als ich ankam wurde die Brücke gerade zugeklappt und ich betrat wieder das Festland. Die Originalbrücke wurde übrigens, genau wie die Eisenbahnhubbrücke von Karnin, 1945 von der Wehrmacht gesprengt.

Blaues Wunder Wolgast
Blaues Wunder Wolgast

In Wolgast machte ich gleich eine Hafenrundfahrt. Nach zweimaliger Unterquerung der Peenebrücke ging es mit der MS Klaus Störtebecker zur Peene-Werft, die, im Gegensatz zu vielen anderen Werften, volle Auftragsbücher zu haben scheint. Neben Marineschiffen zur Wartung, waren auch Neubauten zu sehen.

Peene Werft Wolgast
Peene Werft Wolgast

Dann hab ich noch einen kleinen Stadtbummel gemacht und mit die Kirche und das Rathaus angesehen. Außerdem gabs Bratwurst und einen Eisbecher. Den Kirchturm konnte man für zwei Euro besteigen: ein wirklich phantastischer Ausblick.

Blick nach Usedom
Blick nach Usedom

Dann ging es wieder über die Peenebrücke nach Usedom. Ich fuhr nach Trassenheide und folgte dort der Straße bis Karlshagen, wo ich ziemlich schnell das Hotel Nordkap fand. Leider ist auch hier nur eine EDGE-Verbindung möglich.

10.8. – Über Peenemünde nach Greifswald und Stralsund

Der Morgen begann mit dem Frühstück: Auf dieser Etappe hab ich es mir angewöhnt eine Mischung aus Jogurth, Früchten und Müsli zu essen. Dazu natürlich Kaffee. Und dann ging es wieder los – der letzte Tag auf dem Fahrrad.

Kiehnheide bei Peenemünde
Kiehnheide bei Peenemünde

Zuerste radelte ich durch den Wald nach Peenemünde. Links ein eingezäunter Wald mit Munitionsresten, rechts der Strand, wo man kein Bernstein sammeln soll, weil es sich um Phosphor aus alter Munition handeln könnte, der sich dann entzündet.

Kiehnheide bei Peenemünde
Kiehnheide bei Peenemünde

In Peenemünde besuchte ich ein U-Boot. Im Hafen des Ortes liegt die U 461 der Rotbannerflotte. Das U-Boot kann man von hinten nach vorn durchklettern und sieht völlig anders aus, als die U-Boote die ich bisher gesehen habe.

U 461 in Peenemünde
U 461 in Peenemünde

Dann wurde es 10.00 Uhr und das Museum der HVA Peenemünde (Heeresversuchsanstalt) öffnete. Dort befinden sich die Reste des Kraftwerkes, welches auch noch zu DDR-Zeiten verwendet wurde. In der HVA Peenemünde wurden die Raketenwaffen V1 und V2 („Vergeltungswaffe Zwei“, eigentlich „Aggregat 4“) entwickelt.

Kraftwerk der HVA Peenemünde
Kraftwerk der HVA Peenemünde

Neben einer V2 und einer V1 auf dem Freigelände, war auch die Werkbahn zu besichtigen, sowie eine Ausstellung über die Raketentechnik und das Raketenschnellboot Tarantul 1. Doch die Zeit drängte, den ich wollte 12.00 Uhr am Hafen sein.

Raketenschnellboot Tarantul 1
Raketenschnellboot Tarantul 1

Dort startete die Usedom-Fähre MS Adler 1 von Peenemünde nach Freest. Diese fährt stündlich von 10.00 bis 18.00 Uhr und brachte mich und mein Fahrrad für 5 Euro ans Festland. Bei der Überfahrt sah ich übrigens noch die zweite 110-kV-Leitung, die Usedom mit dem Festland verbindet. Einer der Masten war wirklich sehr hoch.

MS Adler 1
MS Adler 1

Dann ging es mit dem Fahrrad weiter zum Kernkraftwerk in Lubmin. Das KKW besteht aus einer 1 Kilometer langen Halle und sollte mal 8 Reaktoren haben. Es wurde 1995 stillgelegt und befindet sich seitdem im Rückbau.

Kernkraftwerk Lubmin
Kernkraftwerk Lubmin

Für eine Führung zu dem (nie benutzten) Reaktorblock 6 kam ich leider zu spät, aber im Kraftwerk befindet sich ein Informationszentrum, in dem man sich über Kernkraft, Reaktoren und den Rückbau informieren kann. Gleich neben dem KKW befindet sich das Zwischenlager Nord indem sich 585 Tonnen hochradioaktiver Abfall in 74 CASTOR-Behältern befinden.

Zwischenlager Nord
Zwischenlager Nord

Nach dem Kraftwerk bin ich zur neuen Marina abgebogen, um mir die Nord-Stream-Pipeline anzusehen. Ein Rohr der Pipeline und ein Info-Container hab ich auch sofort gefunden. Ein junger Mann vom Wassersport konnte mir dann auch zeigen, wo die Erdgasleitung an Land kommt.

Nord-Stream-Pipeline
Nord-Stream-Pipeline erreicht Deutschland

Die Pipeline ist 1224 Kilometer lang und führ von Wyborg in Russland nach Lubmin. Von dort führen zwei Leitungen weiter: Die 440 Kilometer lange Nordeuropäische Erdgasleitung NEL bis nach Rehden und die Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung OPAL nach Brandov. Herr Schröder war nicht da.

Rohr der Nord-Stream-Pipeline
Rohr der Nord-Stream-Pipeline

Lubmin hab ich dann ziemlich schnell durchquert. Die Petrikirche angesehen, die Seebrücke angesehen und den Teufelsstein besichtigt. Da wollte der Teufel von Rügen aus die Kirche in Wusterhusen treffen, ab warf zu kurz. Da lag aber mehr als ein Stein. Die Findlinge sind natürlich ein Relikt der Eiszeit.

Teufelsstein
Teufelsstein

Dann ging es weiter zum auf einem sandigen Trampelpfad. Da kann man froh sein, wenn man nicht stürzt. Dann radelte ich nach Gahlkow und weiter nach Loissin.

Getreidehafen Vierow
Getreidehafen Vierow

In Ludwigsburg besuchte ich das Schloss Ludwigsburg, das sehr verfallen aussieht. Der holzgefasst Eingang ist sehr schön (gewesen). Dann ging es weiter nach Neuendorf, Kemnitz und dann entlang der Landstraße Richtung Greifswald. Ich holte zwischendrin die Regenjacke heraus, aber es hörte wieder auf zu tröpfeln.

Schloss Ludwigsburg
Schloss Ludwigsburg

Mein zweiter Besuch in Greifswald zeigte die Stadt mal von einer anderen Seite. Der Stadtteil Wieck mit seiner hölzernen Klappbrücke und das nachfolgende Fischerdorf mit Kirche sind sehr ansehnlich. Dann besuchte ich die Klosterruine in Eldena. Dort wurde gerade die Bühne aufgebaut für eine klassische Aufführung der Musik von „Genesis“.

Klappbrücke in Greifswald-Wiek
Klappbrücke in Greifswald-Wiek

Nun mußte ich aber schnell zum Bahnhof, den 17.21 Uhr fuhr mein Zug nach Stralsund. Von Eldena führte ein Rad-/Gehweg ins Zentrum, der später zur Fahrradstraße wurde. Das hat mir wirklich gefallen und die vier Kilometer waren schnell weggefahren. Ich war pünktlich 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Bahnsteig.

Klosterruine Eldena
Klosterruine Eldena

Kurz vor 18.00 Uhr hielt der Zug in Stralsund. Schnell noch einen Döner und zwei Sprite gekauft und dann zum InterCity Hotel. Fahrradrückgabe und dann ging ein schöner aber anstrengender Tag zuende.

11.8. – Zurück nach Leipzig

Auch meine dritte Nacht in Stralsund endete mit einem Hotel-Frühstück. Danach bin ich mit dem RE 69631 nach Berlin (Hauptbahnhof) gefahren. Viele Kinder tobten durch den Zug – gut das ich dies gewöhnt bin: ich las mal wieder ein Buch.

Bis Berlin hielt der Zug an verschiedenen Stationen, die ich schon während dieser Etappe besucht habe: Greifswald, Anklam und Eberswalde. In Berlin fiel dann der ICE 1611 aus, dafür fuhr ein anderer ICE, der erstaunlich leer war. In Leipzig war inzwischen die Tram-Umleitung durch die Baustellen vorbei, und ich fuhr mit der Linie 1 nachhause.

Auf dieser Etappe habe ich sieben Schiffsreisen gemacht mit MS Hansestadt Stralsund, MS Gellen, MS Wappen von Breege, Glewitzer Fähre, Anklamer Fähre, MS Klaus Störtebecker und MS Adler 1. Außerdem zwei Betonschiffe besucht, das Raketenschnellboot Tarantul 1 und das U-Boot U 461.

Zweimal hab ich Strecken mit der DB gekürzt und einmal mit dem Schmalspurzug „Rasender Roland“. Die Fahrradkilometer muß ich noch ausrechnen – ich schätze 350. Dazu gab es ein Kernkraftwerk, Kreidefelsen, einen Dinosaurierpark und ein Theaterzelt.

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