Brandenburg (2014)

Die Tour Brandenburg ist ein über eintausend Kilometer langer Radweg der – rund um Berlin – durch ganz Brandenburg führt. Es gibt ein Tourenbuch von bikeline, wo die Gesamttour in kleinere Tagesabschnitte aufgeteilt ist. Startpunkt ist die Stadt Brandenburg. Der Radweg entspricht zuerst dem Havelradweg und führt zur Havelmündung bei Havelberg. Von dort geht es auf dem Elberadweg nach Lenzen. Diese Strecken bin ich bereits gefahren. So beginnt meine Tour Brandenburg etwas anders, indem ich die ersten beiden Touren komplett überspringe.

1. November 2014 – von Wittenberge nach Pritzwalk

Zuerst einmal ging es mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Dort fuhr 8.08 Uhr die RegioBahn 26136 nach Wittenberg. In der Lutherstadt ging es 9.27 Uhr weiter mit dem RE 4356 nach Berlin. Im Hauptbahnhof mußte ich erstmal auf die oberste der fünf Etagen – Bahnsteig 13. Dann ging es mit der ODEG (Ostdeutsche Eisenbahn GmbH) nach Wittenberge, wo ich gegen 13.00 Uhr eintraf.

Ganzmeilenstein

Ganzmeilenstein

Hier nun startete die dritte Tour, die ich aber stark abgekürzt habe, da ich auch hier schon gewesen bin. Statt einen über 73 Kilometer langen Bogen über Lenzen zu fahren, kürzte ich auf der Landstraße etwa 60 Kilometer ab und fuhr direkt nach Perleberg. Neben der Landstraße gab es erstmal einen Ganzmeilenobelisk. Solche Steine wurden im Abstand von einer Meile aufgestellt.

Stadtmuseum Perleberg

Stadtmuseum Perleberg

Perleberg kann mit einem DDR-Museum und einem Oldtimermuseum aufwarten. Das DDR-Museum sah nicht sonderlich einladend aus und das Oldtimermuseum lag weit weg vom Schuß. Interessant wäre zumindest das Stadtmuseum gewesen, leider war dies geschlossen. An der Tür stand „Baustelle“. Dank einer Umgehungsstraße wirkt die kleine Stadt eher beschaulich. Hauptstadt der Prignitz.

Perleberger Roland

Perleberger Roland

Perleberg wurde 1239 gegründet, erhielt aber bereits vorher ein Schuhmacherprivileg. 1364 gab es Zollfreiheit von Ludwig dem Römer. Davon habe ich nichts gemerkt. 1498 wurde die Rolandfigur, die heute noch auf dem Marktplatz steht, von einem Meister gefertigt. 1546, die Zahl ist auch in den Sockel der Rolansfigur gemeiselt, wurde Perleberg das Landgericht der Prignitz.

Neue Mühle

Neue Mühle

Früher gab es fünf Windmühlen um Perleberg. Die neue Mühle, erstmals 1303 erwähnt, ist 1930 abgebrannt. Die heutige Bebauung, ein Ausflugslokal, wurde also später errichtet und der Radweg führt nun direkt daran vorbei. Windmühlen gibt es heute auf zwei Feldern nordwestlich der Stadt. Natürlich zur Stromerzeugung.

Lübzow

Lübzow

Nun ging es erstmal durch den Wald nach Lübzow. Dort war Heckenschneidtag und ein kleiner Junge harkte den Wald. Die Dorfkirche ist die kleinste Kirche der Prignitz und genau 10.6 Meter lang. Der Radweg führt nun weiter entlang der Stepenitz übder Groß Linde und Klein Linde nach Kreuzburg. Das 84 Kilometer lange Flüsschen beherbergt seit 1999 wieder Lachse und Forellen, die in einem Modellversuch wieder angesiedelt wurden.

Königsgrab bei Seddin

Königsgrab bei Seddin (innerhalb des Grabhügels)

Drei Kilometer weiter machte ich dann einen Abstecher vom Radweg und besichtigte das Königsgrab von Seddin. Es handelt sich um einen Grabhügel, 60 Meter im Durchmesser und 10 Meter hoch, der aus der jüngeren Bronzezeit, also ca. 800 Jahre v.Chr., stammt. 1899 wurde die intakte Grabkammer gefunden, dabei aber leider ein Teil des Hügels abgetragen. Fundnachbildungen hätte ich im Perleberger Stadtmuseum sehen können.

Schloss Wolfshagen

Schloss Wolfshagen

In Seddin gab es eine Feldsteinkirche mit seltsamen Glockenturm. Dieser steht einige Meter neben der Kirche, weil der originale Turm der Kirche 1910 durch Blitzschlag abgebrannt ist. In Wolfshagen sieht man ein wirklich schön restauriertes Schloss mit Museum und Porzellanausstellung. Nun ging es weiter nach Helle. Das ist ein slawisches Rundlingsdorf: die Häuser stehen im Kreis um den Dorfplatz und dort steht die Kirche von 1913.

Biogasanlage

Biogasanlage

Bei Klein-Langerwisch gibt es dann eine Radler-Oase. Lieselotte Fortmann hat dort für die Radfahrer der Tour Brandenburg ein kleines Paradies geschaffen. Leider ist die Oase seit einem Jahr geschlossen. Bemalte Transparente verkünden den vermuteten Grund: Trinkwasservergiftung durch den benachbarten Biogasbetrieb in Neudorf. Inzwischen wurden eine Bürgerinitiative gegründet und Lärm gemacht. Ich zog die Winterjacke an, inzwischen war es kühl geworden.

Pritzwalk (Schönhagen)

Pritzwalk (Schönhagen)

Der kurze erste Tag dieser Tour endete in Pritzwalk. Die Sonne verabschiedete sich schlagartig und in der Dämmerung fand ich nur zwei verrammelte Hotels. Schließlich kam ich im Hotel des Kulturhauses unter. Auf dem Weg zur Rezeption kamen mir viele glückliche Kinder mit kleinen Stofftieren entgegen. Pritzwalk hatte an diesem Tag besonderen Besuch: Pittiplatsch und seine Freunde.

2. November 2014 – von Pritzwalk nach Fürstenberg

Der zweite Tag begann mit Eigenfrühstück. Die Brötchen und die Limo hatte ich am Vortag gekauft. Leider gab es keinen Kaffee. Dann warf ich die Hotelschlüssel in den Briefkasten und machte mich auf den Weg. Zuerst beguckte ich Pritzwalk bei Licht. Der Markplatz hat ein schönes Rathaus und an diesem Sonntag wirkte das recht ruhig. Auf einer kleinen Straße führte der Radweg nordöstlich aus der kleine Stadt.

Pritzwalk

Pritzwalk

Nach zwei Kilometern, es wurde dann etwas waldig, tauchte im Unterholz am Straßen rand die Familie Reh auf. Ein kapitaler Hirsch guckte mich seelenruhig an. Der hatte keine Lust wegzulaufen. Wegen dem Zaun wäre er auch nicht sehr weit gekommen. Das Wildgehege im Naturpark Hainholz. Dort gab es auch noch die Grüne Akademie, eine Bildungs- und Informationsstätte für Artenschutz und Waldpädagogik.

Hainholz

Hainholz

Nun ging es weiter nach Steckenthin. Dort gab es ein schönes Gutshaus. 1608 wurde das Gut zum Rittersitz und gehörte über dreihundert Jahre dem Adelsgeschlecht von Zicker. Außerdem gibt es ein Druckereimuseum, aber das hab ich ja auch hier in Leipzig. Dann ging fünfzehn Kilometer weiter, über Sadenbeck, Neu Krüssow und Wilmersdorf, nach Heiligengrabe.

Streckenthin

Streckenthin

Heiligengrabe ist bekannt durch das Kloster Stift zum Heiligengrabe, das 1287 durch Markgraf Otto IV. gegründet wurde. Durch eine erfundene Legende sollte der Ort Wallfahrer anziehen. Natürlich kämpfte das Koster bis 1546 gegen die Reformation. Wir in Sachsen haben ja noch den Reformationsfeiertag, zum Gedenken an dem Kampf von Jesus mit dem Großen Kürbis.

Klosterstift zum Heiligen Grabe

Klosterstift zum Heiligen Grabe

Nun ging es auf der Bundesstraße 189 nach Liebenthal. Dort kaufte ich an einer Tankstelle einen Kaffee. Auf den folgenden Kilometern befindet sich das Spargeldreieck. Begrenzt von den Autobahnen A19, A24 und einer Eisenbahnlinie befindet sich insgesamt achtzehn Windkraftanlagen. Die B189 unter- bzw. überquert die Autobahnen und führt mitten hindurch.

Spargeldreieck

Spargeldreieck

Am Ortseingang von Wittstock wird man zuerst mit Kunst erschlagen: „Dialogue constructiviste“ von Garry Faif. Falls man das Schild nicht sieht, könnte man es auch für einen Verladekran halten. Entstanden ist das Werk 1993 zum tausendjährigen Bestehen von Potsdam. 2001 wurde es dann an Wittstock verschenkt und hat bisher alle Versuche den konstruktiven Dialog zu beenden wiederstanden.

Dialogue constructiviste von Garry Faif

Dialogue constructiviste von Garry Faif

Wittstock gehört zu den ältesten Städten Brandenburgs. Die Innenstadt ist wirklich sehenswert. Die 2472 Meter lange Stadtmauer aus Backsteinen ist vollständig erhalten. Das Rathaus ist von 1905 und wurde auf dem Keller des Vorgängerbaus errichtet. Einbezogen wurde auch eine mittelalterlichen Gerichtslaube.

Wittstock

Wittstock

Begeistert hat mich aber das Alte Feuerwehrdepot. Es wurde 1871 erbaut und diente bis 1974 tatsächlich der Freiwilligen Feuerwehr. Der Schlauchturm wurde 1914 erbaut. 2005 wurde das Gebäude restauriert und die Tourist-Information zog ein.

Wittstock

Wittstock

Nach Wittstock führt der Radweg entlang der Landstraße nach Sewekow. Leider gab es keinen Radweg, den dieser wurde erneuert. So ging es direkt auf der Landstraße weiter. Netterweise hatten sie Schilder aufgestellt: „Achtung Radfahrer!“ und „8 Km“. Es waren dann 14 Kilometer. Unterbrochen von dem kleinen Dorf Berlinchen.

Landstraße

Landstraße

Am Ortsausgang von Sewekow ging es erstmal den Berg hoch und ich stieg mal vom Rad, um ein wenig zu laufen. Schließlich gelangte ich zu einer Holzbank die mit „Danke Eberhard Bank“ beschriftet war. Also machte ich mal eine Pause und trank eine Flasche Cola. Auf das Bauernmuseum in Sewekow hatte ich keine Lust. Dafür bereitete ich mich auf das Kommende vor: Die weisse Zone.

Danke Eberhard Bank

Danke Eberhard Bank

Waren Sie schon in der weissen Zone? Geht auch nicht mehr. Aber Sie können drum herum fahren. Was ist die weisse Zone? Nach dem Motto „weniger ist mehr“ wurde eine Gesamtfläche von etwa 140 Quadratkilometern aus der Landkarte entfernt und darf von Menschen nicht mehr betreten werden. Am Rande der Zone hat es auch gleich eine ganze Bahnlinie verschluckt. Warum ist das so? Vielleicht kann das iwf – Das Institut für weisse Zone Forschung helfen.

Die weisse Zone

Die weisse Zone

Masanobu Fukuoka war Mikrobiologe, wurde dann Bauer und gilt als Erfinder der „Nichts-tun-Landwirtschaft“. Der große Weg hat kein Tor. Und so. Auf dem Fukuoka Demofeld 12 in der Nähe von Zempow hat das wohl mal jemand probieren wollen. Hat nicht geklappt. Masanobu Fukuoka gilt als Erfinder der Samenbombe und ist damit Held des Guerilla Gardening. Das ist Graffiti für Grüne. Sieben Kilometer Wald.

Fukuoka Demofeld 12

Fukuoka Demofeld 12

Dann folgte der Schwarze See. Dort liegt der gemütliche kleine Ort Flecken Zechlin. Inzwischen gehört Flecken Zechlin zu Rheinsberg, genau wie Dorf Zechlin und Zechlinerhütte. Das Foto stammte von einem schönen Aussichtspunkt. Leider musste man vorher diesen Berg hinauffahren. Dann fuhr ich weiter zu Dorf Zechlin.

Schwarzer See (Flecken Zechlin)

Schwarzer See (Flecken Zechlin)

1926-1928 wurde eine Eisenbahnlinie von Rheinsberg nach Flecken Zechlin gebaut. Diese wurde auch gut genutzt. An den Wochenenden gab es sogar eine Direktverbindung nach Berlin. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die eingleisige Strecke abgebaut und als Reparationsleistung in die Sowjetunion verschickt. Auf der ehemaligen Strecke befindet sich heute der Radweg der Tour Brandenburg. Das Gebäude des Haltepunktes in Linow ist noch erhalten.

Alter Bahnhof in Linow

Alter Bahnhof in Linow

Die kleine Stadt Rheinsberg hat ein wunderbares Schloss, einen sehr gut gepflegten Schlosspark und ein kleines niedliches Atomkraftwerk. Berühmt wurde Rheinsberg durch das „Buch Rheinsberg“ von Kurt Tucholsky, durch „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ von Theodor Fontane und blog.luro.de von mir. Vor dem Schlosseingang steht das berühmte Denkmal des jungen Kronprinzen Friedrich „Der junge Fritz“, das von dem Weimarer Bildhauer Gottlieb Elster 1903 geschaffen wurde.

Schloss Rheinsberg

Schloss Rheinsberg

Das Atomkraftwerk Rheinsberg liegt etwa zehn Kilometer von Rheinsberg entfernt, zwischen Nehmitzsee und Großem Stechlinsee. Die beiden anderen DDR-Kernkraftwerke in Greifswald und Stendal hatte ich ja bereits gesehen. Rheinsberg war das älteste Kraftwerk, es ging 1966 in Betrieb und wurde 1990 aus Sicherheitsbedenken stillgelegt. Lange Schatten: Die letzten dreißig Kilometer des Tages ging es wieder neben der Landstraße entlang. Nach zehn Kilometern folgte Stechlin, Menz und Neuglobsow.

Bei Menz

Bei Menz

Zwischen Menz und Neuglobsow fuhr einst die Stechlinseebahn. 1914-1917 und 1928-1930 wurde die Linie gebaut. Sie diente zum Transport von Berliner Sommerfrischlern an den Stechlinsee und von Munition für den Krieg. 1945 wurde auch hier alles als sowjetische Reparationsleistung abgebaut. Zwischen Großwoltersdorf und Gransee aber bereits 1952 wieder aufgebaut. Zwischen Menz und Neuglobsow führt heute der Radweg der Tour Brandenburg auf dem alten Schienenbett. In Neuglobsow steht noch das Bahnhofsgebäude.

Bahnhof Neuglobsow

Bahnhof Neuglobsow

Nach weiteren acht Kilometern gelangte ich dann nach Fürstenberg an der Havel. In dem kleinen Städtchen war ich bereits bei der Havel-Radtour. In der Alte Reederei hatte ich damals übernachtet. Auch diesmal war ein Zimmer frei. Als Abendbrot gab es diesmal zwei Bockwürste an der Tankstelle. Damit hatte sich Tour 4 und 5 erledigt. Ich war über hundert Kilometer gefahren.

Alte Reederei Fürstenberg

Alte Reederei Fürstenberg

3. November 2014 – von Fürstenberg nach Niederfinow

Ich brach recht früh auf, den auch am dritten Tag hatte ich viel vor: Tour 6 und 7 mit nochmal über hundert Kilometern. In der Alten Reederei gab es kein Frühstück, deshalb hielt ich in Fürstenberg bei einem Bäcker. Die ersten Kilometer kannte ich bereits von der Havel-Radtour.

Nach Fürstenberg kommt der Ortsteil Ravensbrück, der vor allem durch das ehemalige Konzentrationslager bekannt ist. Eigentlich gab es hier drei Lager. Neben dem KZ Ravensbrück für Frauen, gab es noch das Siemenslager und das Jugendschutzlager Uckermark. Insgesamt waren hier 153.000 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder interniert. Die Firma Siemens lies im eigenen Lager Militär-Telefone herstellen.

Siemens-Lager des KZ Ravensbrück

Siemens-Lager des KZ Ravensbrück

Ein paar Kilometer weiter könnte der Kontrast nicht größer sein: Himmelpfort. In dem kleinen Dorf, im Haus des Gastes, wohnt der Weihnachtsmann. Er bekommt jedes Jahr zweihunderttausend Briefe von kleinen Kindern, die sich etwas wünschen. Ich interessierte mich diesmal für die Kaffeerösterei. In der Alten Reederei in Fürstenberg hatte ich den Himmelpfort-Kaffee auf der Karte gefunden.

Himmelpfort

Himmelpfort

Nun bog der Radweg nach Nordosten ab, während der Havelradweg nach Südosten führt. Der Radweg führte neben einer alten Bahnlinie nach Lychen. Auf der Bahnlinie kann man noch vom Templin aus mit Fahrraddraisinen nach Fürstenberg radeln. Lychen liegt an und um verschiedene Seen. Sie kleine Stadt nennt sich Flößerstadt. Bekannt ist sie aber eher durch eine Erfindung von 1903: die Reißzwecke.

Lychen

Lychen

Bereits ein Jahr zuvor, also 1902, hatte Gotthold Pannwitz in Lychen Land erworben. Hier erschuf er aus Spendenmitteln die Heilanstalten Lychen. Zuerst entstand eine Kinderheilanstalt für Tuberkulose-Infizierte, später ein komplettes Krankenhaus. Nach dem zweiten Weltkrieg nutzten die sowjetischen Streitkräft die Anlage als Lazarett. Seit dem Abzug der Truppen im Jahr 1993 verfällt fast alles. Ein ähnliches Schicksal wie die Beelitz-Heilstätten.

Heilstätten Lychen

Heilstätten Lychen

Nun fuhr ich acht Kilometer durch den uckermärckischen Wald. Der folgende Ort wurde 1307 von den Askaniern erstmals erwähnt und war Ende des 17. Jahrhunderts verlassen. Dort siedelten sich auf einem Gutshof hugenottische Glaubensflüchtlinge an, die gegen 1700 eine kleine Kapelle an Stelle der Dorfkirche errichteten. Nachdem sie fast verfallen war, wurde das „Kirchlein im Grünen“ mit reetgedeckten Dach und hölzernem Kirchturm restauriert.

Kirche im Grünen

Kirche im Grünen

Nach weiteren zehn Kilometern gelangte ich in die schöne Stadt Templin. Auch hier ist der vieles erhalten, z.B. die 1735 Meter lange und bis zu 7 Meter hohe Stadtmauer mit Türmen und Stadttoren. Dazu gibt es Wiekhäusern und Fachwerkhäuser, die dreischiffige St.-Maria-Magdalenen-Kirche, die St.-Georgen-Kapelle und ein barockes Rathaus.

Templin

Templin

In Templin hatte ich Würstchen, Käsebrötchen und Cola bei REWE gekauft. Nach der Stadt Templin gab es dann wieder Wald. Neun Kilometer bis Ahlimbsmühle und nochmal zehn Kilometer bis Friedrichswalde. Zeit darüber nachzudenken, warum eigentlich montags in Deutschland alles geschlossen ist. Nach weiteren fünf Kilometern traf ich dann auf den Radweg Berlin-Usedom, den ich ein paar Wochen vorher gefahren bin.

Wald

Wald

Die beiden Radwege führen aber nur die drei Kilometer bis Joachimsthal gemeinsam auf einer Landstraße. In Joachimsthal fuhr ich dann zum Grimnitzsee und sah mit eine askanische Burgruine an. Von der Burgruine Grimnitz war ich dann leicht enttäucht, es gibt da wirklich nur ein paar Reste zu sehen. Joachimsthal wurde 1609 gegründet. Die Kurfürsten, Kaiser und der Staatsratsvorsitzende jagden ja so gern am südlich gelegenen Werbelinsee.

Burgruine Grimnitz

Burgruine Grimnitz

Ich fuhr nun am Ufer des Grimnitzsees bis Althüttendorf. Dort gibt es eine Wanderkirche, die von 1803 bis 1810 auf einem mittelalterlichen Vorgängerbau errichtet wurde. 2001 wurde die kleine Kirche aus Feldsteinen und Holz restauriert. Dann ging es weiter über die Autobahn zur Bundesstraße B198. Auf der Bundesstraße musste ich nun einen Kilometer lang fahren. Nach einer Autbahnabfahrt machte das keinen Spaß.

Althüttendorf

Althüttendorf

Quer durch den Wald nach Chorin. Zwischendurch folgte noch Senftenhütte mit einem tollen Rastplatz. In Chorin gab es lustige Wegweiser. Links um den Berg zu „Kloster Chorin“ und rechts um den Berg zu „Chorin Kloster“. 1258 wurde dort eine Abtei von den Askaniern gegründet, deren Eroberungsgebiet in Chorin endete. Das Zisterzienserkloster Chorin gilt heute als typische Backsteingotik. Die Wege als fahrraduntauglich. Die Sonne ging unter.

Kloster Chorin

Kloster Chorin

Es wurde schlagartig dunkel. Die folgenden sechs Kilometer fuhr ich im Schein der Fahrradlampe durch den Wald. Gut das der Weg ziemlich gerade war. Schließlich gelangte ich auf eine Landstraße und überquerte den Oder-Havel-Kanal. Die Brücke wird gerade neu gebaut. Die Lichter des Schiffshebewerkes konnte ich dort schon sehen.

Schiffshebewerke Niederfinow

Schiffshebewerke Niederfinow

Der Radweg führte aber zum Finowkanal in Niederfinow. Hier war ich schonmal mit einem Leihfahrrad von Eberswalde aus. Das Schiffshebewerk konnte ich nun nur noch im Dunkeln ansehen. Im Hotel am Schiffshebewerk verbrachte ich die Nacht.

4. November 2014 – von Niederfinow nach Strausberg

Mit einem Frühstück im Hotel startet die Tour 8 der Tour Brandenburg. Zeit sich die Schiffshebewerke bei Licht zu betrachten. Seit meinem letzten Besuch vor zwei Jahren ist ein zweites Schiffshebewerk entstanden. Dort ist fast alles fertig. Das Alte wurde 1934 in Betrieb genommen. Der Fahrstuhl für Schiffe überwindet 36 Meter. Das Bauwerk ist ein geschütztes Industriedenkmal nach der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten.

Neues Schiffshebewerk Niederfinow

Neues Schiffshebewerk Niederfinow

Die folgende Strecke des Radweges führt in einem großen Bogen nach Schiffsmühle, den man eigentlich mit zehn Kilometern abkürzen kann. Aus unerfindlichen Gründen bin ich dann doch die lange Strecke gefahren. Zuerst ging es nach Liepe und dann über den Finowkanal in den Polder. Das Überschwemmungsgebiet ist ein ehemaliger Lauf der Oder, der die fünfundzwanzig Quadratkilometer große Oderinsel Neuenhagen umschließt.

Polder mit Finowkanal

Polder mit Finowkanal

Durch den Polder fuhr ich bis Bralitz auf die Oderinsel. Von dort zur Bundesstraße 158 und wieder durch den Polder nach Norden. Dort liegt Oderberg. Früher gab es hier tatsächlich mal die Oder, bis durch einen Kanal ab 1753 zwischen Neuglietzen und Hohensaaten die Oder abgekürzt wurde. Dadurch ist die Oderinsel Neuenhagen entstanden. Jetzt gibt es nur noch die Alte Oder.

Oderberg

Oderberg

Eine Albrechtsburg in Oderberg, die auf meiner Karte verzeichnet ist, habe ich nicht gefunden. Dafür das Binnenschifffahrtsmuseum mit dem Dampfer Riesa. 1978 wurde der Dampfer von der Weissen Flotte in Drwsden erworben und gelangte auf abenteuerlichen Wegen nach Oderberg. Das Museum besteht seit 2008 nur noch durch einen Förderverein, der Raddampfer bekam durch die rbb-Sendung „zibb“ einen neuen Anstrich.

Oderberg mit Dampfer Riesa

Oderberg mit Dampfer Riesa

Der Radweg führte nun an der Alten Oder nach Osten. Auf den folgenden sechs Kilometer konnte man Störche und andere Tiere sehen, die dort im Polder ein Zuhause haben. Schließlich gelangte ich nach Hohensaaten. Dort beginnt die 42 Kilometer lange Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, die parallel zur Oder nach Norden führt. Über die Alte Oder und den Finowkanal besteht außerdem eine Verbindung zur Havel. Die haben in der Gegend ganz schön gebuddelt.

Alte Oder bei Hohensaaten

Alte Oder bei Hohensaaten

In Hohensaaten traf ich auf den Oder-Neisse-Radweg, den ich ziemlich genau ein Jahr zuvor gefahren bin. Diesem folgte ich nun nach Süden entlang der Oder und der Grenze zur Volksrepublik Polen. Die Oder ist hier der schon erwähnte Abkürzungskanal am Ostrand der Oderinsel Neuenhagen. Bei Hohenwutzen gibt es dann auch eine Brücke nach Polen. In Neuglietzen bog ich dann nach Westen ab.

Blick nach Polen

Blick nach Polen

Der Radweg folgte nun dem Südrand der Oderinsel. Zwei Kilometer nach Neuglietzten, folgte Altglietzen. Glietzen wurde 1337 erstmals urkundlich erwähnt. Die Kirche von Altglietzen, die erhöht aus dem Ort herausragt, wurde 1855 erbaut, nachdem der Vorgängerbau baufällig wurde. Leider war hier ein Radwegschild falsch und so fuhr ich auf der falschen Straße nach Süden.

Altglietzen

Altglietzen

Nach einem Kilometer Umweg gelangte ich dann doch nach Gabow und damit wieder auf den Radweg. Das ist ein slawisches Rundlingsdorf. Im Dreißigjährigen Kireg wurde das Dorf fast ausgerottet, 1810 ist das halbe Dorf abgebrannt und 2014 bin ich durchgefahren. Als Kuchenfan habe ich einen kleinen Umweg zum Feldbackofen gemacht. Neben Kuchen werden hier auch Stollen und auch mal eine Pizza gebacken. Bis 1946 wurde der Ofen noch regelmäßig genutzt, heute sporadisch.

Ofen in Gabow

Ofen in Gabow

Nun fuhr ich auf dem Radweg zur Südspitze der Oderinsel und dem Dorf Schiffmühle. Von dort aus könnte man in vier Kilometern nach Bralitz gelangen und hätte die Oderinsel umrundet. Der Name Schiffmühle stammt von einer Schiffmühle, eine Mühle auf einer Plattform, die bis 1770 an der Oder betrieben wurde. Das Fontanehaus im Ort gehörte dem Vater von Theodor Fontanes und ist heute eine Erinnerungsstätte.

Fontanehaus in Schiffmühle

Fontanehaus in Schiffmühle

Nun verlies ich die Oderinsel und fuhr durch den Polder nach Bad Freienwalde. Hier gibt es ein Schloss mit einem Park von Peter Joseph Lenné, das Oderlandmuseum und einen Verkauswagen mit leckeren Kuchen. Ich nahm zwei Stück mit und aß diese vor der Nikolaikirche auf einer Parkbank. Später erstand ich noch zwei Flaschen Cola in einer Tankstelle.

Bad Freienwalde

Bad Freienwalde

Ich hatte den Radweg der Tour Brandenburg verlassen um die Stadt zu erkunden und folgte nun der Alten Heerstraße nach Südosten. Dort ging es nach Altranft, dass mit einem Brandenburgischen Freilichtmuseum aufwarten kann. Dazu gehört auch das Schloss, dessen Wurzeln im 16. Jahrhundert leigen. Auch hier gibt es einen Park von Peter Joseph Lenné. Ich hatte aber keine Lust mir das ganze „lebendige Dorf“ anzusehen, zudem das auch nur Sinn macht, wenn dort Aktionen stattfinden.

Schloss Altranft

Schloss Altranft

In Rathsdorf traf ich dann wieder auf den Radweg und auf einen eigenartigen Turm einer ehemaligen Ziegelei. Dort haben Störche ein Nest gebaut, wodurch der Name Storchenturm entstand. 1978 entstand auf private Initiative ein Storchenmuseum, welches inzwischen vom NABU betrieben wird. Mehrere Störche hatte ich früh beim Futtern im Polder gesehen.

Storchenmuseum

Storchenmuseum

Nach ein paar Kilometern folgte die Stadt Wriezen. Auch hier floss einmal die Oder, aber heute liegt Wriezen am westlichen Rand des Oderbruchs. Das kommunistische Stadtratsmitglied Fritz Dornbusch versuchte mit zwei anderen Männern im Zweiten Weltkrieg die kampflose Übergabe an die Rote Armee, wurde aber von der SS gefasst und hingerichtet. Wriezen wurde bei den folgenden Kampfhandlungen bis Ende des Zweiten Krieges fast vollständig zerstört. Die Marienkirche steht noch, sieht aber eher seltsam aus.

Marienkirche Wriezen

Marienkirche Wriezen

Nun ging es weiter nach Süden und über Bliesdorf nach Kunersdorf. Dort trifft man gleich auf den Friedhof. Dieser ist durch das Erbbegräbnis der Familie von Lestwitz-Itzenplitz bekannt. Der Volksmund nennt das Grabkolonnaden. Die nebenstehende Kirche von 1955 ist auch sehenswert: ein Rundbau mit Kuppel und ein Turm mit achtseitigem Knickhelm. Weiter über die Bundesstraße nach Südwesten.

Grabkolonnaden Kunersdorf

Grabkolonnaden Kunersdorf

Noch in Kunersdorf befand sich ein Bunker aus DDR-Zeiten. Bei einem möglichen Krieg währe der Bunker die abgesetzte Funksendezentrale der Hauptführungsstelle des Ministeriums für Nationale Verteidigung gewesen. Nach der Wende wurde dann ein Asylbewerberheim eingerichtet und nun ist es eine Art Museum des Kalten Krieges. Leider war dort alles verammelt und niemand da.

Bunker Kunersdorf

Bunker Kunersdorf

Also weiter nach Südwesten. Das folgende Rittergut Möglin ist durch Albrecht Daniel Thaer (1752 bis 1828) arbeitete bis 1804 als Mediziner in Celle und beschäftigte sich zunehmend mit bekannt, der dort auch eine Gedenkstätte bekam. Thaer demonstrierte auf dem Rittergut Rationelle Landwirtschaft und gründete die erste akademische Lehranstalt für Landwirtschaft im deutschen Sprachraum.

Thaer-Gedenkstätte

Thaer-Gedenkstätte

Drei Kilometer weiter in Reichenow gibt es dann eine kleine Überraschung: ein neugotisches Schloss. August Freiherr von Eckardstein ließ sich beim Bau von englischen Landsitzen der Tudorzeit inspirieren. Es sieht hervorragend aus, weil es viele Jahre als Hotel betrieben und vorher renoviert wurde. Letztes Jahr wurde der Mietvertrag mit den Damen vom Hotel nicht verlängert, dieses Jahr sollte umgebaut und neu vermietet werden.

Schloss Reichenow

Schloss Reichenow

Nun ging es weiter über Prädikow und Klosterdorf nach Strausberg. Die Strecke führte schön bergauf und bergab. Zwischendurch gab es Kunst am Wegesrand, allerdings von Künstlern, von denen ich noch nie gehört habe. Nun ging wieder recht plötzlich die Sonne unter und im Abendglühen erreichte ich den Flugplatz Strausberg. Der Radweg führte direkt daran vorbei.

Flughafen Strausberg

Flughafen Strausberg

Nach einem Kilometer verlässt man die Stadt wiede in nördlicher Richtung, um dann in einem großen Bogen zum Straussee zu fahren. Im Dunkeln machte das nicht wirklich Spaß. Nach zwei Kilometern erreichte ich die große Straße, die durch Strausberg führt und warf schonmal das Handy für die Hotelsuche an. Eher aus Zufall stolperte ich über die Seilfähre mit elektrischer Oberleitung, die einzigartig in Europa ist. Gefahren ist sie aber nicht.

Seilfähre Strausberg

Seilfähre Strausberg

Im großen Hotel an der Straße war leider kein Zimmer frei. So bin ich weiter nach Süden gefahren, um nach dem Neubaugebiet ein kleines Hotel zu finden. Mit Knabber-Mischung und Limo machte ich es mir dann auf der Terasse vor dem Zimmer gemütlich. Heute hatte ich 85 Kilometer geschafft.

Hotel Strausberg

Hotel Strausberg

5. November 2014 – von Strausberg nach Fürstenwalde

Am Vorabend hatte ich leider von dem viertägigen Streik bei der Deutschen Bahn erfahren, der mich nun zwang die Fahrt heute zu beenden. Das war eigentlich auch so geplant, aber nun musste ich die heutige Tour 9 vorzeitig beenden, um vor Streikbegin in Leipzig zu sein.

Rehfelde

Rehfelde

Nach dem Frühstück ging es erstmal sechs Kilometer über Herrensee nach Rehfelde. Dort gelangte ich zu auf den Europaradweg R1, den ich 2014 auch gefahren bin und folgte diesem die nächsten zehn Kilometer bis Kagel. Dabei ging es über Zinndorf nach Lichtenow. Lichtenow ist ein slawisches Runddorf, welches 1323 erstmals erwähnt wurde. Hier gab es seit 1912 eine Ziegelei deren Turm noch heute weithin sichtbar ist. Dort wohnen heute Fledermäuse.

Ziegelei Lichtenow

Ziegelei Lichtenow

In Kagel biegt der Radweg nach Osten ab und führt nach Kienbaum. An diesem Weg lag einmal das Schloss Kagel, das nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde. Übrig geblieben ist nur ein Wirtschaftsgebäude, welches zu DDR-Zeiten als Kinderferienlager eines VEB diente. Nach der Wende ist alles verfallen. Irgendwie muss dort jemand wohnen, den es stolzierten Vögel durch das Grundstück. Der Garten hätte aber eher Masanobu Fukuoka glücklich gemacht.

Schlösschen Kagel

Schlösschen Kagel

Nun ging es durch die Trebuser Heide nach Kienbaum. Der Ort ist durch das Bundesleistungszentrum Kienbaum bekannt. Das ist Trainingszentrum für Spitzensportler aus den vielen Bereichen, u.a. Leichtathletik, Kanu-Rennsport, Turnen, Judo, Boxen, Radfahren, Triathlon, Bogenschießen, Eislauf Bobsport und Tischtennis. Das Ganze wurde 1952, also in der DDR-Zeit, errichtet, inclusive der Unterdruckkammer zur Simulierung von 4000 Meter Höhe für die Olympiade in Mexico.

Kienbaum

Kienbaum

Sportler waren aber nicht zu sehen, nur Handwerker. Nun ging es ordentlich bergig nach Südosten weiter. Nach Jänickendorf folgte Trebus. Dort wohnt ein lustiger Verein: die IFA-Freunde Trebus. Neben einem DDR-Zeitschriften-Kiosk mit Telefonzelle und einer lustigen „Straße der Besten“, gibt es natürlich sehr viele Fahrzeuge. Leider musste ich weiter, den ich musste den Zug kriegen.

DDR in Trebus

DDR in Trebus

So hetzte ich die letzten Kilometer zum Fürstenwalder Bahnhof, wo ich leider zu spät ankam. Egal, der Zug war auch zu spät und so saß ich dann im Zug nach Berlin. Von dort ging es nach Dessau und weiter nach Leipzig, wo ich zehn Minuten vor Streikbeginn eintraf. An diesem Tag hatte ich vierzig Kilometer mit dem Rad geschafft.

Bahnhof Fürstenwalde

Bahnhof Fürstenwalde

Irgendwann geht es dann mal weiter…

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1 Kommentare.

  1. Ich bin von diesen Reisedaten und Eindrücken begeistert, weil sie die verborgene Geschihte des Landes, in dem ich geboren wurde, zeigt. Die Stille und Weite Brandenburgs mit den Denkmalen (Schwerrpunkt DENK!)vieler Jahrhunderte in einem Reisebericht.

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