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sinwald: sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang (Blick vom Völkerschlachtdenkmal)


So! Nach fünf Stunden “sinwald” bin ich doch etwas geschafft. Deshalb nur ein paar Gedanken zu den drei Events.

Ungemischtes Feuer
Mit Delhia und ihrem “interaktiven Kleid” konnte ich leider nix anfangen. Die Musik von Stockhausen, die ich zum ersten Mal in 4-Kanalton gehört hab, hat doch dadurch nochmal ziemlich gewonnen. Das einige Leute unbedingt zwischendrin gehen mussten – wie vermutlich bei den Aufführungen in den 50/60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts – war nicht wirklich zu verstehen. Heutzutage kann man ja mal googeln was einen erwartet. Störend ist, wenn junge Mütter unbedingt ihre Kleinkinder zu solchen Events schleppen müssen.

83 Meeresdrachen
Volker Staub, den ich bisher noch nicht kannte, war ziemlich interessant. Von reinen Percussion-Stücken, über “Klesmer”-artige Musik bis zu “Kurin” für Akkordeon und Stahlsaite war es doch sehr vielfältig. Staub, der wegen der Muttis und ihrer Kleinkinder, ausdrücklich um Ruhe bat – es wurde ja alles aufgenommen – dürfte dies etwas bereut haben. Das Publikum hat sich kaum getraut zu applaudieren – wenn sie es dann allerdings taten, dann richtig.

Auf dem Weg zum Völkerschlachdenkmal – wegen der namentlichen Voranmeldung hatte ich bis 19.40 Uhr Zeit – hab ich mal bei Subway ein Brötchen mitgenommen und gemütlich am Fuße des Völkis gefuttert.

Tiefseenougat
Zuerst ging es ins Sockelfundament des Völkerschlachtdenkmals wo Volker Hemken “Zimmerrauschen” spielte. Naja, musikalich eher anstrengend und so brüchig wie der Beton, auf dem das 300000-Tonnen-Denkmal ruht. Anschließend ging es in der Krypta weiter mit Nonos Stück für Tuba. Hier wurde zu einer Lichtinstallation von Robert Seidel das musikalische Versprechen erfüllt: Post-Praeludium per Donau hat die Ruhmeshalle zum Klingen gebracht.

sinwald: tiefseenougat

Soundwalk durch das Völkerschlachtdenkmal mit Musik von Luigi Nono und Hannes Seidl:

Volker Hemken

Das Ende der Sinwald-Reise ist das Einsteigen in das Sockelfundament und in die Krypta des Leipziger Völkerschlachtdenkmals. In kleinen geführten Gruppen werden die Expeditionsteilnehmer durch das Innere geführt, welches einen tiefen Eigenklang hat, bestehend aus Luigi Nonos berühmten “Post-Praeludium per Donau” für Tuba und Live- Elektronik, gespielt von Robin Hayward (Kammerensemble Neue Musik Berlin) und der Raumklangkomposition “Zimmerrauschen” von Hannes Seidl, gespielt vom Bassklarinettisten Volker Hemken (Gewandhausorchester).

Krypta

Beide Werke werden unaufhörlich gespielt und schallen durch die Hallen und Gänge des Gebäudes. An unterschiedlichen Punkten des Denkmals werden sie wiedergefunden und transformieren sich dabei zu einem hypnotischen Zustand, einem Eigenklang der Tiefe und diskreten Erhabenheit, die als Gegensatz zum Gebäude wirkt und dieses zugleich in seiner Wirkung noch steigert.

Völkerschlachtdenkmal

Volker Hemken, Hannes Seidl, Robin Hayward, Egor Poliakov
Lichtinstallation: Robert Seidl