Insel und Mauer: Von Usedom nach Leipzig

Die erste Etappe des Tages führte auf dem Radweg Berlin-Usedom von Usedom nach Anklam. Die beiden Fähren in Karnin hatte ich gleich abgeschrieben, da ich pünktlich 11:05 Uhr am Anklamer Bahnhof sein musste. So fuhr ich über Vossberg entlang der Bundesstraße 110 zur Zecheriner Brücke.

Stromleitung

Stromleitung

Unterwegs unterquert man die Stromleitung Anklam-Bansin mit ihren seltsam verspannten Masten. Es ist eine 100-kV-Leitung die bei Karnin den Peenestrom überquert. Die beiden dortigen 85-Meter-Masten und die 780 Meter-Überquerung sind sehr beeindruckend. Mit dieser Leitung wird die Insel Usedom mit Strom versorgt. Nach Kriegende wurde bei Peenemünde eine weitere Leitung über die Peene gebaut, um den Strom des Kraftwerkes der ehemaligen Heeresversuchsanstalt zum Festland zu leiten.

Zecheriner Brücke

Zecheriner Brücke

Die Zecheriner Brücke ist die zweite Brücke zur Insel Usedom. Es ist eine Stahlgitterbrücke mit einem Klappteil. Auch hier gibt es Brückenöffnungszeiten, die ich jedoch nicht in Erfahrung gebracht habe. Auch diese Brücke führt über den Peenestrom, einem der drei Mündungsarme der Oder in die Ostsee. Den Namen hat der Peenestrom von der Peene, die durch Anklam fliesst und bei Nordostwind auch mal die Fliessrichtung wechselt.

Totholz

Totholz

Von der Zecheriner Brücke bis Johannishof führt ein drei Kilometer langer Damm, mit einer recht interessanten Landschaft. So gab es nördlichen ein Totholzwald zu sehen und südlich interessante Wasserpflanzen. Dann ging es über Pinnow, Libnow und Relzow nach Anklam weiter. Dort überquerte ich wieder die Peene.

Anklam

Anklam

In Anklam fand ich den Bahnhof nicht mehr und musste zum Handy greifen, stand dann aber pünktlich am Bahnhof und kaufte ein Quer-durchs-Land-Ticket und ein Fahrrad-Ticket. Im Zug plante ich nochmal um, fuhr nun bis Berlin-Gesundbrunnen, wo ich 13:21 Uhr ankam und die zweite Etappe des Tages begann: der Berliner Mauerweg, Teil2.

Mauerpark

Mauerpark

Vom Bahnhof Gesundbrunnen bin ich gleich auf die Bornholmer Straße und auf den Mauerradweg, der hier gleichzeitig auch der Radweg Berlin-Usedom ist. Sonntagnachmittag. Schönes Wetter. Straßenmusik. Menschenmassen im Mauerpark – ich bekam einen kleinen Zivilisationsschock.

Mauerreste Bernauer Straße

Mauerreste Bernauer Straße

Langsam arbeitete ich mich mit dem Fahrrad durch die Reisegruppen und Menschentrauben. Dann bog ich in die Bernauer Straße ab, wo noch ein Stück der originalen Mauer mit Wachturm zu sehen ist. Der Radweg führt nun – etwas verwinkelt – zur Spree und zum Regierungsviertel.

Reichstag

Reichstag

Ich fuhr am Paul-Löbe-Haus vorbei und machte am Reichstagsgebäude eine kleine Pause. Ich wurde sofort umringt – von Spatzen auf Futtersuche. Vor dem Reichstag gab es wieder viele Menschen und ich beschloss auf der Wilhelmstraße weiterzufahren. So gelangte ich zum Denkmal für die ermordeten Juden in Europa.

Holocaust Mahnmal

Holocaust Mahnmal

Hatte das Holocaust-Mahnmal am Anfang vor allem Akzeptanzprobleme, so sind es heute Risse im Beton, die zu schaffen machen. Einige Stelen müssen nun Stahlmanschetten tragen. „This is a place of no meaning“, sagte Architekt Peter Eisenman. Über die Bedeutung des Potsdamer Platzes – ein paar Meter weiter – kann man sich streiten.

Potsdamer Platz

Potsdamer Platz

Ich hielt auch nur kurz an, um ein Foto zu machen, dann ging es weiter in die Stresemannstraße und die Niederkirchnerstraße. Dort steht auch noch ein Stück Mauer. Allerdings eingezäunt. Die Mauerspechte haben fleißig geknabbert und so sind schon große Löcher im Beton.

Niederkirchnerstraße

Niederkirchnerstraße

Nach Überquerung der Wilhelmstraße folgte die Friedrichstraße mit dem Checkpoint Charlie. Dann ging es weiter, um die Bundesdruckerei herum, zum ehemaligen Übergang Prinzenstraße. Ein paar Meter weiter drehte derweilen Skate-Dog seine Runden. Der kleine Youtube-Star war aber etwas lustlos. Ich auch – etwas zuviel Hauptstadtrummel.

Skate-Dog

Skate-Dog

Weiter über die Köpeniker Straße – da ist der „Tresor“, über die Spree, um das YAMM herum zur Eastside-Gallery. Auch hier stehen inzwischen Zäune und Menschentrauben. Über die Oberbaumbrücke zurück zu anderen Spree-Seite und dann durch Treptow zum Plänterwald und zum ehemaligen Übergang Sonnenallee.

Eastside-Gallery

Eastside-Gallery

Nach der Überquerung des Britzer Zweigkanals wird es sehr ruhig. Zwischen Spreekanal und Autobahn A113 geht es ein paar Kilometer einen breiten Weg entlang. Viel Graffiti: von 1UP bis +-0. Mit einer sehr langen Auffahrt über die Autobahnbrücke zur anderen Kanalseite. Dort, kurz vor der Rudower Höhe, wieder ein Mauerrest und zwei Stelen für Horst Kutscher und Johannes Spreng.

Mauerreste

Mauerreste

Der Mauerweg führt nun weiter an der A113 entlang, die allerdings zweimal unterirdisch verschwindet, nach Schönefeld. Ehemaliger Spionagetunnel. Kinder die Drachen steigen lassen. Ein Imbiss mit dem Namen „Am Ziel“. Bin ich ja fast – Zeit für einen Kaffee.

Am Ziel

Am Ziel

Die letzten Kilometer der Westberlin-Umrundung versinken in Finsternis. Schlagartig wurde es Dunkel. Bis Mahlow wurde es noch einmal richtig anstrengend. Kaum ein Schild ist noch zu erkennen. Ich fahre teilweise Abkürzungen. Endlich angekommen geht es im Eiltempo zu Bahnhof Lichterfelde-Ost.

Rückfahrt

Rückfahrt

Zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges komme ich am Bahnhof an. Der Zug hat aber fünf Minuten Verspätung. Mit dem RE3353 ab 18.50 Uhr nach Wittenberg, dort in die RegioBahn nach Bitterfeld und letztendlich mit der S-Bahn S2 zum Bahnhof Wilhelm-Leuschner-Platz.

Insel und Mauer: Von Wolgast nach Usedom

Eine Klappbrücke gab es in Wolgast schon seit 1934, als die Wolgaster Fähre den Autoverkehr zur Insel nicht mehr bewältigen konnten. Diese wurde zum Kriegsende von der Wehrmacht gesprengt und bis 1950 erneuert. 1996 wurde diese Brücke abgerissen und das heutige „blaue Wunder“ eingeweiht.

Die zwanzigjährige Brücke soll nun eine Schwester erhalten: eine Hochbrücke zur Ortsumgehung ist für die nächsten Jahre geplant. Über die Wolgaster Peenebrücke führt übrigens auch das Gleis der Usedomer Bäder-Bahn, mit der ich im Juni die Brücke überquerte.

Brücke Wolgast

Brücke Wolgast

Diesmal ging es mir dem Fahrrad zurück zur Insel. Die Brücke ist sechsmal am Tag für den Bootsverkehr für fünfzehn Minuten geöffnet. Die Brückenzeiten hatte ich im Hotel erfragt, sonst hätte ich die Brücke vermutlich nicht geöffnet gesehen. Von der Brücke ging es quer über die Insel nach Trassenheide, wo ich nach links in den Wald nach Karlshagen abbog.

Ostsee bei Karlshagen

Ostsee bei Karlshagen

Zwischendurch blieb auch noch Zeit mal an den Strand zu gucken. Nun ist die Ostsee bei 11 Grad nicht gerade badetauglich, aber durch das relativ schöne Wetter waren doch viele Leute spazieren. Für den Tag war wenig Bewölkung angesagt und in der Ferne war sogar die Insel Rügen zu erkennen.

Bunker bei Peenemünde

Bunker bei Peenemünde

In Karlshagen ging es dann Richtung Südwesten, fast bis zum Peenestrom und dann wieder nordwestlich nach Peenemünde. Unterwegs kann man eine eingestürzte Bunkeranlage der Heeresversuchsanstalt ansehen. 2012 war ich die Straße weiter nördlich gefahren, die an den alten Eisenbahnschienen entlang führt. Die Südstrecke war aber landschaftlich interessanter – allerdings gab es starken Westwind. Ich machte viele Fotos.

Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt

Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt

2012 hatte ich das Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt besichtigt. In Peenemünde wurden die A4-Raketen – im Volksmund V2 genannt – und deren Vorgänger entwickelt. Eine Rakete steht dort auch im Garten. Gebaut wurden die Raketen von sowjetischen Krieggefangenen. Spektakulär war eine Flucht von neun Gefangenen mit einem deutschen Flugzeug. Nach einem Beihnaheabschuss durch die sowjetische Luftabwehr wurden sie dann erstmal als deutsche Spione verhaftet…

U-Boot in Peenemünde

U-Boot in Peenemünde

Im Hafen von Peenemünde liegt übrigens ein sowjetisches U-Boot, welches ich ebenfalls schon 2012 besichtigt hatte. Die B-124 (vorher K-24) konnte aufgetaucht vier atomare Marschflugkörper vom Typ SS-N3 starten. Außerdem gab es Torpedo-Abschußrohre. In Dienst gestellt wurde das U-Boot 1965, 1991 wurde es außer Dienst gestellt und 1998 nach Peenemünde gebracht. Seitdem heißt es U-461.

Usedomer Strand

Usedomer Strand

Nun ging es erstmal zurück nach Trassenheide. Diesmal, mit Rückenwind, vermutlich doppelt so schnell. Dort ging es dann auf den Küstenradweg, der nun über die ganze Insel führt, in Richtung Ahlbeck. Zum Mittagessen gab es unterwegs einen Eierkuchen mit Apfelmus, Zucker und Zimt. Sehr viele Buden hatte zu dieser Jahreszeit nicht mehr geöffnet.

Usedomer Strand

Usedomer Strand

Der Küstenradweg führt über Zinnowitz, Zempin, Koserow, Kölpinsee, Ückeritz, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Es ist eine sehr abwechslungsreiche Strecke. Es gab Krüppelkiefern und Buchen, es gab flache Promenaden, Steilküste und 50 Meter hohe Berge und es gab verdammt viele Fußgänger. Ich blieb immer mal stehen, um die teilweise seltsamen Blicke auf die Ostsee zu geniessen.

Ahlbeck

Ahlbeck

Nach Ahlbeck bog ich dann auf dem Radweg Berlin-Usedom nach Süden ab und fuhr über Korswandt nach Garz. Nochmal eine sehr bergige Strecke. Von Garz aus ging es wieder nach Westen, am Flugplatz vorbei nach Zirchow und über Neverow und Bossin nach Dargen. Das dortige DDR-Museum war aber geschlossen, wie auch die ganzen kleinen Gartenkneipen, in denen ich im Juni eingekehrt war.

Dargen

Dargen

Im Jahre 2012 war der Trabbi am Eingang übrigens noch weiß und händisch beschriftet. Nun gibt es einen grünen Schmal-Trabbi. Die letzten zehn Kilometer bis Usedom führten über Stolpe. Dort bekam ich nun endlich mal das Schloss zu Gesicht, das ich aber nur sah, weil ich den Abzweig des Radweges verpasste und die letzten Kilometer auf der Landstraße zurücklegte.

Schloss Stolpe

Schloss Stolpe

In Usedom suchte ich erstmal eine Pension und machte mit zwei Flaschen Fanta die Reiseplanung für den nächtsen Tag, denn eine Inselüberquerung in nur einem Tag hatte ich garnicht geplant.

Insel und Mauer: Von Leipzig nach Wolgast

Der zweite Teil der Radtour, der eigentlich aus der Rückfahrt von Usedom nach Leipzig bestehen sollte, sollte nun erst im Oktober 2016 stattfinden. Auch in meiner Urlaubswoche musste ich die Fahrt nochmal verschieben, so das letztendlich nur vier Tage zur Verfügung standen. Am Freitag, den 28. Oktober, startete ich mit dem RE 18385 nach Falkenberg und nach einer längeren Wartezeit ging es dann mit dem RE 3310 weiter nach Anklam, wo ich dann mit vierzig Minuten Verspätung ankam.

Anklam

Anklam

Eigentlich wollte ich gleich auf die Insel fahren, aber wegen Bauarbeiten ging es nur bis Anklam. Von dort gab es Schienenersatzverkehr mit einem Bus, welcher natürlich keine Fahrräder mitnimmt. So hatte ich schon in Leipzig geplant, gleich nach Wolgast zu radeln, um von dort aus die Insel zu erkunden.

In Anklam hatte ich schon 2012 das Otto-Lilienthal-Museum besucht, am Steintor fuhr ich direkt vorbei und die Peendamm-Mühle sah ich, als ich nördlich, neben der Bundestraße, die Stadt verliess. Dabei überquerte ich die Peene, einem sehr interessanten Fluß – dazu später mehr.

Rubkow

Rubkow

Nach drei Kilometern teilt sich der Radweg. Man kann nach Osten abbiegen und über die Zecheriner Brücke auf die Insel Usedom gelangen. Das ist der Radweg Berlin-Usedom, den ich schon zweimal mit den Anklamer Fähren abgekürzt habe. Oder man fährt weiter nach Norden.

Über Rubkow und Zemitz geht es nach Wolgast – dem Tor zur Insel Usedom. Dort steht die zweite Brücke zur Insel, über die auch die Usedomer Bäder-Bahn fährt. Vor Zemitz gab es viele Umleitungsschilder, aber die Bauarbeiten waren bereits beendet. So gelangte ich relativ schnell nach Wolgast.

Wogast

Peene-Werft Wolgast

In Wolgast wurde es dann dunkel und so beschloss ich in der Stadt zu übernachten. Gegenüber der Peene-Werft kam ich in einem kleinen Hotel unter und so endete der erste Tag mit fünf Stunden Zugfahrt und zwanzig Kilometern auf dem Rad.

All along the watchtower

„There must be some way out of here,“
said the joker to the thief,
„There’s too much confusion,
I can’t get no relief.
Businessmen, they drink my wine,
plowmen dig my earth,
None of them along the line
know what any of it is worth.“

„No reason to get excited,“
the thief, he kindly spoke,
„There are many here among us
who feel that life is but a joke.
But you and I, we’ve been through that,
and this is not our fate,
So let us not talk falsely now,
the hour is getting late.“

All along the watchtower,
princes kept the view
While all the women came and went,
barefoot servants, too.

Outside in the distance
a wildcat did growl,
Two riders were approaching,
the wind began to howl.

(Bob Dylan)

Apocalypse

R.i.p.

Betty

Betty

Mulde-Radweg: Von Nossen nach Grimma

Auch der letzte Tag auf dem Mulderadweg begann etwas beschaulich. Nachdem Frühstück in der Pension ging es gegen 10.00 Uhr auf den Weg durch Nossen. Hier beginnt die Bahnstrecke nach Holzhau (vorher Moldava) die 1873 eröffnet wurde und 1880 nach Riesa erweitert wurde. Bereits seit 1868 gab es die Eisenbahnlinie Borsdorf(Leipzig)-Döbeln-Nossen-Meißen-Coswig(Dresden). 1899 wurde die Schmalspurbahn von Freital über Potschappel nach Nossen verlängert. Vom Bahnnetz ist nicht mehr viel übrig, aber der Ort hat einen Dampflok-Verein mit historischen Fahrzeugen.

Nossen

Nossen

Heute steht Nossen eher für den Autoverkehr: Die BAB A4 führt am Ort vorbei und an einem Autobahndreieck beginnt die A14. Durch Nossen führt die B101, von der die B175 abzweigt. Es gibt leider nur einen Radweg: den Mulderadweg, der nun zur Klosterruine Altzella weiterführt. Das Zisterzienserkloster gab es von 1170 bis 1540. Von 1190 bis 1381 wurden dort die Wettiner verbuddelt.

Klosterruine Altzella

Klosterruine Altzella

Der Radweg führt nun nach Westen. Nach sechs Kilometern, entlang von Mulde und Bahnlinie Borsdorf-Coswig, kommt man nach Roßwein. Der ort machte einen eher langweiligen Eindruck. Interessant fand ich den Freifallturm. Das ist ein Versuchsturm des Mitteldeutschen Fachzentrums Metall und Technik für Aufzugstechnik. Es wird geschult wie Aufzugstüren, Seile, Antriebsaggregate und Sicherheitskomponenten montiert, eingestellt und gewartet werden. Darüber hinaus können Sicherheitstrainings gefahrlos realisiert werden.

Roßwein

Roßwein

Bereits im 8. Jahrhundert war Döbeln von Slawen, ab dem 10. Jahrhundert von den Ottonen besiedelt. Die Siedlung entstand geschützt auf einem Werder. Die Muldeninsel ist 17 Hektar groß und bildet auch heute noch das Stadtzentrum. Das heutige Rathaus wurde 1912 im Neorenaissancestil erbaut. Die Leitung des Baus hatte der Leipziger Architekten Hugo Georg Licht, der in Leipzig den Bau des Neuen Rathauses leitete.

Döbeln

Rathaus Döbeln

Eine recht unlustige Sache war der Bierzwang. Fast alle Dörfer im Umkreis einer Meile mußte ihre alkoholischen Getränke in Döbeln kaufen. So brauten die Döbelner bis zu 1300 Faß Bier im Jahr. 1720 wurde der Bierzwang gelockert und seit 2015 darf man auf den Klosterwiesen keinen Alkohol mehr trinken. Es geht voran.

Durch die Klosterwiesen führt auch der Mulde-Radweg. Die Wiesen wurden von einem Benediktinerinnenklosters, später vom Militär genutzt. Nach dem Jahrhunderthochwasser wurde alles eine Parkanlage. Der ehemalige Schießstand kann nun fürs bouldern genutzt werden. Außerdem wurde eine 400 Meter lange MTB-STrecke eingerichtet.

Döbeln

Döbeln

Ein paar Kilometer nach Döbeln mündet die Zschopau in die Freiberger Mulde. Der Fluß entspringt am Nordhang des Fichtelberges und bringt hier sehr viel Wasser in die Mulde ein. Der Fluß ist durch die Kriebstein-Talsperre und die Bankrottmeile bekannt. Auf der Bankrottmeile mussten sechs Viadukte gebaut werden, die Eisenbahngesellschaft wurde zahlungsunfähig und dann verstaatlicht.

Zschopau-Mündung

Zschopau-Mündung

Leisnig kennt man eigentlich nur durch die Burg Mildenstein, die auf einem Sporn oberhalb der Freiberger Mulde liegt. Weil die früher ziemlich faul waren, wurde Menschen und Wasser per Esel auf die hohe Burg befördert. Der Eselbrunnen existiert sogar noch. Mein Drahtesel hat sich heweigert den Berg zu erklimmen. In Leisnig gibt es hervorragenden Kuchen, den ich aber erst drei Kilometer weiter, in Polditz, gegessen habe.

Burg Mildenstein

Burg Mildenstein

Auf der folgenden Strecke machen Mulde, Radweg und Bahnlinie einen nördlichen Bogen um den Rosenberg. Beim Jahrhunderthochwasser von 2002 wurden bei Tanndorf 500 Meter Bahndamm völlig zerstört. Erst nach zwei Jahren konnte die Strecke wieder durchgehend befahren werden. Die Reparatur kostete 45 Millionen Euro. Auch viele Häuser wurden zerstört und mussten wieder aufgebaut werden. In Marschwitz war eines dieser Häuser zu sehen. Sehr gelungen.

Marschwitz

Marschwitz

Danach folgt der 2010 fertiggestellte Solarpark Bockelwitz II im Gewerbegebiet von Marschwitz. Auf einer Fläche von 5,3 ha hat die Kirchner Solar Group GmbH 10.604 kristalline YL230P-29b von Yingli Solar auf Nachführsystemen mit einer Leistung von 2438 kWp installiert. Im Solarpark Bockelwitz I, ein Stück weiter, hat Wagner Solartechnik GmbH 24.428 kristalline His-M206SF von Hyundai Heavy Industries auf 13,3 ha mit einer Leistung von 4700 kWp aufgestellt.

Solarpark Bockelwitz II

Solarpark Bockelwitz II

Am Schloss Podelwitz vorbei ging es dann in Richtung Sermuth. Allerdings gab es eine Umleitung und ich fuhr an der Muldevereinigung vorbei. Da ich dort schon entlang kam, war das nicht weiter tragisch. Die folgenden zehn Kilometer war ich ja bereits gefahren. In Grimma bin ich dann die letzten zwei Kilometer gemütlich gelaufen. Am Bahnhof gab es einen großen Kaffee.

Schloss Podelwitz

Schloss Podelwitz

Die Heimfahrt erfolgte mit der RegioBahn 26383 die über Borsdorf in einer halben Stunde den Leipziger Hauptbahnhof erreichte. Wenigstens dieser Teil der Bahnstrecke Borsdorf-Coswig ist noch in Betrieb und, so voll wie der Zug war, wird dies auch so bleiben. Dann fuhr ich noch mit der S-Bahn zum Wilhelm-Leuschner-Platz. Vier-Zonen-Ticket für 5.80 Euro.

Grimma

Grimma

Den ursprünglichen Plan, eventuell von Grimma aus, auf dem Parthe-Radweg nach Leipzig zu fahren, habe ich wegen Zeitmangel aufgegeben. Außerdem bin ich diese Strecke von Leipzig aus bereits gefahren.

Mulde-Radweg: Von Holzhau nach Nossen

Den zweite Teil des Mulde-Radweges befuhr ich ab dem 19. April 2016. Vom Wilhelm-Leuschner-Platz ging es mit der S-Bahn 5X nach Zwickau. Von dort mit dem RegioExpress 4787 nach Freiberg. Zuletzt ging es auf der Bahnstrecke Nossen-Moldava bis nach Holzhau. Seit 1972 endet die Bahnstrecke in dem kleinen Ort, seit 2000 wird die Strecke von der Freiberger Eisenbahngesellschaft betrieben.

Holzhau

Holzhau

Die FEG (Rhenus Veniro GmbH & Co. KG und verschiedene Busunternehmen) fährt mit drei Stadler RegioShuttle RS1. Das Unternehmen schaffte es, die Strecke mit 15 Millionen Euro zu sanieren und damit die ursprüngliche Fahrzeit um ein Drittel zu senken. Wegen dem Sachsen-Ticket fuhr ich erst 9.42 Uhr los und war daher auch erst 13.20 Uhr in Holzhau. Es war eher kalt, ein kühler Wind wehte durch das Muldetal.

Mulde

Mulde

Die Freiberger Mulde entspringt fünf Kilometer weiter in Tschechien, in Holzhau ist bereits ein ordentlich breiter Bach zu sehen. Wie der Name vermuten lässt, lebte man hier von der Forstwirtschaft. Das Holz wurde dann auf der Mulde bis nach Freiberg geflösst. Heute lebt man eher vom Wintersport, der Skilift hat sogar einen eigenen Bahn-Haltepunkt.

Rechenberg

Rechenberg

Einen Radweg gibt es übrigens nicht, man fährt einfach auf der Landstraße. Auch eine Beschilderung ist nicht vorhanden. Man fährt einfach entlang der Bahnstrecke und der Mulde nach Rechenberg-Bienenmühle und weiter nach Mulda. Dort zweigte früher eine Schmalspurbahn nach Sayda ab. Die Schmalspurbahn Mulda–Sayda gab es von 1897 bis 1966, in Mulda fährt man an den Resten der Talbrücke vorbei.

Schmalspurbahn Mulda-Sayda

Schmalspurbahn Mulda-Sayda

Nach vier Kilometern kommt man nach Weigmannsdorf. Hier mündet die Gimmlitz in die Mulde. Der 25 Kilometer lange Fluß entspringt bei Holzhau. Im Gimmlitz-Tal liegt Lichtenberg. Der Ort wurde zur Jahrhundertflut 2002 vorsichtshalber evakuiert, weil man nicht sicher war, ob die Talsperre Lichtenberg am Burgberg dem Druck der Gimmlitz standhält. Nach weiteren vier Kilometern ist man in Weißenborn.

Weigmannsdorf

Weigmannsdorf / Lichtenberg

Weißenborn hat eine Bergbauvergangenheit bis 1852, Uran hat man glücklicherweise nicht gefunden, dafür gibt es seit 1871 eine Papierfabrik. Die Fabrik gehört heute zur Felix Schoeller Gruppe und stellt Spezialpapiere her. Eine weiteres Werk des Unternehmens befindet sich in Penig an der Zwickauer Mulde. Der folgende Weg durch den Wald ist sehr schön gemacht – Holztafeln erklären Geschichtliches.

Weißenborn

Weißenborn

Zwischen Rosine und Rosinen ging es dann nach Freiberg. Hier gibt es Schloss Freudenstein mit einer erschlagenden Mineraliensammlung, einen schönen Dom, ein Besucherbergwerk und vieles mehr. Freiberg hab ich schon zweimal besucht, so das ich an diesem Tag die Stadt nur durchquerte. Ich macht eine kleine Laufpause und schob das Fahrrad die Straße nach Halsbrücke hinauf, dann ging es in einer rasanten Fahrt bergab nach Tuttendorf.

Freiberg

Freiberg

Dann ging es wieder idyllisch an der Mulde entlang. Zwischen dem Churprinz Friedrich August Erbstollen und der Hütte in Halsbrücke wurde 1789 der Churprinzer Bergwerkskanal angelegt, um das Silbererz mit Kähnen zu transportieren. Dort steht auch das vermutlich älteste Schiffshebewerk der Welt: das Kahnhebehaus. Die Kähne konnten vom Kanal zur Mulde umgehoben werden. Durch die Regulierung der Mulde steht die Anlage inzwischen auf dem Trockenen.

Kahnhebehaus

Kahnhebehaus

Nach Halsbrücke bin ich dann die Straße bergauf in Richtung Teichhäuser. Dort liegt der Windpark Rothenfurth/Halsbrücke mit sieben Windrädern vom Typ Enercon E-66 und Enercon E-82. Hier soll es mal einen Ausbau auf bis zu 20 Windräder geben. Die Anwohner sind nicht sonderlich begeistert. Im nachfolgenden Bieberstein sind mir leider die auf der Karte vermerkten Schlösser entgangen.

Bergauf

Bergauf zum Windpark

Nach einer erneuten Muldeüberquerung geht es auf der linken Seite zur BAB A4. 1936 wurde dort die größte Autobahnbrücke Deutschlands gebaut. Sie ist 72 Meter hoch und 403 Meter lang. Mit den Pfeilern hatte man wegen alten Bergbaus einige Schwierigkeiten. Zwischen 1994 und 1997 wurde die Brücke auf 6 Fahr- und 2 Standstreifen erweitert. Die alten Pfeiler wurden weiter verwendet. Ob man für einen Radweg auch so einen Aufwand treiben würde?

BAB A4

BAB A4

Nach zwei Kilometer kam ich dann in Nossen an. Mit einem Blick auf das Schloss Nossen wird der Radtourist hier empfangen. Den Plan bis Döbeln zu fahren gab ich auf und fragte in einer Pension nach einem Zimmer. Mit 48 Euro die teureste Pension die ich je hatte, dafür vier Betten in drei schmucken Zimmern, zwei Fernseher und eine Küche mit Vollausstattung. Abendbrot und Frühstück kaufte ich nebenan bei ALDI.

Nossen

Nossen

Mulde-Radweg: Von Löbnitz nach Dessau

Der letzte Tag dieser Reise begann mit einem Blick aus dem Fenster der Pension über das ruhige Löbnitz. Nach dem Frühstück ging es weiter nach Pouch. Diese Strecke bin ich schon sehr oft gefahren, aber immer über die Landstraße. Bis auf 2013, wo das Hochwasser die Landstraße auf hundert Meter in den See gespühlt hatte. Diesmal ging es am Mulde-Damm weiter.

Muldestausee

Muldestausee Muldenstein

Östlich von Bitterfeld, im Flußgebiet der Mulde, wurde in der Vergangenheit Braunkohle im Tagebau abgebaut. Der Muldestausee ist eine dieser Gruben. Die Mulde wurde dafür extra umgeleitet. Nachdem man in Pouch über eine große Brücke die Mulde überquert, geht es an der nordöstlichen Seite des Stausees durch den Wald. Bei Schlaitz gibt es dann einen Campingplatz, Gastronomie und das Haus am See.

Justin

Justin

Auf den folgenden Kilometern konnte man Spuren von Biebern finden, die im Wassergraben neben dem Radweg ihre Burgen bauten. Schließlich endete die Seeumrundung am Wehr in Muldenstein. Der Radweg führte nun nach Süden über Friedersdorf zum Goitzschesee. Auch an diesem Tagebaurestloch gibt es einen asphaltierten Rundweg und einen Pegelturm.

Goitzschesee

Goitzschesee

Ein Stück weiter wird der Rundweg zur „Bitterfelder Wasserfront“. Wobei das Schönste daran die Liebesbeteuerungen eines Bitterfelder Jungen an seine Ex sind – auf einen Kilometer mit Spray auf den Asphalt gemalt. Der Radweg war nun völlig falsch ausgeschildert und führte weiter nach Süden um den See herum. Irgendwann war es mir zu weit und ich fuhr ein Stück zurück.

Bitterfeld/Wolfen

Bitterfeld/Wolfen

In Bitterfeld kaufte ich bei ALDI das Mittagessen und wurschtelte mich mit Handy-Navigation nach Greppin und Wolfen durch. Den im Plan eingezeichneten Radwegverlauf habe ich nicht gefunden. Es könnte sein, dass beim letzten großen Hochwasser 2013 einige Änderungen eingetreten sind. Kurz vor Steinfurth traf ich dann auf die Fuhne.

Fuhne

Fuhne

Die Fuhne ist ein seltsamer Bach. an der Quelle in Löberitz teilt sich die Bach in zwei Bäche. Einer fliesst nach Westen und mündet bei Bernburg in die Saale. Dort bin ich schon auf dem Europa-Radweg R1 an der Fuhne entlang gefahren (siehe Kreuzfahrt 2014). Diesmal war ich am zweiten Bach der nach Osten ins Spittelwasser (und damit in die Mulde) fliesst. Am Ufer der Fuhne gab es Käsebrötchen mit Sprite.

Irrgarten Altjeßnitz

Irrgarten Altjeßnitz

Nach der Muldeüberquerung bei Jeßnitz, es gibt sogar eine große Muldeinsel, führt der Radweg nach Altjeßnitz. Dort ist der berühmte Irrgarten im Park des Altjeßnitzer Schlosses. Wann genau der Hecken-Irrgarten aus Hainbuchen errichtet wurde ist nicht bekannt, das Schloss stammt von 1699. Die letzten 15 Kilometer führten über Retzau und Kleutsch nach Dessau. Durch Dessau bin ich bereits auf dem Elberadweg und dem Europaradweg R1 gefahren.

Dessau

Dessau

Mit der RegioBahn ging es für 12.30 Euro zum Leipziger Hauptbahnhof und dann mit der nächsten S-Bahn zum Wilhelm-Leuschner-Platz.

Mulde-Radweg: Von Wurzen nach Löbnitz

Am Morgen lies ich es gemütlich angehen und kam erst zum Mittag zurück zum S-Bahnhof Wilhelm-Leuschner-Platz. Die Fahrt endete aber in Borsdorf, denn die komplette Strecke nach Wurzen war gesperrt. In Borsdorf kaufte ich ein Rätselheft und bekam von der netten Frau noch einen Kuli geschenkt. Nach einer Stunde Wartezeit ging es dann weiter nach Wurzen, wo ich gegen 13.00 Uhr ankam.

Wurzen

Wurzen

Nun ging es auf der Alternativroute nach Norden, vorbei an der Stadtkirche St. Wenceslai. Vorgängerbauten lassen sich bis ins Jahr 961 nachweisen, das heutige Erscheinungsbild ist von 1673. Dann führt der Radweg weiter zur Krietschmühle. Die beiden Mühlentürme der Krietschmühle wurden vom Leipziger Architekten Friedrich Julius Max Fricke entworfenen. Sie wurden 1920/1925 gebaute und sind 65/67 Meter hoch.

Wurzen

Wurzen

Heutiger Eigentümer der Krietschmühle ist die Wurzener Nahrungsmittel GmbH, die zur Getreide AG gehört. Hergestellt werden Mühlenprodukte, Snacks, Cerealien und Convenience-Produkte. Ich fuhr weiter, an der Landstraße entlang, nach Norden. Bei Canitz gibt es einen Park, in dem man Natur und Geschichte erleben kann. Leider erst ab 23. April geöffnet. So fuhr ich weiter nach Wasewitz.

Wasewitz

Wasewitz

Wasewitz hat eine Wehrkirche. Da haben sich die Leute eingeschlossen, wenn es draussen eng wurde. Interessant macht die Kirche vor allem ihr runder Turm. Ich kann mich nicht erinnern, in Deutschland mal einen runden Kirchturm gesehen zu haben, wenn man von der Rundkuppel der Frauenkirche in Dresden mal absieht. Weiter übers Land nach Eilenburg. Eilenburg empfängt die Radtouristen mit einem eher seltsamen Bild.

Eilenburg

Eilenburg

Kontrastprogramm mit dem ECW (Eilenburger Chemiewerk). 1885 wurde das ECW vom Leipziger Ernst Mey gegründet. Das ist derselbe Mey, der unter Mey & Edlich das erste deutsche Versandhaus in Leipzig-Plagwitz betrieb. Zwischen dem neu angetrichenen alten Wasserturm und neu genutzten Farikhallen, bröckelt das unter Denkmalschutz stehende alte ECW-Verwaltungesgebäude vor sich hin.

Fähre Gruna

Fähre Gruna

Bei LIDL habe ich dann fürs Vesper eingekauft und durch Eilenburg-Ost ging es dann an der Landstraße nach Norden. Die richtige Abfahrt habe ich verpasst. So fuhr ich einen Kilometer weiter nördlich nach Mörtitz und weitere fünf Kilometer nach Gruna. Dort musste man nach der Fährfrau klingeln und für 1.50 Euro ging es mit der Seilfähre auf die andere Seite der Mulde.

Bad Düben

Bad Düben

Nach weiteren acht Kilometern kam ich nach Bad Düben und beschloss zu übernachten. Da das erste Hotel gleich ausgebucht war, fuhr ich dann noch weitere zehn Kilometer hinter dem Mulde-Damm, bis der Radweg gesperrt war. Da wurde ein neuer Polder gebaut. Kleiner Umweg quer durch die Baustelle nach Löbnitz. Dort war die Straße aufgerissen, aber ich fand eine kleine Pension, wo ich für 41 Euro die Nacht verbrachte.

Polderbau Löbnitz

Polderbau Löbnitz