Lutherweg: Von Eilenburg nach Torgau

Von Eilenburg nach Torgau (14. Juni 2017)

Am 14. Juni ging es nun mit der S-Bahn zurück nach Eilenburg. Die „Stigmata“ hatte ich mit Pflastern zugeklebt und alte eingelatschte Adidas Samba angezogen. Halb Eins stand ich vor dem Bahnhof und radelte erstmal zurück zum Lutherweg.

Eilenburg

Eilenburg

Luther war auf seinen Reisen nach Leipzig, 1519 zur Leipziger Disputation und 1539 zur Reformationseinführung, über Eilenburg angereist. Er predigte auch mehrfach in Eilenburg. Durch Eilenburg führt, auf der Via Regia, auch ein Jakobsweg, der aber nicht ausgeschildert ist. Die Via Regia nannte man zu Luthers Zeiten „Hohe Landstraße“.

Mäusebussard

Mäusebussard

Nach Eilenburg führt der Lutherweg erstmal in den Wald. Ein Umweg der sich aber lohnte: ein Mäusebussard lies sich beim Chillen fotografieren. Ein Stück weiter, in Hainichen, hat eine Weißstorch-Familie ihr Nest. Sie kamen über die Balkanroute und dem Nahen Osten aus Afrika. In Deutschland betreiben sie eine eigene Gaststätte unterhalb ihres Nestes.

Weißstorch

Weißstorch

Kurz vor Hohenprießnitz steigt man dann auf einem sehr schmalen Weg zur Mulde hinunter. Ich konnte kaum neben dem Fahrrad laufen. Noch ein paar Meter durch die Brennnesseln und man steht an der Mulde-Fähre, die nach dem gegenüberliegenden Ort Gruna benannt ist. Der Lutherweg bleibt auf der linken Muldeseite und führt nun am Schloß Hohenprießnitz und dem Park Hohenprießnitz vorbei. Das Schloss wurde ab 1699 vom Schlossbaumeister Hermann Korb errichtet.

Schloss Hohenprießnitz

Schloss Hohenprießnitz

Ich radelte gemütlich weiter durch Hohenprießnitz, Brösen, Badrina und Reibitz nach Löbnitz. Übrigens ist 2017 nicht nur der 500. Jahrestag der Reformation, sondern auch der 200. Jahrestag der Fahrraderfindung. 1817 erfand der Forstbeamte Karl Drais sein Laufrad. Daraus wurde dann im Laufe der Zeit das Fahrrad.

Rostiger Radfahrer

Rostiger Radfahrer

Dazu gibt es übrigens die sogenannte Tambora-Legende: 1815 brach in Südostasien der Vulkan Tambora aus. Dadurch verdunkelte sich der Himmel in Europa, führte zu Hafer-Missernten und die Menschen konnten sich kein Pferdefutter mehr leisten. Dadurch kam Drais auf die Idee, ein muskelkraftbetriebenes Fortbewegungsmittel zu erschaffen.

Kirche Löbnitz

Kirche Löbnitz

In Löbnitz kaufte ich in der Landfleischerei Wiener Würstchen. Luther war mehrfach zu Gast beim Löbnitzer Kirchenpatron Ernst von Schönfeldt. Seine Frau war aus dem Kloster in Nimbschen geflüchtet und kannte Katharina von Bora, die Frau von Luther. Der Lutherweg führt nun am Flughafen vorbeit zurück zum Wald und dann wieder nach Osten zum Wasserschloss Schnaditz.

Wasserschloss Schnaditz

Wasserschloss Schnaditz

Zu Zeiten von Martin Luther hat der Schlossherr, Gunther von Zaschnitz, im Nachbarort Wellaune dem Händler Kohlhaase ein paar Pferde gestohlen. Heinrich von Kleist hat in „Michael Kohlhaas“ die Geschichte vor dem Vergessen gerettet. Hinter der Tür mit den beiden Sichtschlitzen war emsiges Treiben zu vernehmen.

Vielleicht wird das Wasserschloss ja doch noch gerettet. Gerettet haben sich, ein Stück weiter, ein paar Gänse, die durch eine gemeinsame Kraftanstrengung, aus ihrem Gehege flüchteten. Der Lutherweg führte nun auf dem Mulderadweg nach Bad Düben. Die Strecke war ich schon einmal anders herum gefahren.

Gänse auf Abwegen

Gänse auf Abwegen

Den Muldeübergang bei Düben hat Luther auf dem Weg von und nach dem Süden mehrfach benutzt. Heute steht dort eine blaue Brücke mit beidseitigem Radweg. Ein fast 500jähriger Baum, Lutherlinde genannt, wurde leider 1964 ein Raub der Flammen. Auf der Burg, die ein paar Jahre vor Luthers Geburt vollständig zerstört wurde, wurde der Rechtsstreit von Kohlhaase verhandelt.

Bad Düben

Bad Düben

Von Bad Düben bis Torgau führt der Torgische Weg. Der Radverbindung zwischen Mulderadweg und Elberadweg ist 40 Kilometer lang und nicht wirklich in Brandenburg-Qualität. Inzwischen war es leider schon 18.00 Uhr. Ich radelte also etwas schneller. Dafür dass ich erst Mittag gestartet war, lag ich aber gut in der Zeit.

Ev. Pfarrkirche Authausen

Ev. Pfarrkirche Authausen

Nächster Ort war dann Authausen. Dort gibt es eine schöne Feldsteinkirche, deren romanischer Ursprung (vermutlich im 12. oder 13. Jahrhundert erbaut) noch erkennbar ist. Die Wegbeschilderung war dafür nicht immer erkennbar und so musste ich doch noch mal das Handy anschalten.

Torgischer Weg

Torgischer Weg

Das nächste Highlight auf dem Torgischen Weg ist zweifellos der 1957 errichtete Funkturm in Roitzsch. Der Funkturm, eines der höchsten Gebäude weit und breit, war früher Teil der Richtfunkstrecke Südwestring – und wohl für Fernsehübertragungen gedacht.

Funkturm Roitzsch

Funkturm Roitzsch

Etwas kleiner ist die Pfarrkirche Roitzsch, dafür stand sie bereits zu Luthers Zeiten (erbaut im frühen 13. Jahrhundert). Im Ort verpasste ich den richtigen Abzweig und musste wieder das Handy auspacken. Ich beschloss dann einfach die Torgauer Straße weiterzufahren und sparte so zwei Kilometer ein.

Ev. Pfarrkirche Roitzsch

Ev. Pfarrkirche Roitzsch

Diese Straße ging immer geradeaus, war dafür etwas holperig. Schließlich gelangte ich nach Süptitz, wo eine Entenfamilie gegeseitige Federpflege betrieb. Die liessen sich auch von durchreisenden Radfahrern nicht stören. Luther besuchte 1535 die Kirche Süptitz auf der Durchreise.

Enten Süptitz

Enten Süptitz

Im nachfolgenden Zinna gibt es auch eine Kirche, die aber zu Luthers Zeiten noch nicht stand, da der kleine Ort mit seiner Kirche im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Entlang der Bundestraße fährt man nun nach Torgau. Dort gibt es das Fort Zinna mit einer langen Geschichte: Wehrmachtgefängnis, sowjetische Speziallager und heute Justizvollzugsanstalt.

Kirche Zinna

Kirche Zinna

Auf der Dommitzscher Straße ging es direkt zum Bahnhof, leider stand ich auf der falschen Seite und kam nicht über die Gleise. Nach einem kleinen Umweg, war ich dann am Bahnhof und fuhr mit der S-Bahn wieder nachhause. Die Tagesetappe hatte ungefähr hundert Kilometer.

Dommitzscher Straße Torgau

Dommitzscher Straße Torgau

Lutherweg: Von Leipzig nach Eilenburg

Von Leipzig nach Eilenburg (11. Juni 2017)

In Leipzig fand die „Leipziger Disputation“ statt – ein Streitgespräch zwischen Vertretern der katholischen Lehre (u.a. Johannes Eck) und der reformatorischen Lehre (u.a. Martin Luther). Getroffen hatte man sich im Pleißenschloss, das Markgraf Dietrich gebaute hatte. Übrigens haben ihn die Leipziger dafür vergiften lassen.

Neues Rathaus

Neues Rathaus

Die Disputation führte zur endgültigen Spaltung. Zwanzig Jahre später hielt Luther in der Schloßkapelle die erste evangelische Predigt. Nochmal neun Jahre später wurde das Schloss abgerissen und die Pleißenburg errichtet. Nach weiteren hundert Jahren (und einem dreißigjährigen Krieg) wurde das Gebäude Chemie-Labor und Sternwarte. Dann wurde auch die Pleißenburg abgerissen und an deren Stelle das Neue Rathaus gebaut.

Thomaskirche

Thomaskirche

Zu Pfingsten 1539 predigte Martin Luther in der Leipziger Thomaskirche. Dafür hat er ein buntes Fenster bekommen, wo er mit Kurfürst Friedrich dem Weisen von Sachsen und Philipp Melanchthon dargestellt ist. Am Denkmal eines Chorleiters vorbei, führt der Lutherweg nun zum Leipziger Marktplatz, wo ihm zu Ehren ein Fest gefeiert wurde. „Sing Ye Praises to Our King“ von Aaron Copland, gesungen vom Bach Choir Houston.

Martinskirche

Martinskirche

Natürlich findet auch das Bachfest im Zeichen der Reformation statt. Nun ging es weiter, an Nikolaikirche und Oper vorbei nach Norden entlang der Parthe aus der Stadt. In Plaußig treffen sich der Äußere Grüne Ring, der Parthe-Mulde-Radweg und die Via Imperii. Luther ist hier auf jeden Fall durchgekommen. Die Kirche stand damals aber noch nicht.

Seegeritzer Pappel

Seegeritzer Pappel

Der Lutherweg führt nun immer nach Nordosten. Der nächste Ort ist Seegeritz. Der Ort ist für seine Pappeln berühmt, der Fußballverein trainierte sogar in der „Pappelarena“ bzw. dem „Ernst-Pappel-Stadion“. Ein Großteil der Pappeln von 1949 musste leider in den letzten Jahren gefällt werden.

Am Wegesrand

Am Wegesrand

Mal laufen, mal radfahren – viel Sonne. Da in Leipzig eine Beschilderung des Lutherweges nicht vorhanden ist, freute es mich um so mehr, nun einen gut ausgezeichneten Weg vorzufinden. Kurz nach Jesewitz verfehlte ich aber trotzdem den richtigen Weg und landete stattdessen in einer Kirschbaumallee. Hier stellte ich fest, daß ich etwas hungrig war.

Kirschen

Kirschen

Nun ging es noch mit der Handy-Navigation zum Eilenburger Bahnhof und dann mit der S-Bahn zurück nach Leipzig. Leider hatte ich mir mit den neuen Schuhen ein paar ordentliche Blasen gelaufen, die ich liebevoll „Stigmata“ taufte. Dadurch verzögerte sich die Fortsetzung der Luther-Radwanderung um einen Extra-Tag.

Eilenburg

Eilenburg

Elster-Saale-Dreieck

Eine kleine Fahrradtour von Leipzig aus, startete ich am 24. Mai 2017. Es sollte über den Elster-Saale-Radweg zur Saale gehen, dann die Saale entlang nach Halle und von dort an der Elster entlang zurück nach Leipzig. Ich fuhr erst gegen Mittag los und zuerst ging es über die neuen Antonienbrücken, die Dezember 2016 eröffnet wurden, in den Stadtteil Grünau.

Antonienbrücken Leipzig

Antonienbrücken Leipzig

Dann fuhr ich an der S-Bahn entlang durch Grünau und dann weiter nach Lausen. Der Radweg auf der alten Bahnstrecke Leipzig-Pörsten beginnt etwas versteckt. Man hat hier einfach den alten Schotter asphaltiert. Dieser Streckenabschnitt der Bahnlinie wurde am 1. September 1897 von der Preußisch-Hessischen Staats-Eisenbahn eröffnet und führt erstmal nach Lützen.

Elster-Saale-Radweg

Elster-Saale-Radweg

Man kann zum Teil noch die alten Haltepunkte erkennen Göhrenz-Albersdorf, Kulkwitz-Süd in Seebenisch, Schkölen-Räpitz und Meuchen. Man überquert die Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt. In Lützen könnte man sich die Gustav-Adolf-Gedenkstätte ansehen. Dort endet der Radweg und führt über Straßen mit Kopfsteinplaster zu einem straßenbegleitenden Radweg an der Bundesstraße B87, wo es nach Röcken weitergeht.

Röcken

Röcken

In Röcken kann man die Friedrich-Nietzsche-Gedenkstätte angucken. Der Philosoph und Schriftsteller ist in Röcken geboren und auch beerdigt. Am Grab steht das „Röckener Bacchanal“, welches einen Traum von Nietzsche darstellt. Nietzsche ist dort dreimal zu sehen, zweimal nackt und einmal mit seiner Mutter.

Autobahn A9 bei Rippach

Autobahn A9 bei Rippach

Inwischen fährt man entlang der Landstraße L188 und kann gleich nach Röcken eine alte Kieswasch- und Kohlebeschickungsanlage von einem alten Tagebau sehen. Dann beginnt ein kleines Autobahn-Spielchen. Zuerst fährt man unter der Autobahn A38 hindurch. Ungefähr einen Kilometer weiter, in Rippach, biegt man nach rechts auf den Heerweg.

Autobahn A 38 bei Oeglitzsch

Autobahn A 38 bei Oeglitzsch

Dort geht es über die Autobahn A9 – mit einem Blick auf das Autobahnkreuz Rippachtal von den Autobahnen A9 und A38. Dann geht es rasant abwärts ins Saaletal nach Dehlitz. Dort biegt man nochmal nach rechts ab, auf die Bad-Dürrenberger-Straße, die nun bergauf nach Norden führt.

Kleinkorbetha

Kleinkorbetha

Allerdings geht es auch gleich wieder bergab, unter der Saalebrücke der A38 hindurch nach Oeglitzsch und dann weiter nach Kleinkorbetha. Hier trifft man auf den Saale-Radweg. Auf der anderen Flußseite ist Großkorbetha. Im Jahr 1856 eröffente die Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft die Bahnlinie Leipzig-Markranstädt-Dürrenberg-Großkorbetha.

Saale

Saale

Nun geht es durch Goddula weiter nach Bad Dürrenberg. Schon als Schüler bin ich hier mit dem Fahrrad gewesen und habe mir das Gradierwerk angesehen. In Bad Dürrenberg steht das größtes zusammenhängendes Gradierwerk Deutschlands (heute 636 Meter und früher 1821 Meter lang). Gefördert wurde die Sole mit Pumpen im Witzlebenturm, an dem man direkt vorbeifährt.

Bad Dürrenberg

Witzlebenturm in Bad Dürrenberg

Nun geht es auf der linken Seite der Saale weiter. Rechts liegt übrigens Wölkau, wo der in Leipzig beginnende und in Günthersdorf endende Saale-Elster-Kanal in die Saale münden sollte, wenn die letzten 6 Kilometer nicht fehlen würden. Der Radweg führt nun mit einer kleinen Steigung nach Leuna.

Merseburg

Stadtkirche St. Maximi Merseburg

Nach der Chemie-Stadt geht es weiter nach Merseburg. Der Radweg führt gut ausgeschildert, an der Stadtkirche St. Maximi vorbei, durch die kleine Stadt und dann am Flußufer weiter nach Schkopau. In Merseburg führt der der Ökumenische Pilgerweg der Via Regia über Horburg nach Leipzig.

Eisenbahnbrücke bei Schkopau

Eisenbahnbrücke bei Schkopau

Ich fuhr jedoch weiter bis Schkopau, wo der Radweg auf einer Eisenbahnbrücke die Saale überquert. Der Saale-Radweg unterquert nun die Eisenbahn und führt weiter nach Halle. ich fuhr aber nach links in das Dorf Kollenbey. Dort gibt es eine Kirche mit einem interessanten Tatzenkreuz. Am Ende des Dorfes führt ein kleiner Weg zur Landstraße L183.

Kirche Kollenbey

Kirche Kollenbey

Auf der viel befahrenen Straße gelangt man nach Burgliebenau, wo man sich über einen straßenbegleitenden Fuß- und Radweg freuen würde. Auf dem Weg nach Lochau überquert man die Weiße Elster und gelangt auf den Elster-Radweg, der nun wieder nach Leipzig führt, aber auch sehr langweilig ist.

Elsterbrücke bei Lochau

Elster bei Lochau

Nicht so tragisch, ich fuhr ziemlich schnell, denn ich hatte nun Rückenwind. Unterwegs überholte mich aber noch ein gelbes vollverkleidetes Liegerad. Das Wetter hatte den ganzen Tag gut mitgespielt. Es war eher kühl und die dunklen Regenwolken, sind an mir vorbeigezogen.

Elsterradweg Leipzig

Elsterradweg Leipzig

Man gelangt wieder nach Sachsen und unterquert zum vierten Mal eine Autobahn, es ist wieder die Autobahn A9. Dort bei Schkeuditz fährt man ein Stück durch den Wald und dann entlang der Neuen Luppe – einem eingedeichten Hochflutbett der Elster. Dann kommt man zum Leipziger Auensee, zur Arena Leipzig, zum Richard-Wagner-Hain und letztendlich zur Sachsenbrücke, wo man wieder am Ausgangspunkt des Elster-Saale-Radweges ist.

Lutherweg – Von Zwickau nach Leipzig

Lutherweg Sachsen
Auf den Spuren der Reformation

Lutherweg

Lutherweg

Im Mai 2017 begann ich eine Radwanderung auf dem sächsischen Lutherweg. Der Lutherweg ist ein Wanderweg, der zu verschiedenen Stationen von Luther Wirken führt. Zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags zu Wittenberg geht es 550 Kilometer durch Sachsen und Thüringen.

Von Zwickau nach nach Altenburg (18. Mai 2017)

Am Morgen des 18. Mai 2017 lies ich es ziemlich ruhig angehen, schließlich ist der Lutherweg ein „spiritueller Wanderweg durch landschaftlich reizvolle Regionen“. 9.43 Uhr nahm ich die S-Bahn S5X und 11.00 Uhr war ich dann in Zwickau. Am Tag zuvor hatte ich noch ein paar Zettel von der Lutherweg-Website ausgedruckt, die zur groben Orientierung dienen sollten. Nun galt es erstmal den Lutherweg zu finden. Ich fuhr mit dem Rad in Richtung Stadtzentrum, wo ich bei der 2002 wiedererrichteten Postmeilensäule eintraf. Auch das Original hat es zu Luthers Zeiten noch nicht gegeben, sie wurden erst vor 200 Jahren aufgestellt.

Zwickau Postsäule

Zwickau, Postsäule

Ein Stück weiter ist dann gleich der Zwickauer Dom – die Marienkirche. Ein seltsamer Anblick, denn die schief stehende Kirche wird von zwei großen ockerfarbenen Stahlträgern gehalten. Die Kirche droht es auseinanderzureissen und so wird seit einem halben Jahr das Fundament freigelegt, um die Kirche auf eine Stahlbetongründung zu setzen.

Vor 500 wirkte hier Johannes Sylvius Egranus, ein Freund von Martin Luther und ab 1520 auch Thomas Müntzer, der dann nachfolgend zur Zwickauer Katharinenkirche wechselte. Ab 1521 predigte Nikolaus Hausmann, der hier 1524 die erste Messe in deutscher Sprache hielt.

Dom St. Marien (Zwickau)

Dom St. Marien Zwickau

Vom Zwickauer Dom führt der Lutherweg an der Katharinenkirche vorbei nach Marienthal. Eigentlich wollte ich mit dem Fahrrad die Stadt schnell verlassen, aber die kleinen Schilder sind schnell zu übersehen und so schaltete ich einen Gang runter. Ähm, auf dem vorderen Kettenblatt.

In Marienthal wurde 1722 eine Kirche errichtet, um 1900 abgerissen und neu gebaut: die Pauluskirche. Diese Kirche machte 1989 von sich reden, denn hier fand das Zwickauer Friedensgebet statt, mit einem nachrfolgenden Demonstrationszug zum Stadtzentrum. Luther hätte das sicher nicht gefallen, er war in Bezug auf die weltliche Macht ja eher sehr obrigkeitshörig, dass entspricht eher der Tradition der Zwickauer Propheten.

Pauluskirche Zwickau

Pauluskirche Zwickau

Von der Pauluskirche aus geht es nach Norden und nach ein paar Straßen steht man dann vor dem Südhang. Berge stehen in allen Religionen für Gottesnähe, auch im Christentum spielt sich einiges – von Abraham über Moses bis hin zur Bergpredigt – auf Erhebungen ab. Dann wollen wir das Fahrrad mal raufschieben. KGV Am Südhang – da raucht kein Dornenbusch, das sind nur die Würstchen auf dem Grill.

Oben auf dem Berg ein Blick zurück: Schon vor über eintausend Jahren sind hier Pilger, auf dem Weg zum Grab des Apostels Jakobus in der spanischen Stadt Santiago de Compostela, gewandert. Der Jakobsweg, der bekannteste Pilgerweg der Welt, auch Sternenweg genannt. Da das Konzept des Pilgerns ja einen Ablasshandel darstellt, ist es ja besonders witzig, dass der sächsische Lutherweg genau verkehrt herum auf dem Jakobsweg führt.

Südhang

Südhang

Nach einem Stück auf der Straße führt der Lutherweg nun in den Weissenborner Wald. An der Waldbühne machte ich eine Pause mit drei Schokoriegeln, die ich am Bahnhof in Zwickau gekauft hatte. Sie waren schon angeschmolzen, denn die Temperatur hatte inzwischen 26° erreicht.

An Bellmanns Brunnen soll, nach einer alten Sage, ein Vogelfänger namens Pöllmann am Biss einer Kreuzotter gestorben sein. 2017 lag da ein junger Mann auf dem Tisch vor der Holzhütte und schaute in den Himmel. Beim Träumen erwischt schreckte er hoch und guckte etwas verwirrt, als ich das Fahrrad die Treppen hochtrug.

Weissenborner Wald

Weissenborner Wald

Nach dem Wald geht es auf kleinen Straßen weiter nach Crimmitschau. Bergauf, bergab. Ein bisschen Wandern, ein bisschen Radfahren. Vor fünfhundert Jahren wurden für Autobahnen, Landstraßen und Zugstrecken noch keine Berge abgetragen. Selbst kleine Reisen waren ein beschwerliches Unterfangen. Andererseits hatte Kolumbus bereits 25 Jahre vor Luthers Thesenanschlag Amerika entdeckt. Aber das einzig wirklich schöne Reisen ist auf einem fliegenden Teppich.

Alternative Reisemöglichkeiten

Alternative Reisemöglichkeiten?

Über die Kirche Steinpleis – die gerade renoviert wurde – führt der Lutherweg weiter nach Crimmitschau. In Crimmitschau bekam ich einen leichten Zivilisationsschock. Nach dem beschaulichen Stunden im Wald und auf den ruhigen Dorfstraßen, radelte ich rasant durch den Ort und traf dann auf die Pleiße. Dort ging es am Ostufer nach Norden. Damit entging mir leider die Kirche St. Laurentius, die zu Luthers Zeiten entstand und mit dem Gustav-Adolf-Fenster auch Luther zeigt.

Kirche Steinpleis

Kirche Steinpleis

Die Kirche in Frankenhausen – heute ein Ortsteil von Crimmitschau – wurde um 1200 errichtet. Neben der Kirche befinden sich Reste des ehemaligen Klosters „Zur Heiligen Jungfrau Maria“ – ein Frauenkonvent, der sich an das Regelwerk des Zisterzienserordens anlehnte und 1292 entstand.

Frankenhausen

Frankenhausen

Nun entspricht der Lutherweg dem Pleißeradweg, den ich schon einmal gefahren bin. Es ist noch ordentlich hügelig und ich wanderte öfters und schob dabei das Fahrrad. Auch hier ein Blick zurück auf das Dorf und die Kirche Ponitz. Die Kirche hat eine der wenigen Silbermann-Orgeln, die außerhalb von Sachsen errichtet wurden. Außerhalb von Sachsen meinte das Herzogtum Sachsen-Altenburg – heute sind wir in Thüringen.

Kirche Ponitz

Kirche Ponitz

Ein kleiner Beobachter am Wegesrand erinnerte mich an den Altenburger Ziegenkäse, der allerdings weiter östlich hergestellt wird. Erstaunlicherweise enthält der Weichkäse nur ab 15 Prozent Ziegenmilch, dafür aber ordentlich Kümmel. Ob es zu Luthers Zeiten schon Ziegenkäse gab ist nicht bekannt, erstmals erwähnt wird er erst 1862. In den oberdeutschen Dialekten heißen die Tiere Geiß und Geißbock. Erst durch Luthers Bibelübersetzung hat sich „Ziege“ durchgesetzt.

Beobachter

Beobachter

Weiter auf dem Rad durch das Altenburger Lösshügelland. Maltis wurde 1188 erstmals erwähnt. Die evangelisch-lutherische Dorfkirche St. Anna entstand im 16. Jahrhundert und hat eine Poppe-Orgel, eine barocke Kassettendecke und geschnitzte Figuren an der Kanzel. Nach der Reformation siedelte der Pfarrer nach Saara um.

Kirche Maltis

Kirche Maltis

Dorthin führte nun auch der Lutherweg. Saara liegt am Einfluß der Sprotte in die Pleiße und hat einen Pfarrer. Die Saalkirche in Saara besitzt eine Uhr, die anstatt der Ziffern den Spruch „Nutze die Zeit“ trägt. Inzwischen hatte ich auch keine Lust mehr und beschloss in Altenburg die Tagesetappe zu beenden.

Kirche Saara

Kirche Saara

Dieser alte Weg, der sich von Zwickau über Altenburg und Leipzig bis nach Wittenberg schlängelt ist eine alte Reichsstraße, die von Rom bis nach Stettin führte. Die Via Imperii ist auch ein bekannter deutscher Pilgerweg. Über die Straße gelangte man nach Santiago de Compostela, aber auch nach Rom und Jerusalem. Man musste früher auch Zölle bezahlen, dafür gab es dann funktionierende Brücken.

Via imperii

Via imperii

Vor Altenburg kam ich dann leider vom Weg ab und gelangte nach Nobitz. Nach dem Bernsteinzimmer, dass einige dort vermuten, habe ich nicht gesucht. Eher nach Schatten. Ich fuhr nach Osten und kam endlich in Altenburg an. Dort schob ich erstmal das Fahrrad den Berg hinauf, um dann auf der anderen Seite mit einer rasanten Fahrt den Berg hinab zum Schloss zu fahren. Dann gings weiter zum Bahnhof und mit der S-Bahn zurück nachhause.

Altenburg

Altenburg

Von Altenburg nach Leipzig (19. Mai 2017)

Am Vormittag des 19. Mai 2017 fuhr ich mit der S-Bahn S5X nach Altenburg. Dort radelte ich wieder auf den Lutherweg. Da ich keine Lust hatte, am Altenburger Schloss den Berg hochzufahren, hielt ich mich auf der Straße in Richtung Remsa. Zwischendurch gab es leider eine kleine Straßensperrung, die ich aber einfach durchfuhr.

Remsa

Remsa

Nun ging es erstmal über eine Wiese, wo Fleckvieh fröhlich graste. Um ein paar Ecken und man steht vor dem Wasserschloss Windischleuba. Seit 1977 ist das Schloss eine Jugendherberge und als Schüler habe ich da mal übernachtet. Zuvor fährt man an der Nikolaikirche vorbei.

Schloss Windischleuba

Schloss Windischleuba

Nach dem Schloss folgt die Talsperre Windischleuba, die die Pleiße aufstaut. Hier rastete ich idyllisch bei Familie Schwan. Eine wirklich schöne Gegend. Dann führt der Lutherweg durch den Wald, ein Stück die Landstraße entlang, zum Campingplatz Pahna. Neben der seltenen Beschilderung des Weges, hatte hier jemand mit grüner Sprayfarbe Pfeile gemalt.

Talsperre Windischleuba

Talsperre Windischleuba

Zur Zeit Luthers gab es in Deutschland bereits Bockwindmühlen. Die ganze Windmühle ist dabei drehbar auf einem Bock gelagert. Holländermühlen, bei denen sich nur der Dachteil dreht, wurde erst Ende des 16. Jahrhunderts entwickelt. Die Neuholländermühle in Wyhra mahlt aber nur Kaffee. Leider nur am Wochenende.

Neuholländermühle Wyhra

Neuholländermühle Wyhra

Also weiter zur Wassermühle. Auch so etwas gab es schon zu Luthers Zeiten, allerdings nicht als Hotel herausgeputzt und nicht so romantisch, wie es vielleicht heute ausschaut. Im Winter fror der Mühle ein, im Sommer hatte sie kein Wasser, dazwischen schnell das Korn gemahlen. Leider sind zur Mühle kaum Informationen zu finden.

Schlossmühle Zedtlitz

Schlossmühle Zedtlitz

Übrigens, der erste Blick auf Zedlitz ist eine Postkartenidylle: der Wyhratalviadukt vor der Zedtlitzer Kirche. Und nach der Wassermühle gibt es Streetart: einen alten gebogenen DDR-Betonzaunspfahl, der abgeknickt und mit Mosaik versehen wurde. Da kann man bis Borna drüber nachdenken.

Zedtlitz

Zedtlitz

In Borna übernachtete vom 4. zum 5. März 1522, zu Aschermittwoch, ein gewisser „Junker Jörg“ bei seinem Freund Michael von der Straßen und schrieb einen Brief an den sächsischen Kurfürsten Friedrich. Er hatte sich ein Jahr lang auf der Wartburg versteckt, da er exkommuniziert und für vogelfrei erklärt worden war. Dort hatte er das Neue Testament ins Deutsche übersetzt. 220 Seiten in nur elf Wochen.

Reichstor Borna

Reichstor Borna

Dabei erfand er zahlreiche Worte, die sich bis heute in unserer Sprache gehalten haben: Feuertaufe, Bluthund, Selbstverleugnung, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Gewissensbisse, Lästermaul und Lockvogel. Auch Redewendungen wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im Schafspelz“ und „der große Unbekannte“ gehen auf Luthers Bibel zurück. (zusammengetragen von Jan von Flocken)

Wyhratalradweg

Wyhratalradweg

Borna war übrigens die erste Stadt auf sächsischem Boden in der evangelisch gepredigt worden ist. Martin Luther persönlich hatte 1519 Wolfgang Fusius nach Borna vermittelt.
Der Wyhratalradweg ist übrigens eher langweilig. Es geht immer schön an der Bundestraße B 176 entlang. Und in Neukieritzsch war leider die Pleißebrücke gesperrt, so das ich über Lippendorf weiterfuhr.

Denkmal Neukieritzsch

Denkmal Neukieritzsch

In Lippendorf wurde Katharina von Bora geboren, die 1525 Luther in Wittenberg heiratete. Lurther kaufte 1540 Katharina Luther als Witwensitz (gedacht zur Altersversorgung) das Gut Zöllsdorf bei Kieritzsch. Das Gut musste 1990 dem Tagebau Peres weichen. Ein Gedenkstein in Neukieritzsch erinnert heute an die Luthers.

Kraftwerk Lippendorf

Kraftwerk Lippendorf

An der langen S71 ging es dann nach Zwenkau – vorbei am Kraftwerk Lippendorf, wo der Strom und Wärme für Leipzig erzeugt wird. In Zwenkau fuhr ich dann zum Rundweg des Zwenkauer Sees, einer alten Braunkohlegrube. Von dort ging es durch die Neue Harth nach Gaschwitz. Die Neue Harth ist eine Braunkohlegrube die zugeschüttet und wieder aufgeforstet wurde.

Zwenkauer See

Zwenkauer See

In Gaschwitz ging es dann auf dem Pleißeradweg weiter nach Leipzig. Der Lutherweg verläuft etwas anders, aber im Leipziger Südraum ist eh nichts mehr original: da wurden Flüße begradigt, umgelegt und Dörfer überbaggert. Dann auch noch am Wildpark eine Umleitung des Pleißeradweges.

Pleisseradweg

Pleißeradweg

Die Reformation hielt Pfingsten 1538 in Leipzig Einzug, als Justus Jonas mit Luther zu Pfingsten in der Leipziger Nikolaikirche predigte. Später hielt Jonas in der Eislebener Andreaskirche die Leichenpredigt auf Luther. In Leipzig ist derweilen der Bärlauch am Blühen, der bereits im Mittelalter gegessen oder zum Teil auch als Arznei verwendet wurde.

Bärlauch

Bärlauch

Andromeda-Hummus

1 Dosen Kichererbsen mit etwa 1/4 Flüssigkeit
1 Knoblauchzehe
Kreuzkümmel
Paprika
Salz
Sesamöl

Brandenburg II – Von Cottbus nach Lauchhammer

Die Tour Brandenburg ist ein über eintausend Kilometer langer Radweg, der – rund um Berlin – durch ganz Brandenburg führt. Es gibt ein Tourenbuch von bikeline, wo die Gesamttour in kleinere Tagesabschnitte aufgeteilt ist. Den ersten Teil fuhr ich im November 2014. Dabei übersprang ich die ersten beiden Etappen ab Brandenburg, da sie den Havelradweg und dem Elberadweg entsprechen, und startete in Wittenberge. Damals kam ich bis Fürstenwalde.

Cottbus Hauptbahnhof

Cottbus Hauptbahnhof

Ab dem 16. Mai 2017 begann ich den zweiten Teil der Tour Brandenburg. Auch diesmal wurden ein paar Kilometer übersprungen und ich starte in Cottbus. Der RE 18385 fuhr vom Bahnsteig 10 des Leipziger Hauptbahnhofes und war pünktlich gegen 11.00 Uhr in Cottbus. Der Bahnhof Cottbus (dort Hauptbahnhof genannt) wird seit 2016 umgebaut. Zum Regio120plus-Ticket für 20 Euro kaufte ich noch eine Fahrradkarte für inzwischen 5,50 Euro.

Cottbus

Cottbus

Nach kurzer Fahrt zur Spree, gelangte ich auf den mir bereits bekannten Spree-Radweg. Lutz? Vielleicht konnten sie sich noch an mich erinnern. Zwischen Fürstenwalde und Spremberg entspricht die Tour Brandenburg der Alternativ-Route des Spree-Radweges, den ich nun 30 Kilometer verkehrt herum über Frauendorf nach Spremberg fuhr.

Frauendorf

Frauendorf

Aber erstmal gelangt man zur Talsperre Spremberg. Neben der Anlage zur Stromerzeugung am Nordende, dient die Anlage vor allem zum Hochwasserschutz. Bei Hochwasser füllt sich das Staubecken und die Freileitungsmasten stehen dann im Wasser. Bei Bühlow fährt man drunter durch und gelangt zur Westseite der Spree und Spremberg.

Talsperre Spremberg

Talsperre Spremberg

Spremberg verliess ich gleich wieder und fuhr in anstrengenden Aufstiegen zur Hochkippe Pulsberg westlich von Spremberg. Die Hochkippe wurde bis 1986 mit dem Aufschluss des Tagebaus Welzow-Süd aufgeschüttet, später aufgeforstet und ist heute ein Erholungsgebiet. Steine erinnern an die weggebaggerten Ortschaften. Die Kohle von Welzow-Süd ist für das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe, auf das man in der rasanten Abfahrt von der Hochkippe zufährt.

Kraftwerk Schwarze Pumpe

Blick von der Hochkippe Pulsberg zum Kraftwerk Schwarze Pumpe

Zwischenzeitlich machten sich starke Ermüdungserscheinungen breit. Das kleine Frühstück mit Cappuccino und Bambina hatte sich nun aufgebraucht und ich fuhr auf Reserve. Nach einem weiteren Anstieg und zehn Kilometern machte ich dann erstmal eine Zwangspause. Leichter Nieselregen. Bei den folgenden Fahrten um Parwitzer See und Geierswalder See war ich dann schon auf Hotel-Suche. Leider war die Gegend etwas teuer. 195 Euro für die Nacht im Hausboot.

Lausitz Resort

Lausitz Resort am Geierswalder See

Nach dem Geierswalder See kommt der Senftenberger See und dazwischen der Koschener Kanal mit einer Bootsschleuse. Der Radweg führt um den See herum. Alle Hotels ausgebucht. Nordwestlich der Stadt ist der Lausitzring und dort war DTM und ADAC GT Masters gemeinsam am selben Wochenende. Die Jugend hat das Seeufer in Beschlag genommen. Zwei Cola an einem Biergarten. Niemtsch und dann zur Schwarzen Elster.

Koschener Kanal

Koschener Kanal

Nun ging es an der Schwarzen Elster entlang nach Biehlen und dann weiter nach Schwarzheide. Auch hier hielt ich an Pension und Hotel: ausgebucht. Es machte sich langsam die Erkenntnis breit, dass das so weiter gehen würde. Ich suchte auf der Karte den nächsten Bahnhof und eine Zugverbindung. Die letzte Direktverbindung nach Leipzig mit der S-Bahn S4 würde ich nicht schaffen, aber Züge fuhren noch.

Schwarze Elster

Schwarze Elster bei Biehlen

In Schwarzheide nieselte es wieder. Ich hatte bei der Reiseplanung einiges über Schwarzheide gelesen: Wasserturm, Frauke Petry, BASF, KZ-Außenlager und Lutherkirche. In Erinnerung wird mir aber die lange, lange Straße bleiben. In Schwarzheide West, früher das Dorf Zschornegosda, biegt der Radweg dann nach links ab. Hier wurde ab 1892 Braunkohle abgebaut und in einer 1897 gegründetenn Brikettfabrik verarbeitet.

Wasserturm Schwarzheide

Wasserturm Schwarzheide

Die Restlöcher sind heute Seen. 1754 wurde die Lutherkirche gebaut und mehrfach erweitert. Nach ein paar Kilometern kommt Lauchhammer Süd, wo ich den Radweg verliess und nach Lauchhammer West fuhr, wo eine DB-Mitarbeiterin den Bahnhof bewachte. Ich musste noch auf die letzte Verbindung nach Leipzig warten, dann ging es 21.14 Uhr mit der RB 18437 nach Elsterwerda-Biehla, dann mit der RB 18339 nach Priestewitz und letztendlich mit dem RE 16536 nach Leipzig.

Lutherkirche Schwarzheide

Lutherkirche Schwarzheide

Seltsamerweise spukte mir der Fahrkartenautomat ein Sachsen-Ticket für 24 Euro aus, obwohl Lauchhammer eindeutig in Brandenburg liegt. Die Zugbegleiterinnen hatten keine Probleme damit. In Leipzig wurden wir dann um Mitternacht von der Polizei empfangen. Gegen 23.15 Uhr hatte ein „Terroranschlag“ stattgefunden. Maschinenpistolen, Absperrungen, Polizisten, Polizeiautos, Polizeibusse und insgesamt die größte Ansammlung von Polizei die ich je gesehen habe.

Wald

Wald

Der „Terroranschlag“ war aber nur eine Übung und so verließ ich den Hauptbahnhof über einen Seiteneingang und radelte nachhause. Da sich die Hotelsituation in der Lausitz vermutlich erst nächste Woche entspannt, werde ich nun erstmal die nächste geplante Radtour vorziehen: den Lutherweg in Sachsen.

Shakshuka

Zwiebeln in Olivenöl dünsten, dann Chili-/Paprikaschoten dazugeben, dann Tomaten oder Tomatenmark.
Gewürze: Knoblauch, Pfeffer, Salz
Darin Eier pouchieren. Etwas Petersilie oder ähnliches darüber.

Rezepte

LFS-Brötchen
1 kg Mehl, 1/2 TL Salz, 2 Hefe (42g), Wasser, außerdem etwas Honig, Olivenöl, Haferflocken
Bei 230° backen.

Langos
500g Mehl, 1 Hefe (42g), 250 ml Wasser, 100 ml Milch, 1/2 TL Salz, 2 TL Zucker
Creme: Knoblauch, Jogurth, Schmand

Injera
700g Mehl, 300g Maismehl, 1 Hefe (42g), 1TL Salz, Wasser
Messir Wot: Linsen, Zwiebeln, Knoblauch
Siga Wot: Rindfleisch, Zwiebeln, Tomatenmark, Knoblauch
Yatakelt Wot: Bohnen, Zwiebeln, Lauch, Kartoffeln, Tomate, Salz, Ingwer

Insel und Mauer: Von Usedom nach Leipzig

Die erste Etappe des Tages führte auf dem Radweg Berlin-Usedom von Usedom nach Anklam. Die beiden Fähren in Karnin hatte ich gleich abgeschrieben, da ich pünktlich 11:05 Uhr am Anklamer Bahnhof sein musste. So fuhr ich über Vossberg entlang der Bundesstraße 110 zur Zecheriner Brücke.

Stromleitung

Stromleitung

Unterwegs unterquert man die Stromleitung Anklam-Bansin mit ihren seltsam verspannten Masten. Es ist eine 100-kV-Leitung die bei Karnin den Peenestrom überquert. Die beiden dortigen 85-Meter-Masten und die 780 Meter-Überquerung sind sehr beeindruckend. Mit dieser Leitung wird die Insel Usedom mit Strom versorgt. Nach Kriegende wurde bei Peenemünde eine weitere Leitung über die Peene gebaut, um den Strom des Kraftwerkes der ehemaligen Heeresversuchsanstalt zum Festland zu leiten.

Zecheriner Brücke

Zecheriner Brücke

Die Zecheriner Brücke ist die zweite Brücke zur Insel Usedom. Es ist eine Stahlgitterbrücke mit einem Klappteil. Auch hier gibt es Brückenöffnungszeiten, die ich jedoch nicht in Erfahrung gebracht habe. Auch diese Brücke führt über den Peenestrom, einem der drei Mündungsarme der Oder in die Ostsee. Den Namen hat der Peenestrom von der Peene, die durch Anklam fliesst und bei Nordostwind auch mal die Fliessrichtung wechselt.

Totholz

Totholz

Von der Zecheriner Brücke bis Johannishof führt ein drei Kilometer langer Damm, mit einer recht interessanten Landschaft. So gab es nördlichen ein Totholzwald zu sehen und südlich interessante Wasserpflanzen. Dann ging es über Pinnow, Libnow und Relzow nach Anklam weiter. Dort überquerte ich wieder die Peene.

Anklam

Anklam

In Anklam fand ich den Bahnhof nicht mehr und musste zum Handy greifen, stand dann aber pünktlich am Bahnhof und kaufte ein Quer-durchs-Land-Ticket und ein Fahrrad-Ticket. Im Zug plante ich nochmal um, fuhr nun bis Berlin-Gesundbrunnen, wo ich 13:21 Uhr ankam und die zweite Etappe des Tages begann: der Berliner Mauerweg, Teil2.

Mauerpark

Mauerpark

Vom Bahnhof Gesundbrunnen bin ich gleich auf die Bornholmer Straße und auf den Mauerradweg, der hier gleichzeitig auch der Radweg Berlin-Usedom ist. Sonntagnachmittag. Schönes Wetter. Straßenmusik. Menschenmassen im Mauerpark – ich bekam einen kleinen Zivilisationsschock.

Mauerreste Bernauer Straße

Mauerreste Bernauer Straße

Langsam arbeitete ich mich mit dem Fahrrad durch die Reisegruppen und Menschentrauben. Dann bog ich in die Bernauer Straße ab, wo noch ein Stück der originalen Mauer mit Wachturm zu sehen ist. Der Radweg führt nun – etwas verwinkelt – zur Spree und zum Regierungsviertel.

Reichstag

Reichstag

Ich fuhr am Paul-Löbe-Haus vorbei und machte am Reichstagsgebäude eine kleine Pause. Ich wurde sofort umringt – von Spatzen auf Futtersuche. Vor dem Reichstag gab es wieder viele Menschen und ich beschloss auf der Wilhelmstraße weiterzufahren. So gelangte ich zum Denkmal für die ermordeten Juden in Europa.

Holocaust Mahnmal

Holocaust Mahnmal

Hatte das Holocaust-Mahnmal am Anfang vor allem Akzeptanzprobleme, so sind es heute Risse im Beton, die zu schaffen machen. Einige Stelen müssen nun Stahlmanschetten tragen. „This is a place of no meaning“, sagte Architekt Peter Eisenman. Über die Bedeutung des Potsdamer Platzes – ein paar Meter weiter – kann man sich streiten.

Potsdamer Platz

Potsdamer Platz

Ich hielt auch nur kurz an, um ein Foto zu machen, dann ging es weiter in die Stresemannstraße und die Niederkirchnerstraße. Dort steht auch noch ein Stück Mauer. Allerdings eingezäunt. Die Mauerspechte haben fleißig geknabbert und so sind schon große Löcher im Beton.

Niederkirchnerstraße

Niederkirchnerstraße

Nach Überquerung der Wilhelmstraße folgte die Friedrichstraße mit dem Checkpoint Charlie. Dann ging es weiter, um die Bundesdruckerei herum, zum ehemaligen Übergang Prinzenstraße. Ein paar Meter weiter drehte derweilen Skate-Dog seine Runden. Der kleine Youtube-Star war aber etwas lustlos. Ich auch – etwas zuviel Hauptstadtrummel.

Skate-Dog

Skate-Dog

Weiter über die Köpeniker Straße – da ist der „Tresor“, über die Spree, um das YAMM herum zur Eastside-Gallery. Auch hier stehen inzwischen Zäune und Menschentrauben. Über die Oberbaumbrücke zurück zu anderen Spree-Seite und dann durch Treptow zum Plänterwald und zum ehemaligen Übergang Sonnenallee.

Eastside-Gallery

Eastside-Gallery

Nach der Überquerung des Britzer Zweigkanals wird es sehr ruhig. Zwischen Spreekanal und Autobahn A113 geht es ein paar Kilometer einen breiten Weg entlang. Viel Graffiti: von 1UP bis +-0. Mit einer sehr langen Auffahrt über die Autobahnbrücke zur anderen Kanalseite. Dort, kurz vor der Rudower Höhe, wieder ein Mauerrest und zwei Stelen für Horst Kutscher und Johannes Spreng.

Mauerreste

Mauerreste

Der Mauerweg führt nun weiter an der A113 entlang, die allerdings zweimal unterirdisch verschwindet, nach Schönefeld. Ehemaliger Spionagetunnel. Kinder die Drachen steigen lassen. Ein Imbiss mit dem Namen „Am Ziel“. Bin ich ja fast – Zeit für einen Kaffee.

Am Ziel

Am Ziel

Die letzten Kilometer der Westberlin-Umrundung versinken in Finsternis. Schlagartig wurde es Dunkel. Bis Mahlow wurde es noch einmal richtig anstrengend. Kaum ein Schild ist noch zu erkennen. Ich fahre teilweise Abkürzungen. Endlich angekommen geht es im Eiltempo zu Bahnhof Lichterfelde-Ost.

Rückfahrt

Rückfahrt

Zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges komme ich am Bahnhof an. Der Zug hat aber fünf Minuten Verspätung. Mit dem RE3353 ab 18.50 Uhr nach Wittenberg, dort in die RegioBahn nach Bitterfeld und letztendlich mit der S-Bahn S2 zum Bahnhof Wilhelm-Leuschner-Platz.

Insel und Mauer: Von Wolgast nach Usedom

Eine Klappbrücke gab es in Wolgast schon seit 1934, als die Wolgaster Fähre den Autoverkehr zur Insel nicht mehr bewältigen konnten. Diese wurde zum Kriegsende von der Wehrmacht gesprengt und bis 1950 erneuert. 1996 wurde diese Brücke abgerissen und das heutige „blaue Wunder“ eingeweiht.

Die zwanzigjährige Brücke soll nun eine Schwester erhalten: eine Hochbrücke zur Ortsumgehung ist für die nächsten Jahre geplant. Über die Wolgaster Peenebrücke führt übrigens auch das Gleis der Usedomer Bäder-Bahn, mit der ich im Juni die Brücke überquerte.

Brücke Wolgast

Brücke Wolgast

Diesmal ging es mir dem Fahrrad zurück zur Insel. Die Brücke ist sechsmal am Tag für den Bootsverkehr für fünfzehn Minuten geöffnet. Die Brückenzeiten hatte ich im Hotel erfragt, sonst hätte ich die Brücke vermutlich nicht geöffnet gesehen. Von der Brücke ging es quer über die Insel nach Trassenheide, wo ich nach links in den Wald nach Karlshagen abbog.

Ostsee bei Karlshagen

Ostsee bei Karlshagen

Zwischendurch blieb auch noch Zeit mal an den Strand zu gucken. Nun ist die Ostsee bei 11 Grad nicht gerade badetauglich, aber durch das relativ schöne Wetter waren doch viele Leute spazieren. Für den Tag war wenig Bewölkung angesagt und in der Ferne war sogar die Insel Rügen zu erkennen.

Bunker bei Peenemünde

Bunker bei Peenemünde

In Karlshagen ging es dann Richtung Südwesten, fast bis zum Peenestrom und dann wieder nordwestlich nach Peenemünde. Unterwegs kann man eine eingestürzte Bunkeranlage der Heeresversuchsanstalt ansehen. 2012 war ich die Straße weiter nördlich gefahren, die an den alten Eisenbahnschienen entlang führt. Die Südstrecke war aber landschaftlich interessanter – allerdings gab es starken Westwind. Ich machte viele Fotos.

Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt

Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt

2012 hatte ich das Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt besichtigt. In Peenemünde wurden die A4-Raketen – im Volksmund V2 genannt – und deren Vorgänger entwickelt. Eine Rakete steht dort auch im Garten. Gebaut wurden die Raketen von sowjetischen Krieggefangenen. Spektakulär war eine Flucht von neun Gefangenen mit einem deutschen Flugzeug. Nach einem Beihnaheabschuss durch die sowjetische Luftabwehr wurden sie dann erstmal als deutsche Spione verhaftet…

U-Boot in Peenemünde

U-Boot in Peenemünde

Im Hafen von Peenemünde liegt übrigens ein sowjetisches U-Boot, welches ich ebenfalls schon 2012 besichtigt hatte. Die B-124 (vorher K-24) konnte aufgetaucht vier atomare Marschflugkörper vom Typ SS-N3 starten. Außerdem gab es Torpedo-Abschußrohre. In Dienst gestellt wurde das U-Boot 1965, 1991 wurde es außer Dienst gestellt und 1998 nach Peenemünde gebracht. Seitdem heißt es U-461.

Usedomer Strand

Usedomer Strand

Nun ging es erstmal zurück nach Trassenheide. Diesmal, mit Rückenwind, vermutlich doppelt so schnell. Dort ging es dann auf den Küstenradweg, der nun über die ganze Insel führt, in Richtung Ahlbeck. Zum Mittagessen gab es unterwegs einen Eierkuchen mit Apfelmus, Zucker und Zimt. Sehr viele Buden hatte zu dieser Jahreszeit nicht mehr geöffnet.

Usedomer Strand

Usedomer Strand

Der Küstenradweg führt über Zinnowitz, Zempin, Koserow, Kölpinsee, Ückeritz, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Es ist eine sehr abwechslungsreiche Strecke. Es gab Krüppelkiefern und Buchen, es gab flache Promenaden, Steilküste und 50 Meter hohe Berge und es gab verdammt viele Fußgänger. Ich blieb immer mal stehen, um die teilweise seltsamen Blicke auf die Ostsee zu geniessen.

Ahlbeck

Ahlbeck

Nach Ahlbeck bog ich dann auf dem Radweg Berlin-Usedom nach Süden ab und fuhr über Korswandt nach Garz. Nochmal eine sehr bergige Strecke. Von Garz aus ging es wieder nach Westen, am Flugplatz vorbei nach Zirchow und über Neverow und Bossin nach Dargen. Das dortige DDR-Museum war aber geschlossen, wie auch die ganzen kleinen Gartenkneipen, in denen ich im Juni eingekehrt war.

Dargen

Dargen

Im Jahre 2012 war der Trabbi am Eingang übrigens noch weiß und händisch beschriftet. Nun gibt es einen grünen Schmal-Trabbi. Die letzten zehn Kilometer bis Usedom führten über Stolpe. Dort bekam ich nun endlich mal das Schloss zu Gesicht, das ich aber nur sah, weil ich den Abzweig des Radweges verpasste und die letzten Kilometer auf der Landstraße zurücklegte.

Schloss Stolpe

Schloss Stolpe

In Usedom suchte ich erstmal eine Pension und machte mit zwei Flaschen Fanta die Reiseplanung für den nächtsen Tag, denn eine Inselüberquerung in nur einem Tag hatte ich garnicht geplant.