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Lutherweg: Von Torgau nach Wurzen

Am 8. Oktober 2017 brach ich zur nächsten Etappe auf dem Lutherweg auf. Mit der S-Bahn S4 ging es für 9 Euro über Eilenburg nach Torgau und gegen 9 Uhr war ich dann wieder am Lutherweg. Torgau begrüsste mich mit einem Regenschauer. Mit Nieselregen sollte es auch die kommenden fünf Stunden weitergehen.

Torgau

Torgau

Wegen des schlechten Wetters und dem Sturm „Xavier“ hatte ich die Weiterfahrt mehrfach verschoben. Nun, am letzten Urlaubstag, wollte ich wenigstens noch ein paar Kilometer fahren.

Torgau feierte die Festtage zur Weihe der Schlosskapelle. Martin Luther hatte den ersten protestantischen Kirchenneubau am 5. Oktober 1544 eingeweiht. Sonntag früh war natürlich noch nichts los. Historisches Markttreiben? Falscher Markt, aber Rummel geht immer.

Torgau

Torgau

Am Schloss Hartenfels führt der Lutherweg etwas später vorbei. Das Schloss war zu Luthers Zeiten eine Art Dauerbaustelle, ähnlich der Großprojekte in heutiger Zeit. Die Bären gab es auch schon damals. Der erste Bärengraben wurde 1452 angelegt. Heute wohnt dort Jette mit Bea und Benno.

Hügelgrab

Hügelgrab

Der Lutherweg führt nun südlich zum Forst Pflückuff, wo eine Schulklasse von ihrer Lehrerin gezwungen wurde, Hügelgräberschilder aufzustellen. Die dazugehörigen Hügelgräber sind aus der Bronzezeit, man hat aber noch nicht heraus bekommen aus welcher. Also irgendwie 2000 bis 750 vor Christus. Auf einem Hügelgrab steht dann auch noch ein Gedenkstein für Gefallene des ersten Weltkrieges. Wenigstens sind die Schilder bunt.

Xavier

Xavier

Die Etappe hatte übrigens weniger etwas mit Wandern oder Radwandern zu tun, eher mit Schlammwaten. Der tagelange Regen hatte die Wege völlig aufgeweicht und oft mußte ich im Stehen durch die Pfützen schlittern. Dazu hatte Sturm „Xavier“ ganze Arbeit geleistet: umgestürzte Bäume und Sträucher, sowie herumliegende Äste und Kiefernzapfen.

Aus dem Wald heraus, bekam ich wieder den Nieselregen ab und verfuhr mich auch noch um zwei Kilometer. Also wieder zurück und irgendwie gelangte ich dann auch nach Schildau.

Schildau

Schildau

Ob die kleine Stadt wirklich der Ort der Schildbürgerstreiche ist, ist nicht bekannt. Aber die Geschichten stammen aus der Zeit Luthers. Der erste bekannte Druck ist von 1597.
Wahrzeichen der Stadt ist die Marienkirche die um 1170 als dreischiffige Basilika erbaut wurde. Auf dem Gelände der Kirche steht auch ein Baum, der ein Jahr nach dem Thesenanschlag von Luther gepflanzt wurde. Er ist der älteste Maulbeerbaum Deutschlands und wird 2018 fünfhundert Jahre alt.

Schildau

Schildau

Das heutige Schildau präsentiert sich mit einer Pferdesportarena. Im September fanden dort zum zweiten Mal die Süddeutschen Mannschaftsmeisterschaften der Ein- und Zweispänner Ponys und Pferde statt. Die Hindernisse auf dem Parkour sind übrigens Schildbürgerstreichen nachempfunden.

Sitzenroda

Sitzenroda

Von Sitzenroda fährt man an der FFW und dem Quellentalspatzen-Kindergarten vorbei und verpasst fast die schlichte Kirche auf der anderen Straßenseite. Der kleine Ort hat alles überlebt: die Reformation, den 30jährigen Krieg, die Pest, die Hexenverfolgung, den Absturz zweier MiG-21 der NVA und den Besuch eines Radfahrers aus Leipzig.

Hasendenkmal Schmannewitz

Hasendenkmal Schmannewitz

Wieder Wald: Aufgeweichte Wege und sturmgefällte Bäume – die Dahlener Heide. Hier gibt es die Quelle der Dahle, die Landesbuche, die Jägereiche, ein Weißes Haus und einen buckeligen Findling. Nachdem man den Wald verlassen hat, führt eine kleine Treppe zum Hasendenkmal, welches an den Besuch von Brehm („Brehms Tierleben“) erinnern soll.

Heyda

Heyda

Nach Meister Lampe biegt der Lutherweg nach rechts ab und führt nach Heyda. Das Gut Heyda sieht recht schmuck aus. Die Familie von Carlowitz hat den Besitz 1990 zurückerworben und das Schloss saniert. Übrigens war es Hans Carl von Carlowitz der nach dem 30jährigen Krieg in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ die nachhaltige Forstwirtschaft erfand.

Die Vögel

Die Vögel

Im nächsten Ort, Dornreichenbach, hätte Hitchcock seinen Film „Die Vögel“ drehen können. In den Wipfeln der Bäume schnatterten hunderte von Vögeln, die aber kaum zu erkennen waren. Sie schlugen sich die Bäuche mit Fallobst – insbesondere Birnen – voll, um sich für die Winterreise zu rüsten. Ich hüpfte mal hoch und erntete auch eine Birne.

Jakobsweg

Jakobsweg

Übrigens hatte ich nach Heyda einen Abzweig verpasst und machte einen kleinen Umweg über Meltewitz. Mein Handy, dass ich auf der Zugreise nach Torgau noch mal schnell aufgeladen hatte, war nun leider leer. Ich hatte nur noch die zuhause aus Webseite vom Lutherweg Sachsen zusammengeklebte Übersichtskarte.

Bibelsprüche

Bibelsprüche

Ab Dornreichenbach wurde es aber wieder etwas einfacher, denn der Lutherweg entspricht nun dem sächsischen Jakobsweg der nach Wurzen weiterführt. Neben weiteren Birnenbäumen hatte jemand Bibelsprüche, natürlich aus der deutschen Lutherbibel, an die Bäume getackert. Ich war dann eher müde und matt. Inzwischen schien aber wenigstens die Sonne und der Nieselregen hatte endgültig aufgehört.

Wurzen

Wurzen

Nach Körlitz verpasste ich wieder einen Abzweig – da fehlte wohl das Schild – und fuhr dann entlang der B6 nach Wurzen und von dort mit einer künstlerisch gestalteten S-Bahn nach Hause.

Lutherweg: Von Eilenburg nach Torgau

Von Eilenburg nach Torgau (14. Juni 2017)

Am 14. Juni ging es nun mit der S-Bahn zurück nach Eilenburg. Die „Stigmata“ hatte ich mit Pflastern zugeklebt und alte eingelatschte Adidas Samba angezogen. Halb Eins stand ich vor dem Bahnhof und radelte erstmal zurück zum Lutherweg.

Eilenburg

Eilenburg

Luther war auf seinen Reisen nach Leipzig, 1519 zur Leipziger Disputation und 1539 zur Reformationseinführung, über Eilenburg angereist. Er predigte auch mehrfach in Eilenburg. Durch Eilenburg führt, auf der Via Regia, auch ein Jakobsweg, der aber nicht ausgeschildert ist. Die Via Regia nannte man zu Luthers Zeiten „Hohe Landstraße“.

Mäusebussard

Mäusebussard

Nach Eilenburg führt der Lutherweg erstmal in den Wald. Ein Umweg der sich aber lohnte: ein Mäusebussard lies sich beim Chillen fotografieren. Ein Stück weiter, in Hainichen, hat eine Weißstorch-Familie ihr Nest. Sie kamen über die Balkanroute und dem Nahen Osten aus Afrika. In Deutschland betreiben sie eine eigene Gaststätte unterhalb ihres Nestes.

Weißstorch

Weißstorch

Kurz vor Hohenprießnitz steigt man dann auf einem sehr schmalen Weg zur Mulde hinunter. Ich konnte kaum neben dem Fahrrad laufen. Noch ein paar Meter durch die Brennnesseln und man steht an der Mulde-Fähre, die nach dem gegenüberliegenden Ort Gruna benannt ist. Der Lutherweg bleibt auf der linken Muldeseite und führt nun am Schloß Hohenprießnitz und dem Park Hohenprießnitz vorbei. Das Schloss wurde ab 1699 vom Schlossbaumeister Hermann Korb errichtet.

Schloss Hohenprießnitz

Schloss Hohenprießnitz

Ich radelte gemütlich weiter durch Hohenprießnitz, Brösen, Badrina und Reibitz nach Löbnitz. Übrigens ist 2017 nicht nur der 500. Jahrestag der Reformation, sondern auch der 200. Jahrestag der Fahrraderfindung. 1817 erfand der Forstbeamte Karl Drais sein Laufrad. Daraus wurde dann im Laufe der Zeit das Fahrrad.

Rostiger Radfahrer

Rostiger Radfahrer

Dazu gibt es übrigens die sogenannte Tambora-Legende: 1815 brach in Südostasien der Vulkan Tambora aus. Dadurch verdunkelte sich der Himmel in Europa, führte zu Hafer-Missernten und die Menschen konnten sich kein Pferdefutter mehr leisten. Dadurch kam Drais auf die Idee, ein muskelkraftbetriebenes Fortbewegungsmittel zu erschaffen.

Kirche Löbnitz

Kirche Löbnitz

In Löbnitz kaufte ich in der Landfleischerei Wiener Würstchen. Luther war mehrfach zu Gast beim Löbnitzer Kirchenpatron Ernst von Schönfeldt. Seine Frau war aus dem Kloster in Nimbschen geflüchtet und kannte Katharina von Bora, die Frau von Luther. Der Lutherweg führt nun am Flughafen vorbeit zurück zum Wald und dann wieder nach Osten zum Wasserschloss Schnaditz.

Wasserschloss Schnaditz

Wasserschloss Schnaditz

Zu Zeiten von Martin Luther hat der Schlossherr, Gunther von Zaschnitz, im Nachbarort Wellaune dem Händler Kohlhaase ein paar Pferde gestohlen. Heinrich von Kleist hat in „Michael Kohlhaas“ die Geschichte vor dem Vergessen gerettet. Hinter der Tür mit den beiden Sichtschlitzen war emsiges Treiben zu vernehmen.

Vielleicht wird das Wasserschloss ja doch noch gerettet. Gerettet haben sich, ein Stück weiter, ein paar Gänse, die durch eine gemeinsame Kraftanstrengung, aus ihrem Gehege flüchteten. Der Lutherweg führte nun auf dem Mulderadweg nach Bad Düben. Die Strecke war ich schon einmal anders herum gefahren.

Gänse auf Abwegen

Gänse auf Abwegen

Den Muldeübergang bei Düben hat Luther auf dem Weg von und nach dem Süden mehrfach benutzt. Heute steht dort eine blaue Brücke mit beidseitigem Radweg. Ein fast 500jähriger Baum, Lutherlinde genannt, wurde leider 1964 ein Raub der Flammen. Auf der Burg, die ein paar Jahre vor Luthers Geburt vollständig zerstört wurde, wurde der Rechtsstreit von Kohlhaase verhandelt.

Bad Düben

Bad Düben

Von Bad Düben bis Torgau führt der Torgische Weg. Der Radverbindung zwischen Mulderadweg und Elberadweg ist 40 Kilometer lang und nicht wirklich in Brandenburg-Qualität. Inzwischen war es leider schon 18.00 Uhr. Ich radelte also etwas schneller. Dafür dass ich erst Mittag gestartet war, lag ich aber gut in der Zeit.

Ev. Pfarrkirche Authausen

Ev. Pfarrkirche Authausen

Nächster Ort war dann Authausen. Dort gibt es eine schöne Feldsteinkirche, deren romanischer Ursprung (vermutlich im 12. oder 13. Jahrhundert erbaut) noch erkennbar ist. Die Wegbeschilderung war dafür nicht immer erkennbar und so musste ich doch noch mal das Handy anschalten.

Torgischer Weg

Torgischer Weg

Das nächste Highlight auf dem Torgischen Weg ist zweifellos der 1957 errichtete Funkturm in Roitzsch. Der Funkturm, eines der höchsten Gebäude weit und breit, war früher Teil der Richtfunkstrecke Südwestring – und wohl für Fernsehübertragungen gedacht.

Funkturm Roitzsch

Funkturm Roitzsch

Etwas kleiner ist die Pfarrkirche Roitzsch, dafür stand sie bereits zu Luthers Zeiten (erbaut im frühen 13. Jahrhundert). Im Ort verpasste ich den richtigen Abzweig und musste wieder das Handy auspacken. Ich beschloss dann einfach die Torgauer Straße weiterzufahren und sparte so zwei Kilometer ein.

Ev. Pfarrkirche Roitzsch

Ev. Pfarrkirche Roitzsch

Diese Straße ging immer geradeaus, war dafür etwas holperig. Schließlich gelangte ich nach Süptitz, wo eine Entenfamilie gegeseitige Federpflege betrieb. Die liessen sich auch von durchreisenden Radfahrern nicht stören. Luther besuchte 1535 die Kirche Süptitz auf der Durchreise.

Enten Süptitz

Enten Süptitz

Im nachfolgenden Zinna gibt es auch eine Kirche, die aber zu Luthers Zeiten noch nicht stand, da der kleine Ort mit seiner Kirche im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Entlang der Bundestraße fährt man nun nach Torgau. Dort gibt es das Fort Zinna mit einer langen Geschichte: Wehrmachtgefängnis, sowjetische Speziallager und heute Justizvollzugsanstalt.

Kirche Zinna

Kirche Zinna

Auf der Dommitzscher Straße ging es direkt zum Bahnhof, leider stand ich auf der falschen Seite und kam nicht über die Gleise. Nach einem kleinen Umweg, war ich dann am Bahnhof und fuhr mit der S-Bahn wieder nachhause. Die Tagesetappe hatte ungefähr hundert Kilometer.

Dommitzscher Straße Torgau

Dommitzscher Straße Torgau

Lutherweg: Von Leipzig nach Eilenburg

Von Leipzig nach Eilenburg (11. Juni 2017)

In Leipzig fand die „Leipziger Disputation“ statt – ein Streitgespräch zwischen Vertretern der katholischen Lehre (u.a. Johannes Eck) und der reformatorischen Lehre (u.a. Martin Luther). Getroffen hatte man sich im Pleißenschloss, das Markgraf Dietrich gebaute hatte. Übrigens haben ihn die Leipziger dafür vergiften lassen.

Neues Rathaus

Neues Rathaus

Die Disputation führte zur endgültigen Spaltung. Zwanzig Jahre später hielt Luther in der Schloßkapelle die erste evangelische Predigt. Nochmal neun Jahre später wurde das Schloss abgerissen und die Pleißenburg errichtet. Nach weiteren hundert Jahren (und einem dreißigjährigen Krieg) wurde das Gebäude Chemie-Labor und Sternwarte. Dann wurde auch die Pleißenburg abgerissen und an deren Stelle das Neue Rathaus gebaut.

Thomaskirche

Thomaskirche

Zu Pfingsten 1539 predigte Martin Luther in der Leipziger Thomaskirche. Dafür hat er ein buntes Fenster bekommen, wo er mit Kurfürst Friedrich dem Weisen von Sachsen und Philipp Melanchthon dargestellt ist. Am Denkmal eines Chorleiters vorbei, führt der Lutherweg nun zum Leipziger Marktplatz, wo ihm zu Ehren ein Fest gefeiert wurde. „Sing Ye Praises to Our King“ von Aaron Copland, gesungen vom Bach Choir Houston.

Martinskirche

Martinskirche

Natürlich findet auch das Bachfest im Zeichen der Reformation statt. Nun ging es weiter, an Nikolaikirche und Oper vorbei nach Norden entlang der Parthe aus der Stadt. In Plaußig treffen sich der Äußere Grüne Ring, der Parthe-Mulde-Radweg und die Via Imperii. Luther ist hier auf jeden Fall durchgekommen. Die Kirche stand damals aber noch nicht.

Seegeritzer Pappel

Seegeritzer Pappel

Der Lutherweg führt nun immer nach Nordosten. Der nächste Ort ist Seegeritz. Der Ort ist für seine Pappeln berühmt, der Fußballverein trainierte sogar in der „Pappelarena“ bzw. dem „Ernst-Pappel-Stadion“. Ein Großteil der Pappeln von 1949 musste leider in den letzten Jahren gefällt werden.

Am Wegesrand

Am Wegesrand

Mal laufen, mal radfahren – viel Sonne. Da in Leipzig eine Beschilderung des Lutherweges nicht vorhanden ist, freute es mich um so mehr, nun einen gut ausgezeichneten Weg vorzufinden. Kurz nach Jesewitz verfehlte ich aber trotzdem den richtigen Weg und landete stattdessen in einer Kirschbaumallee. Hier stellte ich fest, daß ich etwas hungrig war.

Kirschen

Kirschen

Nun ging es noch mit der Handy-Navigation zum Eilenburger Bahnhof und dann mit der S-Bahn zurück nach Leipzig. Leider hatte ich mir mit den neuen Schuhen ein paar ordentliche Blasen gelaufen, die ich liebevoll „Stigmata“ taufte. Dadurch verzögerte sich die Fortsetzung der Luther-Radwanderung um einen Extra-Tag.

Eilenburg

Eilenburg

Lutherweg – Von Zwickau nach Leipzig

Lutherweg Sachsen
Auf den Spuren der Reformation

Lutherweg

Lutherweg

Im Mai 2017 begann ich eine Radwanderung auf dem sächsischen Lutherweg. Der Lutherweg ist ein Wanderweg, der zu verschiedenen Stationen von Luther Wirken führt. Zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags zu Wittenberg geht es 550 Kilometer durch Sachsen und Thüringen.

Von Zwickau nach nach Altenburg (18. Mai 2017)

Am Morgen des 18. Mai 2017 lies ich es ziemlich ruhig angehen, schließlich ist der Lutherweg ein „spiritueller Wanderweg durch landschaftlich reizvolle Regionen“. 9.43 Uhr nahm ich die S-Bahn S5X und 11.00 Uhr war ich dann in Zwickau. Am Tag zuvor hatte ich noch ein paar Zettel von der Lutherweg-Website ausgedruckt, die zur groben Orientierung dienen sollten. Nun galt es erstmal den Lutherweg zu finden. Ich fuhr mit dem Rad in Richtung Stadtzentrum, wo ich bei der 2002 wiedererrichteten Postmeilensäule eintraf. Auch das Original hat es zu Luthers Zeiten noch nicht gegeben, sie wurden erst vor 200 Jahren aufgestellt.

Zwickau Postsäule

Zwickau, Postsäule

Ein Stück weiter ist dann gleich der Zwickauer Dom – die Marienkirche. Ein seltsamer Anblick, denn die schief stehende Kirche wird von zwei großen ockerfarbenen Stahlträgern gehalten. Die Kirche droht es auseinanderzureissen und so wird seit einem halben Jahr das Fundament freigelegt, um die Kirche auf eine Stahlbetongründung zu setzen.

Vor 500 wirkte hier Johannes Sylvius Egranus, ein Freund von Martin Luther und ab 1520 auch Thomas Müntzer, der dann nachfolgend zur Zwickauer Katharinenkirche wechselte. Ab 1521 predigte Nikolaus Hausmann, der hier 1524 die erste Messe in deutscher Sprache hielt.

Dom St. Marien (Zwickau)

Dom St. Marien Zwickau

Vom Zwickauer Dom führt der Lutherweg an der Katharinenkirche vorbei nach Marienthal. Eigentlich wollte ich mit dem Fahrrad die Stadt schnell verlassen, aber die kleinen Schilder sind schnell zu übersehen und so schaltete ich einen Gang runter. Ähm, auf dem vorderen Kettenblatt.

In Marienthal wurde 1722 eine Kirche errichtet, um 1900 abgerissen und neu gebaut: die Pauluskirche. Diese Kirche machte 1989 von sich reden, denn hier fand das Zwickauer Friedensgebet statt, mit einem nachrfolgenden Demonstrationszug zum Stadtzentrum. Luther hätte das sicher nicht gefallen, er war in Bezug auf die weltliche Macht ja eher sehr obrigkeitshörig, dass entspricht eher der Tradition der Zwickauer Propheten.

Pauluskirche Zwickau

Pauluskirche Zwickau

Von der Pauluskirche aus geht es nach Norden und nach ein paar Straßen steht man dann vor dem Südhang. Berge stehen in allen Religionen für Gottesnähe, auch im Christentum spielt sich einiges – von Abraham über Moses bis hin zur Bergpredigt – auf Erhebungen ab. Dann wollen wir das Fahrrad mal raufschieben. KGV Am Südhang – da raucht kein Dornenbusch, das sind nur die Würstchen auf dem Grill.

Oben auf dem Berg ein Blick zurück: Schon vor über eintausend Jahren sind hier Pilger, auf dem Weg zum Grab des Apostels Jakobus in der spanischen Stadt Santiago de Compostela, gewandert. Der Jakobsweg, der bekannteste Pilgerweg der Welt, auch Sternenweg genannt. Da das Konzept des Pilgerns ja einen Ablasshandel darstellt, ist es ja besonders witzig, dass der sächsische Lutherweg genau verkehrt herum auf dem Jakobsweg führt.

Südhang

Südhang

Nach einem Stück auf der Straße führt der Lutherweg nun in den Weissenborner Wald. An der Waldbühne machte ich eine Pause mit drei Schokoriegeln, die ich am Bahnhof in Zwickau gekauft hatte. Sie waren schon angeschmolzen, denn die Temperatur hatte inzwischen 26° erreicht.

An Bellmanns Brunnen soll, nach einer alten Sage, ein Vogelfänger namens Pöllmann am Biss einer Kreuzotter gestorben sein. 2017 lag da ein junger Mann auf dem Tisch vor der Holzhütte und schaute in den Himmel. Beim Träumen erwischt schreckte er hoch und guckte etwas verwirrt, als ich das Fahrrad die Treppen hochtrug.

Weissenborner Wald

Weissenborner Wald

Nach dem Wald geht es auf kleinen Straßen weiter nach Crimmitschau. Bergauf, bergab. Ein bisschen Wandern, ein bisschen Radfahren. Vor fünfhundert Jahren wurden für Autobahnen, Landstraßen und Zugstrecken noch keine Berge abgetragen. Selbst kleine Reisen waren ein beschwerliches Unterfangen. Andererseits hatte Kolumbus bereits 25 Jahre vor Luthers Thesenanschlag Amerika entdeckt. Aber das einzig wirklich schöne Reisen ist auf einem fliegenden Teppich.

Alternative Reisemöglichkeiten

Alternative Reisemöglichkeiten?

Über die Kirche Steinpleis – die gerade renoviert wurde – führt der Lutherweg weiter nach Crimmitschau. In Crimmitschau bekam ich einen leichten Zivilisationsschock. Nach dem beschaulichen Stunden im Wald und auf den ruhigen Dorfstraßen, radelte ich rasant durch den Ort und traf dann auf die Pleiße. Dort ging es am Ostufer nach Norden. Damit entging mir leider die Kirche St. Laurentius, die zu Luthers Zeiten entstand und mit dem Gustav-Adolf-Fenster auch Luther zeigt.

Kirche Steinpleis

Kirche Steinpleis

Die Kirche in Frankenhausen – heute ein Ortsteil von Crimmitschau – wurde um 1200 errichtet. Neben der Kirche befinden sich Reste des ehemaligen Klosters „Zur Heiligen Jungfrau Maria“ – ein Frauenkonvent, der sich an das Regelwerk des Zisterzienserordens anlehnte und 1292 entstand.

Frankenhausen

Frankenhausen

Nun entspricht der Lutherweg dem Pleißeradweg, den ich schon einmal gefahren bin. Es ist noch ordentlich hügelig und ich wanderte öfters und schob dabei das Fahrrad. Auch hier ein Blick zurück auf das Dorf und die Kirche Ponitz. Die Kirche hat eine der wenigen Silbermann-Orgeln, die außerhalb von Sachsen errichtet wurden. Außerhalb von Sachsen meinte das Herzogtum Sachsen-Altenburg – heute sind wir in Thüringen.

Kirche Ponitz

Kirche Ponitz

Ein kleiner Beobachter am Wegesrand erinnerte mich an den Altenburger Ziegenkäse, der allerdings weiter östlich hergestellt wird. Erstaunlicherweise enthält der Weichkäse nur ab 15 Prozent Ziegenmilch, dafür aber ordentlich Kümmel. Ob es zu Luthers Zeiten schon Ziegenkäse gab ist nicht bekannt, erstmals erwähnt wird er erst 1862. In den oberdeutschen Dialekten heißen die Tiere Geiß und Geißbock. Erst durch Luthers Bibelübersetzung hat sich „Ziege“ durchgesetzt.

Beobachter

Beobachter

Weiter auf dem Rad durch das Altenburger Lösshügelland. Maltis wurde 1188 erstmals erwähnt. Die evangelisch-lutherische Dorfkirche St. Anna entstand im 16. Jahrhundert und hat eine Poppe-Orgel, eine barocke Kassettendecke und geschnitzte Figuren an der Kanzel. Nach der Reformation siedelte der Pfarrer nach Saara um.

Kirche Maltis

Kirche Maltis

Dorthin führte nun auch der Lutherweg. Saara liegt am Einfluß der Sprotte in die Pleiße und hat einen Pfarrer. Die Saalkirche in Saara besitzt eine Uhr, die anstatt der Ziffern den Spruch „Nutze die Zeit“ trägt. Inzwischen hatte ich auch keine Lust mehr und beschloss in Altenburg die Tagesetappe zu beenden.

Kirche Saara

Kirche Saara

Dieser alte Weg, der sich von Zwickau über Altenburg und Leipzig bis nach Wittenberg schlängelt ist eine alte Reichsstraße, die von Rom bis nach Stettin führte. Die Via Imperii ist auch ein bekannter deutscher Pilgerweg. Über die Straße gelangte man nach Santiago de Compostela, aber auch nach Rom und Jerusalem. Man musste früher auch Zölle bezahlen, dafür gab es dann funktionierende Brücken.

Via imperii

Via imperii

Vor Altenburg kam ich dann leider vom Weg ab und gelangte nach Nobitz. Nach dem Bernsteinzimmer, dass einige dort vermuten, habe ich nicht gesucht. Eher nach Schatten. Ich fuhr nach Osten und kam endlich in Altenburg an. Dort schob ich erstmal das Fahrrad den Berg hinauf, um dann auf der anderen Seite mit einer rasanten Fahrt den Berg hinab zum Schloss zu fahren. Dann gings weiter zum Bahnhof und mit der S-Bahn zurück nachhause.

Altenburg

Altenburg

Von Altenburg nach Leipzig (19. Mai 2017)

Am Vormittag des 19. Mai 2017 fuhr ich mit der S-Bahn S5X nach Altenburg. Dort radelte ich wieder auf den Lutherweg. Da ich keine Lust hatte, am Altenburger Schloss den Berg hochzufahren, hielt ich mich auf der Straße in Richtung Remsa. Zwischendurch gab es leider eine kleine Straßensperrung, die ich aber einfach durchfuhr.

Remsa

Remsa

Nun ging es erstmal über eine Wiese, wo Fleckvieh fröhlich graste. Um ein paar Ecken und man steht vor dem Wasserschloss Windischleuba. Seit 1977 ist das Schloss eine Jugendherberge und als Schüler habe ich da mal übernachtet. Zuvor fährt man an der Nikolaikirche vorbei.

Schloss Windischleuba

Schloss Windischleuba

Nach dem Schloss folgt die Talsperre Windischleuba, die die Pleiße aufstaut. Hier rastete ich idyllisch bei Familie Schwan. Eine wirklich schöne Gegend. Dann führt der Lutherweg durch den Wald, ein Stück die Landstraße entlang, zum Campingplatz Pahna. Neben der seltenen Beschilderung des Weges, hatte hier jemand mit grüner Sprayfarbe Pfeile gemalt.

Talsperre Windischleuba

Talsperre Windischleuba

Zur Zeit Luthers gab es in Deutschland bereits Bockwindmühlen. Die ganze Windmühle ist dabei drehbar auf einem Bock gelagert. Holländermühlen, bei denen sich nur der Dachteil dreht, wurde erst Ende des 16. Jahrhunderts entwickelt. Die Neuholländermühle in Wyhra mahlt aber nur Kaffee. Leider nur am Wochenende.

Neuholländermühle Wyhra

Neuholländermühle Wyhra

Also weiter zur Wassermühle. Auch so etwas gab es schon zu Luthers Zeiten, allerdings nicht als Hotel herausgeputzt und nicht so romantisch, wie es vielleicht heute ausschaut. Im Winter fror der Mühle ein, im Sommer hatte sie kein Wasser, dazwischen schnell das Korn gemahlen. Leider sind zur Mühle kaum Informationen zu finden.

Schlossmühle Zedtlitz

Schlossmühle Zedtlitz

Übrigens, der erste Blick auf Zedlitz ist eine Postkartenidylle: der Wyhratalviadukt vor der Zedtlitzer Kirche. Und nach der Wassermühle gibt es Streetart: einen alten gebogenen DDR-Betonzaunspfahl, der abgeknickt und mit Mosaik versehen wurde. Da kann man bis Borna drüber nachdenken.

Zedtlitz

Zedtlitz

In Borna übernachtete vom 4. zum 5. März 1522, zu Aschermittwoch, ein gewisser „Junker Jörg“ bei seinem Freund Michael von der Straßen und schrieb einen Brief an den sächsischen Kurfürsten Friedrich. Er hatte sich ein Jahr lang auf der Wartburg versteckt, da er exkommuniziert und für vogelfrei erklärt worden war. Dort hatte er das Neue Testament ins Deutsche übersetzt. 220 Seiten in nur elf Wochen.

Reichstor Borna

Reichstor Borna

Dabei erfand er zahlreiche Worte, die sich bis heute in unserer Sprache gehalten haben: Feuertaufe, Bluthund, Selbstverleugnung, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Gewissensbisse, Lästermaul und Lockvogel. Auch Redewendungen wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im Schafspelz“ und „der große Unbekannte“ gehen auf Luthers Bibel zurück. (zusammengetragen von Jan von Flocken)

Wyhratalradweg

Wyhratalradweg

Borna war übrigens die erste Stadt auf sächsischem Boden in der evangelisch gepredigt worden ist. Martin Luther persönlich hatte 1519 Wolfgang Fusius nach Borna vermittelt.
Der Wyhratalradweg ist übrigens eher langweilig. Es geht immer schön an der Bundestraße B 176 entlang. Und in Neukieritzsch war leider die Pleißebrücke gesperrt, so das ich über Lippendorf weiterfuhr.

Denkmal Neukieritzsch

Denkmal Neukieritzsch

In Lippendorf wurde Katharina von Bora geboren, die 1525 Luther in Wittenberg heiratete. Lurther kaufte 1540 Katharina Luther als Witwensitz (gedacht zur Altersversorgung) das Gut Zöllsdorf bei Kieritzsch. Das Gut musste 1990 dem Tagebau Peres weichen. Ein Gedenkstein in Neukieritzsch erinnert heute an die Luthers.

Kraftwerk Lippendorf

Kraftwerk Lippendorf

An der langen S71 ging es dann nach Zwenkau – vorbei am Kraftwerk Lippendorf, wo der Strom und Wärme für Leipzig erzeugt wird. In Zwenkau fuhr ich dann zum Rundweg des Zwenkauer Sees, einer alten Braunkohlegrube. Von dort ging es durch die Neue Harth nach Gaschwitz. Die Neue Harth ist eine Braunkohlegrube die zugeschüttet und wieder aufgeforstet wurde.

Zwenkauer See

Zwenkauer See

In Gaschwitz ging es dann auf dem Pleißeradweg weiter nach Leipzig. Der Lutherweg verläuft etwas anders, aber im Leipziger Südraum ist eh nichts mehr original: da wurden Flüße begradigt, umgelegt und Dörfer überbaggert. Dann auch noch am Wildpark eine Umleitung des Pleißeradweges.

Pleisseradweg

Pleißeradweg

Die Reformation hielt Pfingsten 1538 in Leipzig Einzug, als Justus Jonas mit Luther zu Pfingsten in der Leipziger Nikolaikirche predigte. Später hielt Jonas in der Eislebener Andreaskirche die Leichenpredigt auf Luther. In Leipzig ist derweilen der Bärlauch am Blühen, der bereits im Mittelalter gegessen oder zum Teil auch als Arznei verwendet wurde.

Bärlauch

Bärlauch

Brandenburg II – Von Cottbus nach Lauchhammer

Die Tour Brandenburg ist ein über eintausend Kilometer langer Radweg, der – rund um Berlin – durch ganz Brandenburg führt. Es gibt ein Tourenbuch von bikeline, wo die Gesamttour in kleinere Tagesabschnitte aufgeteilt ist. Den ersten Teil fuhr ich im November 2014. Dabei übersprang ich die ersten beiden Etappen ab Brandenburg, da sie den Havelradweg und dem Elberadweg entsprechen, und startete in Wittenberge. Damals kam ich bis Fürstenwalde.

Cottbus Hauptbahnhof

Cottbus Hauptbahnhof

Ab dem 16. Mai 2017 begann ich den zweiten Teil der Tour Brandenburg. Auch diesmal wurden ein paar Kilometer übersprungen und ich starte in Cottbus. Der RE 18385 fuhr vom Bahnsteig 10 des Leipziger Hauptbahnhofes und war pünktlich gegen 11.00 Uhr in Cottbus. Der Bahnhof Cottbus (dort Hauptbahnhof genannt) wird seit 2016 umgebaut. Zum Regio120plus-Ticket für 20 Euro kaufte ich noch eine Fahrradkarte für inzwischen 5,50 Euro.

Cottbus

Cottbus

Nach kurzer Fahrt zur Spree, gelangte ich auf den mir bereits bekannten Spree-Radweg. Lutz? Vielleicht konnten sie sich noch an mich erinnern. Zwischen Fürstenwalde und Spremberg entspricht die Tour Brandenburg der Alternativ-Route des Spree-Radweges, den ich nun 30 Kilometer verkehrt herum über Frauendorf nach Spremberg fuhr.

Frauendorf

Frauendorf

Aber erstmal gelangt man zur Talsperre Spremberg. Neben der Anlage zur Stromerzeugung am Nordende, dient die Anlage vor allem zum Hochwasserschutz. Bei Hochwasser füllt sich das Staubecken und die Freileitungsmasten stehen dann im Wasser. Bei Bühlow fährt man drunter durch und gelangt zur Westseite der Spree und Spremberg.

Talsperre Spremberg

Talsperre Spremberg

Spremberg verliess ich gleich wieder und fuhr in anstrengenden Aufstiegen zur Hochkippe Pulsberg westlich von Spremberg. Die Hochkippe wurde bis 1986 mit dem Aufschluss des Tagebaus Welzow-Süd aufgeschüttet, später aufgeforstet und ist heute ein Erholungsgebiet. Steine erinnern an die weggebaggerten Ortschaften. Die Kohle von Welzow-Süd ist für das Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe, auf das man in der rasanten Abfahrt von der Hochkippe zufährt.

Kraftwerk Schwarze Pumpe

Blick von der Hochkippe Pulsberg zum Kraftwerk Schwarze Pumpe

Zwischenzeitlich machten sich starke Ermüdungserscheinungen breit. Das kleine Frühstück mit Cappuccino und Bambina hatte sich nun aufgebraucht und ich fuhr auf Reserve. Nach einem weiteren Anstieg und zehn Kilometern machte ich dann erstmal eine Zwangspause. Leichter Nieselregen. Bei den folgenden Fahrten um Parwitzer See und Geierswalder See war ich dann schon auf Hotel-Suche. Leider war die Gegend etwas teuer. 195 Euro für die Nacht im Hausboot.

Lausitz Resort

Lausitz Resort am Geierswalder See

Nach dem Geierswalder See kommt der Senftenberger See und dazwischen der Koschener Kanal mit einer Bootsschleuse. Der Radweg führt um den See herum. Alle Hotels ausgebucht. Nordwestlich der Stadt ist der Lausitzring und dort war DTM und ADAC GT Masters gemeinsam am selben Wochenende. Die Jugend hat das Seeufer in Beschlag genommen. Zwei Cola an einem Biergarten. Niemtsch und dann zur Schwarzen Elster.

Koschener Kanal

Koschener Kanal

Nun ging es an der Schwarzen Elster entlang nach Biehlen und dann weiter nach Schwarzheide. Auch hier hielt ich an Pension und Hotel: ausgebucht. Es machte sich langsam die Erkenntnis breit, dass das so weiter gehen würde. Ich suchte auf der Karte den nächsten Bahnhof und eine Zugverbindung. Die letzte Direktverbindung nach Leipzig mit der S-Bahn S4 würde ich nicht schaffen, aber Züge fuhren noch.

Schwarze Elster

Schwarze Elster bei Biehlen

In Schwarzheide nieselte es wieder. Ich hatte bei der Reiseplanung einiges über Schwarzheide gelesen: Wasserturm, Frauke Petry, BASF, KZ-Außenlager und Lutherkirche. In Erinnerung wird mir aber die lange, lange Straße bleiben. In Schwarzheide West, früher das Dorf Zschornegosda, biegt der Radweg dann nach links ab. Hier wurde ab 1892 Braunkohle abgebaut und in einer 1897 gegründetenn Brikettfabrik verarbeitet.

Wasserturm Schwarzheide

Wasserturm Schwarzheide

Die Restlöcher sind heute Seen. 1754 wurde die Lutherkirche gebaut und mehrfach erweitert. Nach ein paar Kilometern kommt Lauchhammer Süd, wo ich den Radweg verliess und nach Lauchhammer West fuhr, wo eine DB-Mitarbeiterin den Bahnhof bewachte. Ich musste noch auf die letzte Verbindung nach Leipzig warten, dann ging es 21.14 Uhr mit der RB 18437 nach Elsterwerda-Biehla, dann mit der RB 18339 nach Priestewitz und letztendlich mit dem RE 16536 nach Leipzig.

Lutherkirche Schwarzheide

Lutherkirche Schwarzheide

Seltsamerweise spukte mir der Fahrkartenautomat ein Sachsen-Ticket für 24 Euro aus, obwohl Lauchhammer eindeutig in Brandenburg liegt. Die Zugbegleiterinnen hatten keine Probleme damit. In Leipzig wurden wir dann um Mitternacht von der Polizei empfangen. Gegen 23.15 Uhr hatte ein „Terroranschlag“ stattgefunden. Maschinenpistolen, Absperrungen, Polizisten, Polizeiautos, Polizeibusse und insgesamt die größte Ansammlung von Polizei die ich je gesehen habe.

Wald

Wald

Der „Terroranschlag“ war aber nur eine Übung und so verließ ich den Hauptbahnhof über einen Seiteneingang und radelte nachhause. Da sich die Hotelsituation in der Lausitz vermutlich erst nächste Woche entspannt, werde ich nun erstmal die nächste geplante Radtour vorziehen: den Lutherweg in Sachsen.

Insel und Mauer: Von Usedom nach Leipzig

Die erste Etappe des Tages führte auf dem Radweg Berlin-Usedom von Usedom nach Anklam. Die beiden Fähren in Karnin hatte ich gleich abgeschrieben, da ich pünktlich 11:05 Uhr am Anklamer Bahnhof sein musste. So fuhr ich über Vossberg entlang der Bundesstraße 110 zur Zecheriner Brücke.

Stromleitung

Stromleitung

Unterwegs unterquert man die Stromleitung Anklam-Bansin mit ihren seltsam verspannten Masten. Es ist eine 100-kV-Leitung die bei Karnin den Peenestrom überquert. Die beiden dortigen 85-Meter-Masten und die 780 Meter-Überquerung sind sehr beeindruckend. Mit dieser Leitung wird die Insel Usedom mit Strom versorgt. Nach Kriegende wurde bei Peenemünde eine weitere Leitung über die Peene gebaut, um den Strom des Kraftwerkes der ehemaligen Heeresversuchsanstalt zum Festland zu leiten.

Zecheriner Brücke

Zecheriner Brücke

Die Zecheriner Brücke ist die zweite Brücke zur Insel Usedom. Es ist eine Stahlgitterbrücke mit einem Klappteil. Auch hier gibt es Brückenöffnungszeiten, die ich jedoch nicht in Erfahrung gebracht habe. Auch diese Brücke führt über den Peenestrom, einem der drei Mündungsarme der Oder in die Ostsee. Den Namen hat der Peenestrom von der Peene, die durch Anklam fliesst und bei Nordostwind auch mal die Fliessrichtung wechselt.

Totholz

Totholz

Von der Zecheriner Brücke bis Johannishof führt ein drei Kilometer langer Damm, mit einer recht interessanten Landschaft. So gab es nördlichen ein Totholzwald zu sehen und südlich interessante Wasserpflanzen. Dann ging es über Pinnow, Libnow und Relzow nach Anklam weiter. Dort überquerte ich wieder die Peene.

Anklam

Anklam

In Anklam fand ich den Bahnhof nicht mehr und musste zum Handy greifen, stand dann aber pünktlich am Bahnhof und kaufte ein Quer-durchs-Land-Ticket und ein Fahrrad-Ticket. Im Zug plante ich nochmal um, fuhr nun bis Berlin-Gesundbrunnen, wo ich 13:21 Uhr ankam und die zweite Etappe des Tages begann: der Berliner Mauerweg, Teil2.

Mauerpark

Mauerpark

Vom Bahnhof Gesundbrunnen bin ich gleich auf die Bornholmer Straße und auf den Mauerradweg, der hier gleichzeitig auch der Radweg Berlin-Usedom ist. Sonntagnachmittag. Schönes Wetter. Straßenmusik. Menschenmassen im Mauerpark – ich bekam einen kleinen Zivilisationsschock.

Mauerreste Bernauer Straße

Mauerreste Bernauer Straße

Langsam arbeitete ich mich mit dem Fahrrad durch die Reisegruppen und Menschentrauben. Dann bog ich in die Bernauer Straße ab, wo noch ein Stück der originalen Mauer mit Wachturm zu sehen ist. Der Radweg führt nun – etwas verwinkelt – zur Spree und zum Regierungsviertel.

Reichstag

Reichstag

Ich fuhr am Paul-Löbe-Haus vorbei und machte am Reichstagsgebäude eine kleine Pause. Ich wurde sofort umringt – von Spatzen auf Futtersuche. Vor dem Reichstag gab es wieder viele Menschen und ich beschloss auf der Wilhelmstraße weiterzufahren. So gelangte ich zum Denkmal für die ermordeten Juden in Europa.

Holocaust Mahnmal

Holocaust Mahnmal

Hatte das Holocaust-Mahnmal am Anfang vor allem Akzeptanzprobleme, so sind es heute Risse im Beton, die zu schaffen machen. Einige Stelen müssen nun Stahlmanschetten tragen. „This is a place of no meaning“, sagte Architekt Peter Eisenman. Über die Bedeutung des Potsdamer Platzes – ein paar Meter weiter – kann man sich streiten.

Potsdamer Platz

Potsdamer Platz

Ich hielt auch nur kurz an, um ein Foto zu machen, dann ging es weiter in die Stresemannstraße und die Niederkirchnerstraße. Dort steht auch noch ein Stück Mauer. Allerdings eingezäunt. Die Mauerspechte haben fleißig geknabbert und so sind schon große Löcher im Beton.

Niederkirchnerstraße

Niederkirchnerstraße

Nach Überquerung der Wilhelmstraße folgte die Friedrichstraße mit dem Checkpoint Charlie. Dann ging es weiter, um die Bundesdruckerei herum, zum ehemaligen Übergang Prinzenstraße. Ein paar Meter weiter drehte derweilen Skate-Dog seine Runden. Der kleine Youtube-Star war aber etwas lustlos. Ich auch – etwas zuviel Hauptstadtrummel.

Skate-Dog

Skate-Dog

Weiter über die Köpeniker Straße – da ist der „Tresor“, über die Spree, um das YAMM herum zur Eastside-Gallery. Auch hier stehen inzwischen Zäune und Menschentrauben. Über die Oberbaumbrücke zurück zu anderen Spree-Seite und dann durch Treptow zum Plänterwald und zum ehemaligen Übergang Sonnenallee.

Eastside-Gallery

Eastside-Gallery

Nach der Überquerung des Britzer Zweigkanals wird es sehr ruhig. Zwischen Spreekanal und Autobahn A113 geht es ein paar Kilometer einen breiten Weg entlang. Viel Graffiti: von 1UP bis +-0. Mit einer sehr langen Auffahrt über die Autobahnbrücke zur anderen Kanalseite. Dort, kurz vor der Rudower Höhe, wieder ein Mauerrest und zwei Stelen für Horst Kutscher und Johannes Spreng.

Mauerreste

Mauerreste

Der Mauerweg führt nun weiter an der A113 entlang, die allerdings zweimal unterirdisch verschwindet, nach Schönefeld. Ehemaliger Spionagetunnel. Kinder die Drachen steigen lassen. Ein Imbiss mit dem Namen „Am Ziel“. Bin ich ja fast – Zeit für einen Kaffee.

Am Ziel

Am Ziel

Die letzten Kilometer der Westberlin-Umrundung versinken in Finsternis. Schlagartig wurde es Dunkel. Bis Mahlow wurde es noch einmal richtig anstrengend. Kaum ein Schild ist noch zu erkennen. Ich fahre teilweise Abkürzungen. Endlich angekommen geht es im Eiltempo zu Bahnhof Lichterfelde-Ost.

Rückfahrt

Rückfahrt

Zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges komme ich am Bahnhof an. Der Zug hat aber fünf Minuten Verspätung. Mit dem RE3353 ab 18.50 Uhr nach Wittenberg, dort in die RegioBahn nach Bitterfeld und letztendlich mit der S-Bahn S2 zum Bahnhof Wilhelm-Leuschner-Platz.

Insel und Mauer: Von Leipzig nach Wolgast

Der zweite Teil der Radtour, der eigentlich aus der Rückfahrt von Usedom nach Leipzig bestehen sollte, sollte nun erst im Oktober 2016 stattfinden. Auch in meiner Urlaubswoche musste ich die Fahrt nochmal verschieben, so das letztendlich nur vier Tage zur Verfügung standen. Am Freitag, den 28. Oktober, startete ich mit dem RE 18385 nach Falkenberg und nach einer längeren Wartezeit ging es dann mit dem RE 3310 weiter nach Anklam, wo ich dann mit vierzig Minuten Verspätung ankam.

Anklam

Anklam

Eigentlich wollte ich gleich auf die Insel fahren, aber wegen Bauarbeiten ging es nur bis Anklam. Von dort gab es Schienenersatzverkehr mit einem Bus, welcher natürlich keine Fahrräder mitnimmt. So hatte ich schon in Leipzig geplant, gleich nach Wolgast zu radeln, um von dort aus die Insel zu erkunden.

In Anklam hatte ich schon 2012 das Otto-Lilienthal-Museum besucht, am Steintor fuhr ich direkt vorbei und die Peendamm-Mühle sah ich, als ich nördlich, neben der Bundestraße, die Stadt verliess. Dabei überquerte ich die Peene, einem sehr interessanten Fluß – dazu später mehr.

Rubkow

Rubkow

Nach drei Kilometern teilt sich der Radweg. Man kann nach Osten abbiegen und über die Zecheriner Brücke auf die Insel Usedom gelangen. Das ist der Radweg Berlin-Usedom, den ich schon zweimal mit den Anklamer Fähren abgekürzt habe. Oder man fährt weiter nach Norden.

Über Rubkow und Zemitz geht es nach Wolgast – dem Tor zur Insel Usedom. Dort steht die zweite Brücke zur Insel, über die auch die Usedomer Bäder-Bahn fährt. Vor Zemitz gab es viele Umleitungsschilder, aber die Bauarbeiten waren bereits beendet. So gelangte ich relativ schnell nach Wolgast.

Wogast

Peene-Werft Wolgast

In Wolgast wurde es dann dunkel und so beschloss ich in der Stadt zu übernachten. Gegenüber der Peene-Werft kam ich in einem kleinen Hotel unter und so endete der erste Tag mit fünf Stunden Zugfahrt und zwanzig Kilometern auf dem Rad.

Mulde-Radweg: Von Nossen nach Grimma

Auch der letzte Tag auf dem Mulderadweg begann etwas beschaulich. Nachdem Frühstück in der Pension ging es gegen 10.00 Uhr auf den Weg durch Nossen. Hier beginnt die Bahnstrecke nach Holzhau (vorher Moldava) die 1873 eröffnet wurde und 1880 nach Riesa erweitert wurde. Bereits seit 1868 gab es die Eisenbahnlinie Borsdorf(Leipzig)-Döbeln-Nossen-Meißen-Coswig(Dresden). 1899 wurde die Schmalspurbahn von Freital über Potschappel nach Nossen verlängert. Vom Bahnnetz ist nicht mehr viel übrig, aber der Ort hat einen Dampflok-Verein mit historischen Fahrzeugen.

Nossen

Nossen

Heute steht Nossen eher für den Autoverkehr: Die BAB A4 führt am Ort vorbei und an einem Autobahndreieck beginnt die A14. Durch Nossen führt die B101, von der die B175 abzweigt. Es gibt leider nur einen Radweg: den Mulderadweg, der nun zur Klosterruine Altzella weiterführt. Das Zisterzienserkloster gab es von 1170 bis 1540. Von 1190 bis 1381 wurden dort die Wettiner verbuddelt.

Klosterruine Altzella

Klosterruine Altzella

Der Radweg führt nun nach Westen. Nach sechs Kilometern, entlang von Mulde und Bahnlinie Borsdorf-Coswig, kommt man nach Roßwein. Der ort machte einen eher langweiligen Eindruck. Interessant fand ich den Freifallturm. Das ist ein Versuchsturm des Mitteldeutschen Fachzentrums Metall und Technik für Aufzugstechnik. Es wird geschult wie Aufzugstüren, Seile, Antriebsaggregate und Sicherheitskomponenten montiert, eingestellt und gewartet werden. Darüber hinaus können Sicherheitstrainings gefahrlos realisiert werden.

Roßwein

Roßwein

Bereits im 8. Jahrhundert war Döbeln von Slawen, ab dem 10. Jahrhundert von den Ottonen besiedelt. Die Siedlung entstand geschützt auf einem Werder. Die Muldeninsel ist 17 Hektar groß und bildet auch heute noch das Stadtzentrum. Das heutige Rathaus wurde 1912 im Neorenaissancestil erbaut. Die Leitung des Baus hatte der Leipziger Architekten Hugo Georg Licht, der in Leipzig den Bau des Neuen Rathauses leitete.

Döbeln

Rathaus Döbeln

Eine recht unlustige Sache war der Bierzwang. Fast alle Dörfer im Umkreis einer Meile mußte ihre alkoholischen Getränke in Döbeln kaufen. So brauten die Döbelner bis zu 1300 Faß Bier im Jahr. 1720 wurde der Bierzwang gelockert und seit 2015 darf man auf den Klosterwiesen keinen Alkohol mehr trinken. Es geht voran.

Durch die Klosterwiesen führt auch der Mulde-Radweg. Die Wiesen wurden von einem Benediktinerinnenklosters, später vom Militär genutzt. Nach dem Jahrhunderthochwasser wurde alles eine Parkanlage. Der ehemalige Schießstand kann nun fürs bouldern genutzt werden. Außerdem wurde eine 400 Meter lange MTB-STrecke eingerichtet.

Döbeln

Döbeln

Ein paar Kilometer nach Döbeln mündet die Zschopau in die Freiberger Mulde. Der Fluß entspringt am Nordhang des Fichtelberges und bringt hier sehr viel Wasser in die Mulde ein. Der Fluß ist durch die Kriebstein-Talsperre und die Bankrottmeile bekannt. Auf der Bankrottmeile mussten sechs Viadukte gebaut werden, die Eisenbahngesellschaft wurde zahlungsunfähig und dann verstaatlicht.

Zschopau-Mündung

Zschopau-Mündung

Leisnig kennt man eigentlich nur durch die Burg Mildenstein, die auf einem Sporn oberhalb der Freiberger Mulde liegt. Weil die früher ziemlich faul waren, wurde Menschen und Wasser per Esel auf die hohe Burg befördert. Der Eselbrunnen existiert sogar noch. Mein Drahtesel hat sich heweigert den Berg zu erklimmen. In Leisnig gibt es hervorragenden Kuchen, den ich aber erst drei Kilometer weiter, in Polditz, gegessen habe.

Burg Mildenstein

Burg Mildenstein

Auf der folgenden Strecke machen Mulde, Radweg und Bahnlinie einen nördlichen Bogen um den Rosenberg. Beim Jahrhunderthochwasser von 2002 wurden bei Tanndorf 500 Meter Bahndamm völlig zerstört. Erst nach zwei Jahren konnte die Strecke wieder durchgehend befahren werden. Die Reparatur kostete 45 Millionen Euro. Auch viele Häuser wurden zerstört und mussten wieder aufgebaut werden. In Marschwitz war eines dieser Häuser zu sehen. Sehr gelungen.

Marschwitz

Marschwitz

Danach folgt der 2010 fertiggestellte Solarpark Bockelwitz II im Gewerbegebiet von Marschwitz. Auf einer Fläche von 5,3 ha hat die Kirchner Solar Group GmbH 10.604 kristalline YL230P-29b von Yingli Solar auf Nachführsystemen mit einer Leistung von 2438 kWp installiert. Im Solarpark Bockelwitz I, ein Stück weiter, hat Wagner Solartechnik GmbH 24.428 kristalline His-M206SF von Hyundai Heavy Industries auf 13,3 ha mit einer Leistung von 4700 kWp aufgestellt.

Solarpark Bockelwitz II

Solarpark Bockelwitz II

Am Schloss Podelwitz vorbei ging es dann in Richtung Sermuth. Allerdings gab es eine Umleitung und ich fuhr an der Muldevereinigung vorbei. Da ich dort schon entlang kam, war das nicht weiter tragisch. Die folgenden zehn Kilometer war ich ja bereits gefahren. In Grimma bin ich dann die letzten zwei Kilometer gemütlich gelaufen. Am Bahnhof gab es einen großen Kaffee.

Schloss Podelwitz

Schloss Podelwitz

Die Heimfahrt erfolgte mit der RegioBahn 26383 die über Borsdorf in einer halben Stunde den Leipziger Hauptbahnhof erreichte. Wenigstens dieser Teil der Bahnstrecke Borsdorf-Coswig ist noch in Betrieb und, so voll wie der Zug war, wird dies auch so bleiben. Dann fuhr ich noch mit der S-Bahn zum Wilhelm-Leuschner-Platz. Vier-Zonen-Ticket für 5.80 Euro.

Grimma

Grimma

Den ursprünglichen Plan, eventuell von Grimma aus, auf dem Parthe-Radweg nach Leipzig zu fahren, habe ich wegen Zeitmangel aufgegeben. Außerdem bin ich diese Strecke von Leipzig aus bereits gefahren.

Mulde-Radweg: Von Holzhau nach Nossen

Den zweite Teil des Mulde-Radweges befuhr ich ab dem 19. April 2016. Vom Wilhelm-Leuschner-Platz ging es mit der S-Bahn 5X nach Zwickau. Von dort mit dem RegioExpress 4787 nach Freiberg. Zuletzt ging es auf der Bahnstrecke Nossen-Moldava bis nach Holzhau. Seit 1972 endet die Bahnstrecke in dem kleinen Ort, seit 2000 wird die Strecke von der Freiberger Eisenbahngesellschaft betrieben.

Holzhau

Holzhau

Die FEG (Rhenus Veniro GmbH & Co. KG und verschiedene Busunternehmen) fährt mit drei Stadler RegioShuttle RS1. Das Unternehmen schaffte es, die Strecke mit 15 Millionen Euro zu sanieren und damit die ursprüngliche Fahrzeit um ein Drittel zu senken. Wegen dem Sachsen-Ticket fuhr ich erst 9.42 Uhr los und war daher auch erst 13.20 Uhr in Holzhau. Es war eher kalt, ein kühler Wind wehte durch das Muldetal.

Mulde

Mulde

Die Freiberger Mulde entspringt fünf Kilometer weiter in Tschechien, in Holzhau ist bereits ein ordentlich breiter Bach zu sehen. Wie der Name vermuten lässt, lebte man hier von der Forstwirtschaft. Das Holz wurde dann auf der Mulde bis nach Freiberg geflösst. Heute lebt man eher vom Wintersport, der Skilift hat sogar einen eigenen Bahn-Haltepunkt.

Rechenberg

Rechenberg

Einen Radweg gibt es übrigens nicht, man fährt einfach auf der Landstraße. Auch eine Beschilderung ist nicht vorhanden. Man fährt einfach entlang der Bahnstrecke und der Mulde nach Rechenberg-Bienenmühle und weiter nach Mulda. Dort zweigte früher eine Schmalspurbahn nach Sayda ab. Die Schmalspurbahn Mulda–Sayda gab es von 1897 bis 1966, in Mulda fährt man an den Resten der Talbrücke vorbei.

Schmalspurbahn Mulda-Sayda

Schmalspurbahn Mulda-Sayda

Nach vier Kilometern kommt man nach Weigmannsdorf. Hier mündet die Gimmlitz in die Mulde. Der 25 Kilometer lange Fluß entspringt bei Holzhau. Im Gimmlitz-Tal liegt Lichtenberg. Der Ort wurde zur Jahrhundertflut 2002 vorsichtshalber evakuiert, weil man nicht sicher war, ob die Talsperre Lichtenberg am Burgberg dem Druck der Gimmlitz standhält. Nach weiteren vier Kilometern ist man in Weißenborn.

Weigmannsdorf

Weigmannsdorf / Lichtenberg

Weißenborn hat eine Bergbauvergangenheit bis 1852, Uran hat man glücklicherweise nicht gefunden, dafür gibt es seit 1871 eine Papierfabrik. Die Fabrik gehört heute zur Felix Schoeller Gruppe und stellt Spezialpapiere her. Eine weiteres Werk des Unternehmens befindet sich in Penig an der Zwickauer Mulde. Der folgende Weg durch den Wald ist sehr schön gemacht – Holztafeln erklären Geschichtliches.

Weißenborn

Weißenborn

Zwischen Rosine und Rosinen ging es dann nach Freiberg. Hier gibt es Schloss Freudenstein mit einer erschlagenden Mineraliensammlung, einen schönen Dom, ein Besucherbergwerk und vieles mehr. Freiberg hab ich schon zweimal besucht, so das ich an diesem Tag die Stadt nur durchquerte. Ich macht eine kleine Laufpause und schob das Fahrrad die Straße nach Halsbrücke hinauf, dann ging es in einer rasanten Fahrt bergab nach Tuttendorf.

Freiberg

Freiberg

Dann ging es wieder idyllisch an der Mulde entlang. Zwischen dem Churprinz Friedrich August Erbstollen und der Hütte in Halsbrücke wurde 1789 der Churprinzer Bergwerkskanal angelegt, um das Silbererz mit Kähnen zu transportieren. Dort steht auch das vermutlich älteste Schiffshebewerk der Welt: das Kahnhebehaus. Die Kähne konnten vom Kanal zur Mulde umgehoben werden. Durch die Regulierung der Mulde steht die Anlage inzwischen auf dem Trockenen.

Kahnhebehaus

Kahnhebehaus

Nach Halsbrücke bin ich dann die Straße bergauf in Richtung Teichhäuser. Dort liegt der Windpark Rothenfurth/Halsbrücke mit sieben Windrädern vom Typ Enercon E-66 und Enercon E-82. Hier soll es mal einen Ausbau auf bis zu 20 Windräder geben. Die Anwohner sind nicht sonderlich begeistert. Im nachfolgenden Bieberstein sind mir leider die auf der Karte vermerkten Schlösser entgangen.

Bergauf

Bergauf zum Windpark

Nach einer erneuten Muldeüberquerung geht es auf der linken Seite zur BAB A4. 1936 wurde dort die größte Autobahnbrücke Deutschlands gebaut. Sie ist 72 Meter hoch und 403 Meter lang. Mit den Pfeilern hatte man wegen alten Bergbaus einige Schwierigkeiten. Zwischen 1994 und 1997 wurde die Brücke auf 6 Fahr- und 2 Standstreifen erweitert. Die alten Pfeiler wurden weiter verwendet. Ob man für einen Radweg auch so einen Aufwand treiben würde?

BAB A4

BAB A4

Nach zwei Kilometer kam ich dann in Nossen an. Mit einem Blick auf das Schloss Nossen wird der Radtourist hier empfangen. Den Plan bis Döbeln zu fahren gab ich auf und fragte in einer Pension nach einem Zimmer. Mit 48 Euro die teureste Pension die ich je hatte, dafür vier Betten in drei schmucken Zimmern, zwei Fernseher und eine Küche mit Vollausstattung. Abendbrot und Frühstück kaufte ich nebenan bei ALDI.

Nossen

Nossen

Mulde-Radweg: Von Löbnitz nach Dessau

Der letzte Tag dieser Reise begann mit einem Blick aus dem Fenster der Pension über das ruhige Löbnitz. Nach dem Frühstück ging es weiter nach Pouch. Diese Strecke bin ich schon sehr oft gefahren, aber immer über die Landstraße. Bis auf 2013, wo das Hochwasser die Landstraße auf hundert Meter in den See gespühlt hatte. Diesmal ging es am Mulde-Damm weiter.

Muldestausee

Muldestausee Muldenstein

Östlich von Bitterfeld, im Flußgebiet der Mulde, wurde in der Vergangenheit Braunkohle im Tagebau abgebaut. Der Muldestausee ist eine dieser Gruben. Die Mulde wurde dafür extra umgeleitet. Nachdem man in Pouch über eine große Brücke die Mulde überquert, geht es an der nordöstlichen Seite des Stausees durch den Wald. Bei Schlaitz gibt es dann einen Campingplatz, Gastronomie und das Haus am See.

Justin

Justin

Auf den folgenden Kilometern konnte man Spuren von Biebern finden, die im Wassergraben neben dem Radweg ihre Burgen bauten. Schließlich endete die Seeumrundung am Wehr in Muldenstein. Der Radweg führte nun nach Süden über Friedersdorf zum Goitzschesee. Auch an diesem Tagebaurestloch gibt es einen asphaltierten Rundweg und einen Pegelturm.

Goitzschesee

Goitzschesee

Ein Stück weiter wird der Rundweg zur „Bitterfelder Wasserfront“. Wobei das Schönste daran die Liebesbeteuerungen eines Bitterfelder Jungen an seine Ex sind – auf einen Kilometer mit Spray auf den Asphalt gemalt. Der Radweg war nun völlig falsch ausgeschildert und führte weiter nach Süden um den See herum. Irgendwann war es mir zu weit und ich fuhr ein Stück zurück.

Bitterfeld/Wolfen

Bitterfeld/Wolfen

In Bitterfeld kaufte ich bei ALDI das Mittagessen und wurschtelte mich mit Handy-Navigation nach Greppin und Wolfen durch. Den im Plan eingezeichneten Radwegverlauf habe ich nicht gefunden. Es könnte sein, dass beim letzten großen Hochwasser 2013 einige Änderungen eingetreten sind. Kurz vor Steinfurth traf ich dann auf die Fuhne.

Fuhne

Fuhne

Die Fuhne ist ein seltsamer Bach. an der Quelle in Löberitz teilt sich die Bach in zwei Bäche. Einer fliesst nach Westen und mündet bei Bernburg in die Saale. Dort bin ich schon auf dem Europa-Radweg R1 an der Fuhne entlang gefahren (siehe Kreuzfahrt 2014). Diesmal war ich am zweiten Bach der nach Osten ins Spittelwasser (und damit in die Mulde) fliesst. Am Ufer der Fuhne gab es Käsebrötchen mit Sprite.

Irrgarten Altjeßnitz

Irrgarten Altjeßnitz

Nach der Muldeüberquerung bei Jeßnitz, es gibt sogar eine große Muldeinsel, führt der Radweg nach Altjeßnitz. Dort ist der berühmte Irrgarten im Park des Altjeßnitzer Schlosses. Wann genau der Hecken-Irrgarten aus Hainbuchen errichtet wurde ist nicht bekannt, das Schloss stammt von 1699. Die letzten 15 Kilometer führten über Retzau und Kleutsch nach Dessau. Durch Dessau bin ich bereits auf dem Elberadweg und dem Europaradweg R1 gefahren.

Dessau

Dessau

Mit der RegioBahn ging es für 12.30 Euro zum Leipziger Hauptbahnhof und dann mit der nächsten S-Bahn zum Wilhelm-Leuschner-Platz.